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Deutschland hat gewählt Last-Minute-Umfrage: Merkel bangt um Koalitionspartner FDP

Am Sonntag wird in Deutschland gewählt. Letzte Umfragen sehen Merkels Koalitionspartner nur bei knapp über 5 Prozent. Nun geht die Kanzlerin für die FDP auf Stimmenfang.

Noch drei Tage bis zur Entscheidung. Die beiden Spitzenkandidaten jetten durchs Land und treten auf wo immer sie können. Steinbrück zählt immer wieder die Versprechen seiner Partei auf: «Sie kriegen die gleiche Bezahlung von Frauen und Männern – aber nur mit der SPD, nicht mit den andern.»

Angela Merkel tut dasselbe, aber sie fügt seit Neuestem etwas bei. Denn Merkels CDU hat ein Problem mit ihrer Koalitionspartnerin, der FDP. Diese liegt in den Umfragen ganz nah am Abgrund, riskiert an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern und aus dem Bundestag auszuscheiden.

Angela Merkel an einem Rednerpult.
Legende: Angela Merkel will Kanzlerin bleiben. Keystone

Deswegen bittet sie die Wähler der CDU jetzt, die Zweitstimme – also die Stimme auf dem Wahlzettel, mit der die Parteienstärke im Parlament berechnet wird – der FDP zu geben. So will sie die bisherige Koalition der Liberalen mit der CDU retten.

Das aber würde Merkels Partei entscheidend schwächen, und so fügt die Kanzlerin jetzt ihrer Rede am Ende immer hinzu: «Mit der zweiten Stimme helfen Sie mit, dass ich weiter Ihre Kanzlerin sein kann.»

Jeder kämpft für sich

Merkel will auch die Zweitstimmen bei der CDU behalten. Es kämpfen jetzt nicht mehr Schwarz-Gelb und Rot-Grün je für gemeinsame Regierungen, jetzt kämpft jeder für sich selber.

Die CDU liegt nach der gestrigen Umfrage noch immer mit 40 Prozent klar in Führung. Aber das reicht nicht, um alleine zu regieren. Der Partner FDP liegt trotz der Zweitstimmen-Bettelei immer noch bei nur 5,5 Prozent. Das ist bitter wenig.

Die SPD auf der anderen Seite hat sich auf 27 Prozent verbessert. Aber ihr Partner, die Grünen, liegen mit neun Prozent im Keller. Das würde gemeinsam bei weitem nicht reichen, um eine Regierung zu bilden.

Umstrittene Umfrage

So wie die Dinge jetzt liegen, gibt es eine hauchdünne Mehrheit für CDU/CSU-FDP oder aber eine grosse Koalition CDU/CSU-SPD. Nur: Noch immer seien 35 Prozent der Befragten unentschlossen, wen sie wählen wollen, zeigt diese Umfrage.

Die ist äusserst umstritten. Die Kritik: So knapp vor der Wahl können Umfragen das Wahlergebnis direkt beeinflussen.

Als anschauliches Beispiel wieder FDP und CDU: Dass die FDP immer noch so schlecht dasteht, könnte ihr durchaus wesentlich mehr Zweitstimmen von der CDU eintragen, als wenn man davon nichts gewusst hätte. Bei der CDU hat man sich jedenfalls über diese Zahlen nicht gefreut. Trotz 40 Prozent auf dem eigenen Konto. Noch.

Ergebnisse auf einen Blick

Ergebnisse auf einen Blick

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Man hat die Mumien aus dem Keller geholt. Schröder Kohl und Gescher werben für's Establishment, und die AfD wird im Focus verunglimpft, und so sind dabei über 800 Kommentare für die AfD entstanden, es ist ein Aufbruch, ja ein Aufstand gegen eine falsche Politik und das Kapital. Familien und Grossmütter, es scheint das ganze deutsche Volk wählt AfD. Die etablierten Parteien zittern vor dem Resultat und die AfD kann dem Ergebnis getrost entgegensehen um als echte Opposition im BT mitzuwirken.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Wolfgang Bosbach von der CDU wäre wohl der bessere Kanzler, seine Qualifikation steht weit über Frau Merkel. Es ist die träge Untätigkeit der Kanzlerin die Deutschland an den Rand einer Haftungsunion bringt und den Schuldenberg auf 640 Milliarden € anwachsen liess. Mit dem Argument, wir werden eine gemeinsame Lösung finden sind keine Probleme gelöst. Es wird von einer Kanzlerin erwartet Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen, ansonsten ist sie fehl am Platz.
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  • Kommentar von Urs Keller, Binningen
    Panik in den deutschen Medien, man erkennt dass die AfD in den Bundestag einkehren wird. Man hat versucht den Deckel darauf zu halten jetzt ist es raus, die AfD wird an die 15 % Wähleranteile kreieren und das mischt den BT neu auf. Die Muti wird es schwer haben ihre Zahlungen der Haftungsunion zu garantieren. Man hat die AfD und Lucke unteschätzt und wie bei Minder waren die politischen Massnahmen der Geheimhalung und passivität ein Fiasko.
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    1. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @Urs Keller: Ihr Wort in Gottes Ohr. Ich wäre sehr zufrieden wenn die AfD in den Bundestag einziehen kann und man dann zwangsläufig sich mit der Zukunft des EURO auseinandersetzen müsste. Es würde auch die Höhenflüge der Börsen, welche momentan in völlig absurden Regionen bewegen, zurückstutzen.
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