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International Demonstranten legen Bangkok lahm

Zehntausende Regierungsgegner haben den Verkehr in der thailändischen Hauptstadt blockiert. Damit wollen sie den Rücktritt von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra erzwingen. Die macht der Opposition ein neues Angebot

Legende: Video Massenproteste legen Bangkok lahm abspielen. Laufzeit 01:57 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 13.01.2014.

Gegner von Regierungschefin Yingluck Shinawatra besetzen seit dem Morgen die sieben strategisch wichtigsten Strassenkreuzungen der Zwölf-Millionen-Metropole.

«Die Stadt ist total blockiert, mit Autos wie Bussen ist kein Durchkommen, wobei Hochbahn und U-Bahn noch fahren», berichtet SRF-Korrespondent Urs Morf am frühen Nachmittag (Ortszeit).

Unter anderem sind Kreuzungen entlang der zentralen Einkaufsmeile Sukhumvit Road besetzt. Über Nacht wurden dort grosse Bühnen errichtet. Aus riesigen Lautsprechern dröhnt Musik. Die Einsatzzentrale der Regierung spricht von vielleicht 60'000 Teilnehmern.

Absage an Gewalt von beiden Seiten

Suthep Thaugsuban von der Gruppe «Demokratisches Reformkomitee des Volkes« (PDRC) führte einen Protestmarsch an. «Wir machen unseren eigenen Putsch, einen Volksputsch», rief Suthep. «Wir brauchen das Militär nicht, wir rufen alle Beamten auf, auch Soldaten und Polizisten, uns zu unterstützen.»

Die Demonstranten haben friedliche Proteste versprochen, die Sicherheitskräfte wollen mit Zurückhaltung agieren. Mehr als 15'000 Polizisten und Soldaten sind im Einsatz. «Sie sind unbewaffnet», sagte ein Sprecher der staatlichen Einsatzzentrale.

Strassenblockade von Demonstranten, die Strasse ist leer
Legende: Mit der Blockade an den wichtigsten Knotenpunkten Bangkoks will die Opposition die Regierung zu Neuwahlen zwingen. Reuters

Die Proteste verlaufen bisher friedlich. Die Zusagen beider Seiten, auf Gewalt zu verzichten, seien zumindest auf Regierungsseite glaubwürdig, stellt Morf fest. Denn ein Eingreifen der Armee würde wohl das Ende der Regierung beschleunigen, wie die Geschichte wiederholt gezeigt habe. Nicht auszuschliessen sei, dass die Demonstranten Gewalt gezielt zu diesem Zweck provozieren.

Forderung: «Reformen vor Wahlen»

Die Demonstration ist der vorläufige Höhepunkt einer seit Wochen anhaltenden Kampagne der Opposition gegen die Regierungschefin. Suthep wirft Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra Korruption und Vergeudung von Staatsgeldern vor. «Reformen vor Wahlen» ist ein Motto der Demonstranten, das auch auf vielen Plakaten zu lesen ist. Sie wollen eine Regierung aus Technokraten, die für ein, zwei Jahre regieren und politische Reformen durchsetzen.

Shinawatra hat bereits als Zugeständnis vorgezogene Wahlen anberaumt. Dies wurde aber von der vor allem vom bürgerlichen Mittelstand und den Königstreuen getragenen Opposition als unzureichend zurückgewiesen. Hintergrund dürfte sein, dass die Amtsinhaberin durch die Unterstützung der ärmeren Bevölkerungsteile mit ihrer Wiederwahl rechnen kann.

Gesprächsangebot der Ministerpräsidentin

Auch die Wahlkommission hatte zuletzt den von Shinawatra angesetzten Wahltermin am 2. Februar kritisiert und eine Verschiebung verlangt. Während die Regierungschefin dies zunächst ablehnte, lenkt sie nun angesichts des
Massenprotests offenbar ein: Shinawatra habe die Opposition eingeladen, über den Vorschlag der Wahlkommission zu beraten, die Abstimmung erst am 4. Mai abzuhalten. Eine Reaktion der Protestbewegung gibt es bisher nicht.

Anhänger der Regierung formieren sich ebenfalls, wie eine der Anführerinnen, Thida Thavornseth, sagte. Für den Abend seien grössere Veranstaltungen in mehreren Provinzen geplant. «Wir versuchen, Konfrontationen mit den Demonstranten in Bangkok zu verhindern», sagte Thida. Sie wollten den Demonstranten nicht Vorschub leisten, die nach ihrer Überzeugung Chaos provozieren und damit die Armee zu einem Militärputsch zwingen wollen.

EDA warnt vor Bangkok-Reisen

Das Eidg. Departement für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) warnt vor Reisen nach Thailand, insbesondere in die Region Bangkok. Die Schweizer Reiseanbieter Kuoni, Tui Schweiz und Hoteplan spüren bislang keinen Einfluss der politischen Krise in Thailand, da viele Touristen direkt zu den Badeorten reisen würden.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Wahlen in Thailand sind eine Farce, und genau das wollen die Demokraten mit Reformen ändern denn solange ganze Gemeinden mit Thaxins Geld im Nordosten gefüttert werden, verkaufen die armen Reisbauern ihre Seele. Sie haben sonst nichts um zusätzliches Einkommen zu generieren. Nur, man nennt das auch Korruption und fehlende Bildung.
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Es erstaunt, dass Politiker, die sich die Abschaffung der Demokratie auf die Fahnen geschrieben haben, in Thailand, immerhin frei von der Historie kolonialer Ausbeutung, und nicht getrieben von Islamisten, Faschisten oder Kommunisten, so grosse Macht besitzen. Die Welt ist noch immer noch komplexer als gedacht, trotz Globalisierung.
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Die Globalisierung macht die Welt nicht einfacher, sondern macht erst recht sichtbar, dass wir es mit einer sehr komplexen, kaum überschaubaren Welt zu tun haben. Thailand hat zB. eine Korruption, wir hier in der Schweiz haben aber auch eine "verdeckte" Korruptionsform, die nicht minder ärgerlich ist. Ich behaupte sogar, Thailand hat eine "sog. ehrliche", die Schweiz aber hat eine perfid versteckte und (un-)heimliche anmutende und eine weit gefährlichere Korruption.
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      H.Haller/Kann,nein muss Ihnen,voll und ganz zustimmen.Ein schleichenderes,verstecktes Gift.Fast nicht auszumachen,und deshalb schwer zu bekämpfen(beinahe wie ein Krebsgeschwür).Amtszeitbeschränkungen,Ämterrotationen(keine Kummulationen)sowie die Wahl der Minister durch das Volk,wären möglicherweise Gegenmittel.
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    3. Antwort von Albert Planta, Chur
      Hans Haller, Kölliken Sie kennen die Verhältnisse in Thailand nicht. Das Los der meisten Thailänder ist bedeutend schwerer als das der Schweizer.
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