Deutschland: Protest von Asylbewerbern erreicht Höhepunkt

In der Münchner Innenstadt hat die Polizei ein Asylbewerber-Camp geräumt. Aus Angst vor Toten. Ein Vermittlungsversuch war zuvor gescheitert.

Seit einer Woche befanden sich rund 50 Asylbewerber in der Münchner Innenstadt im Hungerstreik. Seit letztem Dienstag weigerten sie sich auch zu trinken. Dies kann innert weniger Tage zum Tod führen.

Zwei deutsche Politiker, der frühere SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel und der ehemalige CSU-Politiker Alois Glück, hatten zuvor noch versucht, den Konflikt zu entschärfen – vergeblich. Die Asylbewerber aus mehreren afrikanischen und asiatischen Ländern kündigten daraufhin an, ihre lebensgefährliche Aktion fortzusetzen.

«Letzte Nachricht» der Asylbewerber

Aus Angst vor drohenden Todesfällen räumte die Polizei deshalb das Camp der Asylbewerber. Der Einsatz fand in den frühen Morgenstunden statt. Der Gesundheitszustand der Hungerstreikenden war nach Angaben der Behörden kritisch. 44 Personen mussten umgehend ins Spital gebracht werden.

Die Asylbewerber wollten mit ihrer Essensverweigerung die sofortige Anerkennung ihrer Asylanträge erzwingen. Zudem forderten sie einen Stopp aller Abschiebungen und drohten in einer «letzten Nachricht»: «Entweder die Erfüllung der exakten Forderung der hungerstreikenden Asylsuchenden oder Bobby Sands und Holger Meins auf den Strassen Münchens.»

Meins und Sands waren Terroristen von RAF und IRA, die sich 1974 beziehungsweise 1981 zu Tode gehungert hatten. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude liess aber verlauten, dass eine sofortige Anerkennung der Asylanträge rechtlich nicht möglich sei.