Bauern in Kalifornien Der Trump, den sie riefen

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Kaliforniens konservative Bauern in Sorge

  • Viele kalifornische Bauern haben Donald Trump gewählt.
  • Sie sind aber abhängig von Exporten nach Mexiko und haben Angst davor, dass ihre Mitarbeiter ausgeschafft werden.
  • Auf kalifornischen Farmen arbeiten viele Immigranten aus Mexiko.
Kühe in einer Melkmaschine Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Milch verkauft Bauer Gioletti an eine Kooperative, die sie in den USA und ins Ausland verkauft – oft nach Mexiko. Priscilla Imboden

Die Kühe drängen zur Melkstation. Ein riesiges Karussell, wo die Holsteiner von alleine in die Einstände gehen. Arbeiter befestigen Melkbecher an ihren Zitzen. Das Karussell dreht sich langsam. Die Kuh kommt fertig gemolken an den Ausgangspunkt zurück und wird von einem Wasserstrahl zurück ins Gatter gedrängt. Bauer Devin Gioletti ist stolz. «Das ist ein 72-Platz Melkkarussell. Wir melken hier 400 Kühe pro Stunde, jede Kuh wird jeden Tag dreimal gemolken», sagt er.

Seine 2700 Kühe stehen in offenen Gehegen, die mit Wellblech überdacht sind. Gioletti ist Grossunternehmer. Wie die meisten kalifornischen Milchbauern betreibt er eine industrielle Produktion, allerdings haben die meisten kalifornischen Milchbauern nur halb so viele Kühe wie er.

Angst, dass Trump sein Wort hält

Gioletti wählte Donald Trump. Die meisten seiner Berufskollegen auch. Er hoffte auf weniger Regeln und Vorschriften für seinen Betrieb. Doch Trump will nun den nordamerikanischen Freihandelsvertrag neu verhandeln. Und die Regierung denkt laut über Importzölle gegen Mexiko nach, was einen Handelskrieg auslösen könnte. Dabei ist der wichtigste Exportmarkt für die kalifornische Milchindustrie Mexiko. Das sei ein Problem, meint der Bauer.

«Vor allem beim Milchpulver sind wir auf den Export angewiesen. Ich habe gehört, dass mexikanische Kunden keine langfristigen Kaufverträge mehr abschliessen wollen, bis sie sehen, was passiert», sagt Gioletti. Damit verliere man an Boden gegenüber den Milchproduzenten aus Europa und Neuseeland.

Paul Wenger steht auf seiner Farm. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Paul Wenger ist Präsident des Kalifornischen Bauernverbandes. Er erhält täglich Anrufe besorgter Mitglieder. SRF / Priscilla Imboden

«Das Gemüse würde auf den Feldern verrotten»

Sorgen macht sich auch Paul Wenger, der Präsident des kalifornischen Bauernverbandes, dessen Grossvater einst aus der Schweiz nach Kalifornien ausgewandert ist. Achtzig Prozent der Angestellten bei den Landwirten seien illegale Einwanderer aus Mexiko, schätzt er.

Gerade erhalte er täglich Anrufe von besorgten Mitgliedern. Wenger: «Sie ernten gerade Wintergemüse und haben von Ausschaffungs-Razzien gehört, die in anderen Bundesstaaten durchgeführt werden. Sie fürchten, dass ihre Angestellten abgeholt werden. Das Gemüse würde dann auf den Feldern verrotten.» Erst vor kurzem sind in anderen US-Bundesstaaten hunderte von illegalen Einwanderern aufgegriffen und verhaftet worden. Gestern hat die Trump-Regierung erklärt, wie sie die Ausschaffungen erhöhen will.

Mandeln und frei handeln

Viele Bauern hätten bei der Wahl nicht geglaubt, dass Donald Trump tatsächlich macht, was er angekündigt hat. Selber hat er eine klare Meinung dazu: «Er tut, was er sagt – das muss man ihm lassen. Wer darüber erstaunt ist, soll sich schämen.»

«  Es ist nicht nur so, dass sie uns in Washington nicht zuhören. Sie nehmen nicht einmal das Telefon ab. »

Anja Raudabaugh
Direktorin des kalifornischen Milchproduzentenverbandes

Einblick in einen Bauernbetrieb in Kalifornien

1:07 min, vom 22.2.2017

Grosser Exportschlager der kalifornischen Landwirtschaft sind Mandeln. Mehr als sechzig Prozent der Steinfrüchte werden in alle Welt exportiert, zunehmend auch nach Asien. Mit der neuen Regierung könnte die Situation jetzt aber auch für die Mandelbauern schwieriger werden. Kelly Covello, Präsidentin des Verbandes Almond Alliance of California, sagt: «Wir waren für das transpazifische Freihandelsabkommen, es hätte unseren Exporten Aufwind gegeben.»

In den ersten Tagen im Amt hat Donald Trump dieses Abkommen, das die USA mit elf Ländern rund um den Pazifik abgeschlossen hatten, gekippt. «Wir hoffen, dass die Regierung mit diesen Ländern bald wieder Verhandlungen aufnimmt, um den freien Handel zu erleichtern», sagt Covello.

Wenig Gehör für die Anliegen der Bauern

Letzte Woche reiste eine Delegation kalifornischer Landwirtschaftsvertreter nach Washington. Sie versuchten, über kalifornische Kongressabgeordnete ihre Anliegen anzubringen und Mitglieder der Regierung zu treffen. Allerdings nur mit mässigem Erfolg.

Wenig hilfreich dabei sei gewesen, dass sich der Gouverneur und der Kongress von Kalifornien als Anti-Trump-Bastion positioniert haben, erklärt Anja Raudabaugh, Direktorin des kalifornischen Milchproduzentenverbandes Western United Dairymen: «Es ist nicht nur so, dass sie uns in Washington nicht zuhören. Sie nehmen nicht einmal das Telefon ab.»

Devin Gioletti in seinem Stall. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bauer Gioletti hat Trump gewählt. Nun hofft er, dass er die Wahlversprechen – Illegale auszuschaffen – nicht einhält. Priscilla Imboden

Ein böses Erwachen droht

Milchbauer Devin Gioletti hört das nicht gerne. Sein Blick schweift über das gigantische Melkkarussell auf seinem Betrieb. Er blickt auf die Männer, die es betreiben. Zu den Massen-Ausschaffungen, die Donald Trump in Aussicht gestellt hat, meint er: «Das kann er gar nicht bewerkstelligen. Er hat einiges nur gesagt, um gewählt zu werden.»

Trump sei ein Geschäftsmann und verstehe, dass die Bau-, Gastro- und Landwirtschaft in den USA auf Einwanderer angewiesen sind. Doch: In dieser Aussage spielt unüberhörbar auch Hoffnung mit.