Der Held von Fukushima stirbt an Krebs

Masao Yoshida ist tot. Der Mann gilt in Japan als grosses Idol. Beim Atomgau 2011 widersetzte er sich seinen Vorgesetzten und verhinderte so ein noch schlimmeres Unglück.

Masao Yoshida spricht im November 2011 in der Stadt Okuma über die Katastrophe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Masao Yoshida ein paar Monate nach dem Unglück, im November 2011. Einen Monat später erhielt er die Krebsdiagnose. Keystone

Masao Yoshida litt an Speiseröhrenkrebs. Er verstarb am Dienstag in einem Spital, mit 58 Jahren. Zum Zeitpunkt des Atom-Unglücks war er Direktor des Atomkraftwerks von Fukushima.

Er tat damals in den ersten dramatischen Stunden nach dem Erdbeben im März 2011 etwas für einen Japaner sehr Ungewöhnliches: Er widersetzte sich den Weisungen von oben.

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Leck liess Cäsium entweichen

Aus einem Leck des Katastrophenreaktors in Fukushima sind radioaktive Stoffe ins Grundwasser geraten. Die Cäsium-Belastung ist seit Freitag um ein Vielfaches gestiegen. Der Stoff verursacht mutmasslich Krebs. Auch andere gefährliche Stoffe wurden im Grundwasser festgestellt.

Zuerst informieren, dann kühlen

Seine Vorgesetzten wollten kein Meerwasser mehr zu den beschädigten Reaktoren pumpen, um diese zu kühlen. Zuerst sollte der damalige Ministerpräsident informiert werden.

Yoshida weigerte sich und setzte die Kühlung fort. Sein Handeln verhinderte eine noch schlimmere Katastrophe. Yoshida wurde zunächst gemassregelt, aber später von der Presse als Held gepriesen.

Gelobt und kritisiert

Der in Osaka geborene Atomingenieur arbeitete seit 1979 für den japanischen Energiekonzern Tepco. 2010 übernahm er die Leitung von Fukushima.

Japan-Korrespondent Martin Fritz übers Strahlenwasser

3:21 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.07.2013

Yoshiba wurde allerdings von der Öffentlichkeit nicht nur gelobt. Wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen gegen Tsunamis kritisierte man ihn auch. 160‘000 Menschen mussten wegen der Strahlengefahr ihre Häuser verlassen. Manche für immer.

Yoshida trat wegen des Krebses im Dezember 2011 zurück. Tepco erklärte, die Erkrankung stehe nicht in Zusammenhang mit dem Unglück. Im Juli 2012 wurde er wegen Gehirnblutungen operiert.