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International Detroit meldet Konkurs an

Die einstige Industriemetropole Detroit im Bundesstaat Michigan hat sich offiziell für bankrott erklärt. Dies geht aus Gerichtsdokumenten hervor. Es ist das erste Mal, dass in den USA eine Stadt dieser Grösse Insolvenz anmeldet.

Detroit, einst Zentrum der US-Autoindustrie, ächzt unter einem Schuldenberg von 18,5 Milliarden Dollar. Die Verhandlungen mit Gläubigern und Gewerkschaften sind gescheitert. Im Juni wurde die Begleichung offener Forderungen eingestellt.

Sobald ein Richter den Insolvenzantrag unter dem sogenannten «Chapter 9» annimmt, müssen Tausende von Gläubigern neue Verhandlungen mit Kevyn Orr, dem Zwangsverwalter der Stadt, aufnehmen.

Steuererhöhungen keine Option

Die Bankrotterklärung sei «der einzig mögliche Weg zu einem stabilen und soliden Detroit», erklärte der Gouverneur von Michigan, Rick Snyder. Er habe gehofft, die Stadt würde nicht Insolvenz anmelden müssen. Nun sei es aber an der Zeit, der Wahrheit ins Auge zu sehen. «Die Stadt kann ihre Schulden nicht mehr bezahlen.»

Aus rechtlichen Gründen dürfe er die Steuern nicht weiter erhöhen. Ohnehin könnten die Bürger nicht noch höhere Abgaben schultern, sagte der Gouverneur. Detroit ist die bisher grösste US-Stadt, die Insolvenz anmelden musste.

Niedergang einer Metropole

1915 hat Ford sein legendäres «Model T» in Detroit vom Band laufen lassen. Dann ging es aufwärts. Um 1940 war die Stadt, auch «Motor City» genannt, mit rund 1,6 Millionen Einwohnern die viertgrösste der USA. Doch Chrysler und General Motors verlagerten ihre Standorte, viele Fabriken schlossen, die Arbeitslosigkeit schoss in die Höhe. Heute leben noch 700'000 Menschen dort, ein Drittel davon in Armut.

Einsätze von Polizei und Feuerwehr wurden auf wichtigste Notrufe reduziert. «Die Bevölkerung befürchtet, dass nach dem Bankrott bei den öffentlichen Diensten wie etwa der Polizei noch mehr gespart wird», sagt USA-Korrespondentin Priscilla Imboden. Detroit gilt als eine der gefährlichsten Städte der Vereinigten Staaten.

Legende: Video Gebeutelte Auto-Metropole abspielen. Laufzeit 14:10 Minuten.
Aus Rundschau vom 31.10.2012.

Hohe Kosten für Renten und Infrastruktur

Heute stehen 78'000 Gebäude leer, 40 Prozent der Strassen sind nachts nicht beleuchtet. Die Ausgaben zum Betrieb städtischer Dienste haben die Einnahmen seit 2008 jährlich um rund 100 Millionen Dollar überstiegen. Zudem zehren Verbindlichkeiten von rund 8,5 Milliarden Dollar fast 20 Prozent des Haushalts auf. Darüber hinaus belasten milliardenschwere Pensionsverpflichtungen die Stadtkasse.

Wird dem Insolvenzantrag Detroits vor Gericht stattgegeben, hat Zwangsverwalter Orr die Möglichkeit, Besitztümer der Stadt zu Geld zu machen, wie Peter Voegeli, SRF-Redaktor und ehemaliger USA-Korrespondent, erklärt. «Es gibt eine berühmte Insel ausserhalb der Stadt – und es können auch Kunstschätze verkauft werden.»

Die grössten Städte der USA nach Einwohnerzahlen

19402011
1. New York7'500'0001. New York8'200'000
2. Chicago3'400'0002. Los Angeles3'800'000
3. Philadelphia1'900'0003. Chicago2'700'000
4. Detroit1'600'00018. Detroit700'000
Quelle: US Census

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16 Kommentare

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  • Kommentar von A.Käser, Zürich
    Wünsche Detroit finanzkräftige Investoren welche alles retten.Mit viel Pionierwillen und physisch (gesund da sie sich eine ärztliche Versorgung leisten können/Krankenkasse?/kein minderwertiger Fastfood aus Zeitmangel,da gearbeitet werden muss) und psychisch (ohne legale/illegale Drogen vollgestopft,da kein Lebenssinn ersichtlich und der erarbeitete Lohn gerade knapp für das am"LEBEN"bleiben reicht) total präsentem und motiviertem"Menschenmaterial"lässt sich da sicher wieder was AUFBAUEN.
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  • Kommentar von JP.Simon Nietzscheaner, Bern
    Das auf ein L/R-Schema abzuhandeln u. das Problem Detroit nur auf das P. D zu reduzieren, man kommt so nicht weiter. Es müssen tiefgreifende staats- u. sozialpolit. Fragen gestellt werden, dies zu tun schon ein halber Veränderungsprozess wäre, gehe er zumindenst in diese Richtung. Hat sich Amerika jemals herzhaft die Frage gestellt eine Willensnation zu sein? Wohl gibt es Bürgerrechtsbeweg., gegen den Vietnamkrieg zu protestieren hat man das Lincoln-Memorial auf gesucht, was geschieht? NICHTS!!
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  • Kommentar von M.Bracher, Bern
    Da wird's doch wieder offensichtlich, was die Linke-Ideologie wieder anrichten! Zu Beginn wurde bestimmt noch gejubelt, als die guten Steuerzahler abwanderten( so wie es SP-ler in der Schweiz auch tun!). Und jetzt wo sich das Linke-Lügenkonstrukt in sich zusammengefallen ist, müssen die andern schuld sein! - 19:15 19.7.13 - http://www.srf.ch/news/international/detroit-meldet-konkurs-an#main-comments
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    1. Antwort von Albert Planta, Chur
      Linke-Ideologie? Hier geht es um Detroit in der USA und nicht um die Schweiz. Die Amerikaner kaufen immer weniger Autos aus Detroit und darum nahm der Niedergang dieser Stadt seinen Lauf. In der USA herrschen Freie Marktwirtschaft und nicht Sozialismus. Den müssen sie in Nordkorea suchen.
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