Deutsche Polit-Gilde verabschiedet sich von Genscher

In einem Staatsakt haben sich rund 800 geladene Gäste vom ehemaligen deutschen Aussenminister Hand-Dietrich Genscher verabschiedet. Im ehemaligen Plenarsaal des Bundestages in Bonn hielten seine ehemaligen Amtskollegen eine Abschiedsrede.

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Staatsakt für Hans-Dietrich Genscher

0:30 min, aus Tagesschau am Mittag vom 17.4.2016

Der Staatsakt für den früheren Aussenminister Hans-Dietrich Genscher fand im ehemaligen Plenarsaal des Bundestags in Bonn statt. Der FDP-Politiker war am 31. März im Alter von 89 Jahren gestorben.

Aufgrund seiner besonderen Verdienste hatte Bundespräsident Joachim Gauck den Staatsakt angeordnet, ein Zeremoniell, das einem Minister nur selten zuteil wird.

Gauck würdigte Genscher als einen «deutschen Patrioten und überzeugten Europäer». Er sei ein «Glück für unser Land» gewesen, sagte Gauck in seiner Rede. Genscher habe sich um die Bundesrepublik Deutschland «in herausragender Weise verdient gemacht». «Wir alle können uns ein Deutschland ohne Hans-Dietrich Genscher eigentlich nur schwer vorstellen», meinte der Bundespräsident.

Gauck: «Genscher setzte sich für Einheit Europas ein»

Als Soldat im letzten Aufgebot der Wehrmacht habe Genscher «nichts so sehr fürchten und hassen gelernt wie den Krieg». Die Arbeit für den Frieden wie auch für die Freiheit sei deshalb zum Leitmotiv seiner politischen Arbeit geworden.

Ebenso leidenschaftlich wie für die deutsche Einheit habe sich Genscher für die Einheit Europas eingesetzt, sagte Gauck weiter. Bis zuletzt habe er dafür geworben, «das in Europa so glücklich und friedlich Erreichte nicht aufs Spiel zu setzen».

«Titan unter den Diplomaten Europas»

Ausser Gauck sprachen unter anderem Genschers Nachfolger als Aussenminister, Klaus Kinkel, sowie der frühere US-Aussenminister James Baker.

Merkel vor einem mit der deutschen Flagge geschmückten Sarg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel erwies Hans-Dietrich Genscher die letzte Ehre. Keystone

Kinkel betonte, dass sich Genscher zuletzt Sorgen um Europa gemacht habe. «Als er bei öffentlichen Auftritten zum Schluss schon im Rollstuhl sass, hielt er noch flammende Vorträge zu seinem Europa, verbunden mit dem Wunsch des Neubeginns der Beziehungen zu Russland. Immer wieder wies er darauf hin, es müsse in diesem Kontext ein Szenario geschaffen werden, bei dem niemand als Verlierer dastehe.»

Baker sagte, Genscher sei «ein wahrhaft heroischer Staatsmann» und ein «Titan unter den Diplomaten Europas» gewesen. In seiner Geburtsstadt Halle aber auch in anderen Städten der ehemaligen DDR sei er später «wie ein Rockstar gefeiert» worden. Insgesamt haben sich etwa 800 Gäste versammelt.

Genscher war von 1969 bis 1974 Innenminister und anschliessend bis 1992 Aussenminister. Er gilt als einer der Architekten der deutschen Einheit.