Der Satz, der die Deutsche Bank fast eine Milliarde kostete

Die Deutsche Bank beendet den zwölfjährigen Streit um die Pleite des Medienkonzerns Leo Kirch. Fast eine Milliarde Euro kostet das die Deutsche Bank. Und das alles wegen eines geäusserten Satzes in einem Interview. Ziemlich viel Geld für ein paar wenige Worte.

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Bildlegende: Leo Kirch, der 2011 verstorbene Medienmogul, verklagte die Deutsche Bank wegen eines Satzes. Keystone

775 Millionen Euro muss die Deutsche Bank zahlen. Eigentlich ist es sogar ein bisschen mehr: 925 Millionen, wenn man auch noch Zinsen und Nebenkosten einrechnet. Für einen halben Satz, den der Verwaltungsratspräsident der Deutschen Bank, Rolf Breuer, 2002 in einem Fernsehinterview sagte.

Die Erben des Medienunternehmers Leo Kirch bekommen das Geld, weil wegen dieses halben Satzes Kirchs ganzes Imperium zusammengekracht sei. Eigentlich ist das gar nicht so viel, wenn man bedenkt, dass Kirch ursprünglich auf rund drei Milliarden geklagt hatte.

Sehr viel Geld für ziemlich wenige Worte

3:15 min, aus Echo der Zeit vom 20.02.2014

Der verhängnisvolle Satz

Leo Kirch war der grösste und einflussreichste Unternehmer Deutschlands im Bereich der elektronischen Medien. Er hatte zunächst mit Filmrechten gehandelt und stieg dann ins Privatfernsehen ein. Dabei half ihm unter anderem seine enge Freundschaft mit dem damaligen Deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl. Kirch gehörten unter anderem der Fernsehsender Pro7/Sat1, das heutige «Sky», Sportvermarktungsfirmen und Produktionsgesellschaften.

Der Konzern geriet 2001 in finanzielle Schwierigkeiten. 2002 beantwortete der Verwaltungsratspräsident der Deutschen Bank, Rolf Breuer, in einem Interview in Bloomberg TV auf die Frage, wie er die Kirch-Gruppe einschätze: «Was man alles darüber lesen und hören kann ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch Finanz- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen.» Dieser Satz aus dem Munde des einflussreichen Verwaltungsratspräsidenten der Deutschen Bank habe dazu geführt, dass sein Imperium kurz darauf habe Insolvenz anmelden müssen, sagte Kirch und klagte 2003 auf Schadenersatz.

Der Schaden war nicht für alle ersichtlich

Damit begann ein schier endloses Gewirr von Klagen, Gegenklagen, Strafverfahren und Verhandlungen, in welches schliesslich auch eine Reihe weiterer Personen wie etwa Josef Ackermann, der spätere Chef der Deutschen Bank hineingezogen wurde.

2012, ein Jahr nach Kirchs Tod, kam es zum Grundsatzurteil, das die Deutsche Bank zur Zahlung von Schadenersatz an Kirchs Erben verurteilte. Offen war aber noch die Höhe der Strafzahlung. Hier hat man sich jetzt geeinigt auf die insgesamt 925 Millionen. Das sind zwar nicht die drei Milliarden, die Kirch ursprünglich verlangt hatte, es ist es aber doch ziemlich viel. Dies vor allem, wenn man bedenkt, dass ein Richter in diesem komplexen Verfahren auch mal festgestellt hatte, dass gar nicht klar sei, ob Kirch überhaupt einen Schaden erlitten habe. Zwischen «kein Schaden» und drei Milliarden hat man sich jetzt auf die knappe Milliarde geeinigt.

In einem Streit, in dem es nur darum ging, ob der Finanz-Seiltänzer Kirch ohnehin von seinem sehr stark schwankenden Seil gestürzt wäre, oder ob der Schubser des Deutsche Bank - Chefs mit diesem Interview den Sturz erst ausgelöst habe.