Ungleich verteilter Reichtum «Der soziale Zusammenhalt ist in Gefahr»

Die Kluft zwischen Arm und Reich wird weltweit immer grösser. Der Soziologe Ueli Mäder sieht darin grosse Gefahren.

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Ueli Mäder über die Oxfam-Studie

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Ueli Mäder

Ueli Mäder

Ueli Mäder war von 2005 bis 2016 Professor für Soziologie an der Universität Basel. Er beschäftigte sich insbesondere mit Ursachen und Folgen sozialer Ungleichheit.

Der Graben zwischen Arm und Reich wird immer tiefer. Hat Sie das überrascht?

Nein. Der Graben ist schon seit Jahren sehr tief. Und egal, ob es jetzt acht oder 62 Menschen sind, die so viel haben, wie die Hälfte der Menschheit; es ist einfach sehr, sehr krass.

Warum ist das so?

Es fehlt an der Bereitschaft, wirklich etwas für den sozialen Ausgleich zu tun. Kommt hinzu, dass Vermögende in der Lage sind, über beste Anlageberatungen ihr Geld so einzusetzen, dass sie noch mehr Geld verdienen. Und leider verteilen sich die Gewinne der Produktivität, die sich zum Glück steigert, immer mehr auf relativ wenige Schultern.

«  Wir müssten auch als Konsumenten bereit sein, mehr Geld für Rohstoffe und Primärgüter des täglichen Bedarfs zu zahlen. »

Was könnte die Politik dagegen tun?

Die Oxfam-Studie schlägt weltweit einen Mindestansatz für die Steuern auch bei Konzernen vor. Ich habe den Eindruck, dass wir in diese Richtung gehen müssen. Sonst wird die Möglichkeit immer grösser, dass die einen die anderen ausspielen und die Spirale immer weiter nach unten geht. Wir müssten aber auch als Konsumenten bereit sein, mehr Geld für Rohstoffe und Primärgüter des täglichen Bedarfs, wie Kaffee, zu zahlen. Da sind wir gefordert, sozial den Ausgleich über fairere und gerechtere Preise anzustreben.

Wird es in Zukunft noch ein paar Superreiche und sehr viele Arme geben?

Ich habe den Eindruck, dass momentan der Trend dahingeht, dass sich die soziale Brisanz verschärfen wird. Aber es gibt auch einige, die realisieren, dass es auch gefährlich werden könnte. Der soziale Zusammenhalt ist in Gefahr. Das könnte bedeuten: Mehr Unfrieden und mehr soziale Unruhen. Und wenn das sich verbreitet, kommt es zu einer Lose-lose-Strategie. Dann verlieren eigentlich alle. Wir sollten also wieder vermehrt den sozialen Ausgleich weltweit anstreben.

Das Interview führte Claudia Weber.