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Bauern in Kalifornien Der Trump, den sie riefen

Legende: Audio Kaliforniens konservative Bauern in Sorge abspielen. Laufzeit 05:21 Minuten.
05:21 min, aus Echo der Zeit vom 22.02.2017.
  • Viele kalifornische Bauern haben Donald Trump gewählt.
  • Sie sind aber abhängig von Exporten nach Mexiko und haben Angst davor, dass ihre Mitarbeiter ausgeschafft werden.
  • Auf kalifornischen Farmen arbeiten viele Immigranten aus Mexiko.
Kühe in einer Melkmaschine
Legende: Die Milch verkauft Bauer Gioletti an eine Kooperative, die sie in den USA und ins Ausland verkauft – oft nach Mexiko. Priscilla Imboden

Die Kühe drängen zur Melkstation. Ein riesiges Karussell, wo die Holsteiner von alleine in die Einstände gehen. Arbeiter befestigen Melkbecher an ihren Zitzen. Das Karussell dreht sich langsam. Die Kuh kommt fertig gemolken an den Ausgangspunkt zurück und wird von einem Wasserstrahl zurück ins Gatter gedrängt. Bauer Devin Gioletti ist stolz. «Das ist ein 72-Platz Melkkarussell. Wir melken hier 400 Kühe pro Stunde, jede Kuh wird jeden Tag dreimal gemolken», sagt er.

Seine 2700 Kühe stehen in offenen Gehegen, die mit Wellblech überdacht sind. Gioletti ist Grossunternehmer. Wie die meisten kalifornischen Milchbauern betreibt er eine industrielle Produktion, allerdings haben die meisten kalifornischen Milchbauern nur halb so viele Kühe wie er.

Angst, dass Trump sein Wort hält

Gioletti wählte Donald Trump. Die meisten seiner Berufskollegen auch. Er hoffte auf weniger Regeln und Vorschriften für seinen Betrieb. Doch Trump will nun den nordamerikanischen Freihandelsvertrag neu verhandeln. Und die Regierung denkt laut über Importzölle gegen Mexiko nach, was einen Handelskrieg auslösen könnte. Dabei ist der wichtigste Exportmarkt für die kalifornische Milchindustrie Mexiko. Das sei ein Problem, meint der Bauer.

«Vor allem beim Milchpulver sind wir auf den Export angewiesen. Ich habe gehört, dass mexikanische Kunden keine langfristigen Kaufverträge mehr abschliessen wollen, bis sie sehen, was passiert», sagt Gioletti. Damit verliere man an Boden gegenüber den Milchproduzenten aus Europa und Neuseeland.

Paul Wenger steht auf seiner Farm.
Legende: Paul Wenger ist Präsident des Kalifornischen Bauernverbandes. Er erhält täglich Anrufe besorgter Mitglieder. SRF / Priscilla Imboden

«Das Gemüse würde auf den Feldern verrotten»

Sorgen macht sich auch Paul Wenger, der Präsident des kalifornischen Bauernverbandes, dessen Grossvater einst aus der Schweiz nach Kalifornien ausgewandert ist. Achtzig Prozent der Angestellten bei den Landwirten seien illegale Einwanderer aus Mexiko, schätzt er.

Gerade erhalte er täglich Anrufe von besorgten Mitgliedern. Wenger: «Sie ernten gerade Wintergemüse und haben von Ausschaffungs-Razzien gehört, die in anderen Bundesstaaten durchgeführt werden. Sie fürchten, dass ihre Angestellten abgeholt werden. Das Gemüse würde dann auf den Feldern verrotten.» Erst vor kurzem sind in anderen US-Bundesstaaten hunderte von illegalen Einwanderern aufgegriffen und verhaftet worden. Gestern hat die Trump-Regierung erklärt, wie sie die Ausschaffungen erhöhen will.

Mandeln und frei handeln

Viele Bauern hätten bei der Wahl nicht geglaubt, dass Donald Trump tatsächlich macht, was er angekündigt hat. Selber hat er eine klare Meinung dazu: «Er tut, was er sagt – das muss man ihm lassen. Wer darüber erstaunt ist, soll sich schämen.»

Es ist nicht nur so, dass sie uns in Washington nicht zuhören. Sie nehmen nicht einmal das Telefon ab.
Autor: Anja RaudabaughDirektorin des kalifornischen Milchproduzentenverbandes
Legende: Video Einblick in einen Bauernbetrieb in Kalifornien abspielen. Laufzeit 01:07 Minuten.
Aus News-Clip vom 22.02.2017.

Grosser Exportschlager der kalifornischen Landwirtschaft sind Mandeln. Mehr als sechzig Prozent der Steinfrüchte werden in alle Welt exportiert, zunehmend auch nach Asien. Mit der neuen Regierung könnte die Situation jetzt aber auch für die Mandelbauern schwieriger werden. Kelly Covello, Präsidentin des Verbandes Almond Alliance of California, sagt: «Wir waren für das transpazifische Freihandelsabkommen, es hätte unseren Exporten Aufwind gegeben.»

In den ersten Tagen im Amt hat Donald Trump dieses Abkommen, das die USA mit elf Ländern rund um den Pazifik abgeschlossen hatten, gekippt. «Wir hoffen, dass die Regierung mit diesen Ländern bald wieder Verhandlungen aufnimmt, um den freien Handel zu erleichtern», sagt Covello.

Wenig Gehör für die Anliegen der Bauern

Letzte Woche reiste eine Delegation kalifornischer Landwirtschaftsvertreter nach Washington. Sie versuchten, über kalifornische Kongressabgeordnete ihre Anliegen anzubringen und Mitglieder der Regierung zu treffen. Allerdings nur mit mässigem Erfolg.

Wenig hilfreich dabei sei gewesen, dass sich der Gouverneur und der Kongress von Kalifornien als Anti-Trump-Bastion positioniert haben, erklärt Anja Raudabaugh, Direktorin des kalifornischen Milchproduzentenverbandes Western United Dairymen: «Es ist nicht nur so, dass sie uns in Washington nicht zuhören. Sie nehmen nicht einmal das Telefon ab.»

Devin Gioletti in seinem Stall.
Legende: Bauer Gioletti hat Trump gewählt. Nun hofft er, dass er die Wahlversprechen – Illegale auszuschaffen – nicht einhält. Priscilla Imboden

Ein böses Erwachen droht

Milchbauer Devin Gioletti hört das nicht gerne. Sein Blick schweift über das gigantische Melkkarussell auf seinem Betrieb. Er blickt auf die Männer, die es betreiben. Zu den Massen-Ausschaffungen, die Donald Trump in Aussicht gestellt hat, meint er: «Das kann er gar nicht bewerkstelligen. Er hat einiges nur gesagt, um gewählt zu werden.»

Trump sei ein Geschäftsmann und verstehe, dass die Bau-, Gastro- und Landwirtschaft in den USA auf Einwanderer angewiesen sind. Doch: In dieser Aussage spielt unüberhörbar auch Hoffnung mit.

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32 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Soller (msollermueller)
    Tja das passiert, wenn Farmer am Ast sägt auf dem er sitzt... Hier stimme ich mal dem Volksmund zu: Das Farmervolk in Kalifornien ist dumm!
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  • Kommentar von HU Rupf (Reale Schweiz)
    Trumpjaner gibt es auch genug in der Schweiz. Weniger Ausländer, dafür die Integration von Sozialbezügern und IV-Bezügern.Die Gesamtfrage ist nur : Zu einem lebenswerten Lohn?
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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Man könnte fast meinen, dass unsere Regierung den Bauern nicht schaden würde! Zudem wird es vielleicht auch bei uns bald soweit sein, dass wir illegal Leute anstellen können und alle finden das super? Ich bin aber überzeugt, wenn sich hier ein Problem ergibt, werden die Bauern vielleicht noch eine Busse bezahlen müssen, für die Einstellung Illegaler, aber danach wird Trump (seine Leute in den verschiedenen Departementen) bestimmt bald eine gute Lösung finden. In Amerika dauert dies nicht Jahre.
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    1. Antwort von Hans-Jürgen Lorenz (Hans-Jürgen Lorenz)
      Sie können doch froh sein. Bals liegt die Ameriknische Landwirtschaft genauso am Boden wie die Wirtschaft und sie dürfen hochverzolltes in die USA schicken.Trump sei Dank.
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