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International «Der grosse Geist hat uns dieses Land gegeben»

Auf Black Mesa, einem abgelegenen Tafelberg in der trockenen Landschaft Arizonas, leben Familien seit Generationen von ihren Schafen. Vor dreissig Jahren wurde ihnen von der US-Regierung befohlen, ihr Land zu verlassen. Die Familie Lane weigert sich, dem Kohleabbau Platz zu machen.

Jerry Lane füllt Wasser in einen grossen Behälter auf seinem Pickup-Truck. Um es zu holen, ist er mit seiner Schwester Mary dreissig Meilen gefahren. Das ist in dem Navajo-Reservat üblich: 40 Prozent der Haushalte haben kein fliessendes Wasser.

Bei der Familie Lane gibt es noch einen zusätzlichen Grund: Die nahe gelegene Kohlemine. Weil die Kohle lange mit Wasser abtransportiert wurde, ist der Grundwasserspiegel gesunken. Quellen sind versiegt, nur noch wenige Brunnen sind tief genug. Auf dem Heimweg einem holprigen Schotterweg entlang zeigen die Geschwister auf einen Brunnen, der mit Zement zugemauert wurde. Jerry Lane sagt lakonisch: «Der Hopi-Stamm hat das gemacht, unterstützt vom Bureau of Indian Affairs.»

Angeblicher Konflikt mit dem Hopi-Stamm

Mary und Jerry Lane leben auf einer Anhöhe namens Black Mesa, umgeben von einsamen Canyons. In drei Hütten hausen sie hier mit einer weiteren Schwester und ihrer betagten Mutter. Mary Lane schaut nach den rund 60 Schafen, sie sind ihre Lebensgrundlage.

Black Mesa hat ihren Namen von den schwarzen Steinen, der Kohle, die hier im Boden liegt. Wegen dieser Kohle müssen die Lanes ihr Land aufgeben. So hat es das Bureau of Indian Affairs vor dreissig Jahren angeordnet. Grund ist angeblich ein Konflikt mit dem Hopi-Stamm nebenan, der aber nachweislich von der Kohleindustrie und der US-Regierung geschürt wurde. Die Lanes harren aus, doch nahegelegene Brunnen werden zugemauert, ihre Tiere regelmässig beschlagnahmt.

«Der Kohleabbau verletzt die Mutter Erde»

Drinnen in der Hütte sitzt die Mutter Rena Lane auf ihrem Bett. Im Ofen knistert ein Feuer. Die Medizinfrau ist dreiundneunzig. Sie wurde von Ranchern brutal zusammengeschlagen, als sie verhindern wollte, dass ihre Tiere beschlagnahmt wurden. Sie erlitt dabei einen Herzinfarkt.

Rena Lane spricht nur die Navajo-Sprache. «Die Mutter Erde ist heilig, der grosse Geist hat uns dieses Land gegeben, mit den Tieren, die wir halten. Wir haben das Recht, hier zu bleiben.» Der Bergbau macht ihr Sorgen: «Der Kohleabbau verletzt die Mutter Erde. Das darf nicht geschehen. Wir leben hier von den Heilpflanzen und Tieren. Die Heilpflanzen wachsen nicht mehr, weil alles ausgetrocknet ist».

Der Kohleabbau verletzt die Mutter Erde. Das darf nicht geschehen.
Autor: Rena LaneMedizinfrau

Vier Stunden südöstlich von Black Mesa liegt Window Rock, die Hauptstadt der Navajo. Albert Damon war bis vor kurzem Wirtschaftsminister des Indianerstammes. In den USA sinkt die Nachfrage nach Kohle, wegen dem Gasboom und dem Klimaschutz. Das ist ein Problem für den Navajo-Stamm, denn vierzig Prozent seiner Einnahmen stammen aus dem Kohleabbau.

Deshalb blicke die Stammes-Regierung nach Übersee, um die Kohle langfristig zu verkaufen, sagt Damon. «Die Chinesen sind zu uns gekommen, um nach Investitionsmöglichkeiten zu suchen. Wir zeigten ihnen die Kohle der Peabody Mine. Sie waren sehr interessiert». Diese Mine liegt in der Nähe von Black Mesa. Die Chinesen würden hoffentlich helfen, Bahnlinien zu finanzieren, sagt der Wirtschaftsberater. Dann könnte die Kohle bis weggeführt werden für den Export über den Pazifik.

Der Druck bleibt

Genau das befürchtet Marsha Monestersky, denn es würde den Druck auf die Familien auf Black Mesa erhöhen. Sie sitzt in der Eingangshalle der Community College von Flagstaff, Arizona.

Monestersky ist Gründerin der Organisation Forgotten People, die sich für Familien wie die Lanes einsetzt. «Dieses Gebiet ist der einzige Ort des Landes, wo indigene Menschen umgesiedelt, wo Tiere beschlagnahmt werden. Das ist menschenrechtswidrig. Die US-Regierung prangert überall auf der Welt Länder an, weil sie die Menschenrechte verletzen. Schaut her was hier in Arizona geschieht.»

Dieses Gebiet ist der einzige Ort des Landes, wo indigene Menschen umgesiedelt werden.
Autor: Marsha MonesterskyGründerin der Organisation Forgotten People

Das Bureau of Indian Affairs lässt Anfragen zu der Situation auf Black Mesa unbeantwortet. Die Regierung der Navajo setzt sich nicht wirklich für die Betroffenen ein, sagt Monestersky. Zu abhängig sei sie von den Lizenzeinnahmen aus dem Kohleabbau.

Internationaler Aufruf wirkte

Die US-Regierung erliess immer wieder Fristen, um die Familien zu zwingen, umzusiedeln. Marsha Monestersky erklärt: «Im Jahr 2000 wollte sie die US-Regierung mit bewaffneten Ordnungshütern vertreiben. Wir lancierten einen internationalen Hilferuf. Menschen kamen aus Italien, Deutschland, Schweden, von überall, um die Navajo zu unterstützen.»

So haben die Familie Lane und andere Navajo Zeit gewinnen können. Aber sie leben weiter im Ungewissen darüber, wie lange sie noch auf ihrem Land bleiben dürfen.

Die Navajo-Indianer

Die Navajo sind mit 300‘000 Mitgliedern der zweitgrösste Indianerstamm der USA. Etwa 170‘000 von ihnen leben in dem Reservat, das etwa anderthalb Mal so gross ist wie die Schweiz und abgelegen im Südwesten der USA liegt, zwischen Arizona, New Mexiko, Utah und Colorado. Rund die Hälfte der Navajo sprechen noch ihre traditionelle Sprache.

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18 Kommentare

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  • Kommentar von C.Szabo, Thal
    Die Öffentlichkeit bietet den Ureinwohnern einen relativ guten Schutz. Das gilt weltweit. Solange Verbrechen an diesen Völkern konsequent angeprangert werden und sie sich untereinander einigermassen einig sind, haben sie eine Chance. Vielfältigkeit sollte global wieder mehr Wert sein. Das verhindert allmächtiges Handeln gegenüber "Kleinen". Manchmal ist Tradition im besten Sinne und langfristiges Denken für spätere Generationen eine Option für die Menschheit.
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Dort, wo es eine selbstbewusste Zivilgesellschaft und unabhängige Gerichte gibt, stehen die Chancen nicht schlecht, solchen Leuten zu ihrem Recht zu verhelfen. Wenn aber in einem Land NGO's per Gesetz pauschal als "ausländische Agenten" gebrandmarkt werden, und Gerichte grundsätzlich nach den Vorgaben des Regimes entscheiden, sehe ich eher schwarz....
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  • Kommentar von c.jaschko, Bern
    Der Kapitalismus ist eine Seuche die schnellstens weggeschafft werden muss damit die Menschen auf dieser Erde endlich anfangen leben zu können wie Menschen... Der Kapitalismus ist die Wurzel aller Probleme ...
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Es ist gar nicht gut, was da läuft, aber hüten wir uns vor einseitiger Anprangerung! Ich empfehle einen Bericht der "Gesellschaft für bedrohte Völker", in welchem auf die genauso haarsträubende Geschichte und aktuelle Situation von indigenen Völkern in Russland hingewiesen wird: http://www.gfbv.it/3dossier/siberia/sibiri-de.html – Unter welchen Vorzeichen auch immer: es braucht Respekt und eine wache Zivilgesellschaft!
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    2. Antwort von p.keller, kirchberg
      Nein - Wirtschaft und Wachstum ist die Wurzel.
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    3. Antwort von m.mitulla, wil
      Man kann NIE eine Ungerechtigkeit mit einer anderen Ungerechtigkeit wieder gut machen, F.Buchmann. Andernorts weisen Sie immer wieder vehement auf die Nichtigkeit solcher Verknüpfungen hin - also ziehen Sie selber bitte wenigstens Ihre eigene Linie durch.
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    4. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      m.mitulla, ich wüsste nichts von einer "Linie" die ich nicht "durchziehe" :-) Und ich habe mir lediglich erlaubt, mit einem Link zu einer sehr lesenswerten, fundierten Dokumentation darauf hinzuweisen, dass die prekäre Lage indigener Völker wenn schon ein weltweites Phänomen ist, welches auch z.B. in der UdSSR und ihrem postkommunistischen Nachfolgestaat traurige Blüten trieb und immer noch treibt....
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Mal schauen, wie mit der Indianerfamilie umgesprungen wird - durch das Internet schaut nun die ganze Welt wie die Mächtigen ihre Interessen durchsetzen - oder eben Milde walten lassen.
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