Der Papst ist vielen US-Republikanern zu links

Nach Kuba besucht Papst Franziskus die USA, wo er Präsident Obama treffen und vor dem Kongress auftreten wird. Die Aufregung ist gross. Doch der Heilige Vater ist nicht allen gleich willkommen. Vor allem konservative Republikaner haben ihre liebe Mühe.

Ein Kunstmaler malt das Gesicht von Papst Franziskus auf ein Gebäude. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Seit Wochen bereitet man sich auf den Besuch von Papst Franziskus vor. Ein Kunstmaler bemalt ein Gebäude in New York. Keystone

Vorfreude und auch etwas Stolz schwingen mit bei John Boehner: Drei Päpste habe er schon eingeladen, vor dem Kongress zu reden, erklärt der Republikaner und Chef des Repräsentantenhauses. Nun habe es mit Franziskus endlich geklappt.

Die Leute interessiere, was der Papst sage. Zur Unterstützung der Armen etwa, oder darüber, dass Religion wieder eine grössere Rolle spielen sollte. Natürlich vertrete der Heilige Vater auch andere, etwas kontroversere Positionen. Aber, so der Katholik Boehner: «Er darf das, er ist der Papst.»

Streitpunkt: Nächstenliebe für Immigranten?

Andere Republikaner zeigen sich weniger diplomatisch. Sie haben Papst Franziskus nicht vergeben, dass er vor den Gefahren des Kapitalismus warnt, mehr Nächstenliebe für Immigranten fordert oder den Klimawandel als eine von Menschen verursachte Katastrophe betrachtet. Solche Ansichten gehen vielen Konservativen in der Partei gegen den Strich.Der Papst sei für strengere Waffenrechte, für unnütze Umweltschutzprogramme. Er stehe politisch sehr weit links, beklagt sich zum Beispiel Senator Jim Inhofe aus Oklahoma: «Der Papst vertritt Ansichten, die sich von jenen seiner Vorgänger drastisch unterscheiden. Viele Katholiken in meinem Bundesstaat ärgern sich kolossal.»

«  Viele Katholiken ärgern sich kolossal. »

Jim Inhofe
US-Senator, Republikaner

Linke Positionen. Sprich: Obamas Positionen. Der Tea-Party-Abgeordnete Paul Gosar aus Arizona wird die Papst-Rede am Donnerstag boykottieren. Einige Republikaner bezeichnen den Papst gar als Sozialisten.Das sei natürlich Unsinn, findet Michael Sean Winters, Journalist bei der Publikation National Catholic Reporter: Franziskus habe keine dogmatische Kehrtwende vollzogen. Bei vielen gesellschaftspolitischen Themen sei auch er konservativ. Aber er spreche halt den Klimawandel an, und – anders als viele Kapitalisten und Konservative in den USA – habe er die Armen nie vergessen.

Papst ist Thema im Präsidentschaftswahlkampf

Immer wieder tauchen die Aussagen des Papstes auch im Präsidentschaftswahlkampf auf. Sechs republikanische Kandidaten sind Katholiken, so viele wie noch nie. Jeb Bush zum Beispiel. Er orientiere sich bei seiner Wirtschaftspolitik nicht am Papst, sagte er an einer Wahlkampf-Veranstaltung. Und der Katholik Rick Santorum erklärte in einem Radio-Interview: «Schuster bleib bei Deinen Leisten», das gelte auch für die Kirche.

Diese Abwehrhaltung ist neu. Noch vor kurzem waren die Konservativen für eine Annäherung von Staat und Kirche. Gebete in der Schule etwa finden sie eine gute Idee. Aber nun können sie nicht mehr unbesehen alle Positionen aus Rom übernehmen.

Die Verunsicherung ist auch in der Bevölkerung spürbar. Laut einer Umfrage fiel die Zustimmungsrate des Papstes bei US-Katholiken um fast 20 auf 71 Prozent, bei konservativen Katholiken sogar auf 45 Prozent. Unklar ist, ob sich die US-Katholiken mit der Zeit den Ansichten des Pontifex Maximus anschliessen werden. Das war beim Thema Todesstrafe so, nachdem Papst Johannes Paul II 1995 diese Form der Bestrafung kritisiert hatte. Inzwischen sieht das auch eine Mehrheit der Katholiken in den USA so.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Papst-Besuch wirft hohe Wellen

    Aus Tagesschau vom 22.9.2015

    Papst Franziskus trifft am Abend in den USA ein. Was ihn da erwartet, sind neben Barack Obama hunderte Missbrauchs-Opfer mit hohen Erwartungen.