Der Heilige Krieg als Reiseziel

Die französischen Behörden schlagen Alarm: Rund 100 Franzosen kämpfen an der Seite von Islamisten in Syrien. Das wird nicht nur für Syriens Machthaber Baschar al-Assad zunehmend zu einem Problem. Auch Frankreich sorgt sich um die nationale Sicherheit.

Ein Kämpfer der Jabhat al-Nusra fährt auf einem Motorrad. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Auf ins Gefecht: Ein Kämpfer der Jabhat al-Nusra in Syrien. Franzosen kämpfen häufig an der Seite der Islamisten. Reuters

Viele von ihnen blicken in eine düstere Zukunft. Die jungen Franzosen mit Migrationshintergrund – meistens sind es Männer – arbeiten nicht, verdienen legal kaum Geld, leben in der Banlieue, haben keine Perspektive und leiden unter einer Identitätskrise.

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Terror im Internet

Die amerikanische Universität in Arizona misst im «Dark Web Project» extremistische und terroristische Strömungen im Internet. 50‘000 Webseiten verbreiten diese Inhalte. Dazu kommen rund eine Million Bilder und 15‘000 Videos. Mehr als die Hälfte dieser multimedialen Inhalte enthalten gemäss dem Projekt Anleitungen zum Bau von Bomben.

Früher waren diese jungen Männer ein gefundenes Fressen für Hassprediger. Das habe sich geändert, sagt der Soziologe und Buchautor Samir Amghar gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. «Heute nutzen diese Menschen das Internet als ein Propagandainstrument.» Das hat nach Behördenangaben rund 100 der jungen Franzosen mit Migrationshintergrund in den Heiligen Krieg nach Syrien gezogen.

Es beginnt mit Raub

Doch meistens beginnt es nicht mit Terror, sondern mit gewöhnlicher Kriminalität. In Frankreich häufen sich in letzter Zeit Überfälle auf Bijouterien. Ruedi Mäder, SRF-Korrespondent in Frankreich, sagt: «Unter diesen Räubern sind auch Jihadisten.» Sie würden die Geschäfte überfallen, um mit der Beute ihre Reise in die Stätten des Heiligen Krieges zu finanzieren. Dazu gehört vermehrt Syrien.

Der dortige Bürgerkrieg hat die Bevölkerung tief gespalten. Neben den Rebellen kämpft auch die islamistische Al-Nusra-Front gegen das Regime von Baschar al-Assad. Und die Islamisten machen keinen Hehl daraus, dass sie enge Verbindungen zum Terrornetzwerk Al-Kaida pflegen.

Franzosen – und andere westliche Jihadisten – kommen hier schnell zu ihrem Ziel. Der französische Untersuchungsrichter Marc Trévidic ist auf Terrorismus spezialisiert. Er sagt gegenüber französischen Medien: «Es reicht, ein Flugzeug in die Türkei zu nehmen und sich dort an der syrischen Grenze den Kämpfern anzuschliessen.» Die Grenze ist porös und für die Türkei benötigen die Franzosen kein Visum.

Franzosen kämpfen den Jihad

3:36 min, aus SRF 4 News aktuell vom 17.09.2013

Terrorist im Ausland, Terrorist daheim?

«Die Behörden versuchen, die Reiserouten zu kontrollieren», sagt Korrespondent Mäder. Aber es sei schlicht unmöglich, alle Reisen zu überwachen. Vor dem Hintergrund der jüngsten Enthüllungen um Ausspähaktionen des US-Geheimdienstes NSA könnten flächendeckende Überprüfungen europäischer Reisender vermehrt Unbehagen in der Bevölkerung hervorrufen. Für die Behörden ist es eine Gratwanderung.

Was ihnen zusätzlich Sorgen bereit, sind die Fragen: Was machen die Exil-Jihadisten nach ihrem Kampfeinsatz? Kehren sie nach Frankreich oder in andere europäische Länder zurück? Attackieren sie hier Zivilisten oder den Staat? Oder kriegen sie die Kurve und gliedern sich in die Gesellschaft ein?

Das alles sind mögliche Szenarien. Das weiss auch ein hoher französischer Diplomat, der gegenüber Reuters sagt: «Die Franzosen sind mittlerweile ein Schlüsselfaktor im syrischen Bürgerkrieg.» Das sei ein Problem der Nationalen Sicherheit – für Frankreich.