Merkels CDU/CSU offizielle Wahlsiegerin

Die Kanzlerin im Höhenflug, die Liberalen am Boden: Merkels Christdemokraten verpassen knapp die absolute Mehrheit, die Regierungsbildung wird spannend. Eine grosse Koalition und Schwarz-Grün kommen in Betracht.

Angela Merkel applaudiert der CDU/CSU nach ihrem Wahlsieg. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Fulminanter Sieg für Angela Merkel: Sie wird für eine dritte Amtszeit gewählt und ihre Union verpasst das absolute Me... Reuters

Mit ihrem deutlichem Sieg bei der Bundestagswahl haben sich Deutschlands Christdemokraten alle Regierungsoptionen und Kanzlerin Angela Merkel eine dritte Amtszeit gesichert.

Die CDU/CSU erzielte zwar ein Ergebnis nahe der absoluten Mehrheit. Die bisherige christlich-liberale Koalition wurde aber nach vier Jahren abgewählt, weil die FDP nach einem beispiellosen Absturz erstmals in ihrer Geschichte aus dem Parlament flog. Die Liberalen verloren gegenüber der Wahl 2009 knapp zehn Prozentpunkte.

Die eurokritische Partei Alternative für Deutschland (AfD) verbuchte einen Überraschungserfolg dicht an der Fünf-Prozent-Marke. «Rot-Grün» verfehlte einen Regierungswechsel deutlich.

Bei der Sitzverteilung im Bundestag kommen die Union aus CDU/CSU auf nahezu gleich viele Sitze wie SPD, Grüne und Linke zusammen. Zwei Koalitionskonstellationen scheinen realistisch. Die CDU könnte mit der SPD eine grosse Koalition bilden oder ein Bündnis mit den Grünen bilden. Zeitweise sah es am Abend sogar nach einer Alleinregierung der CDU/CSU aus.

Merkel versicherte in der «Berliner Runde» der Spitzenpolitiker, es sei selbstverständlich, «dass man sich um eine stabile Mehrheit bemüht». Sie wolle stabile Verhältnisse in Deutschland und werde «keine Vabanquespiele eingehen». Die Kanzlerin will während der kompletten Wahlperiode bis 2017 am Ruder bleiben.

Die Liberalen (FDP) von Spitzenkandidat Rainer Brüderle und Parteichef Philipp Rösler blieben mit dem schwächsten Ergebnis ihrer Geschichte deutlich unter der Fünf-Prozent-Hürde. Die CDU/CSU hingegen schaffte ihr bestes Resultat seit der Einheits-Wahl 1990 – erstmals konnte Merkel als Parteichefin das Ergebnis steigern.

Die Ergebnisse

Nach dem amtilichen vorläufigen Endergebnis kommt die CDU/CSU auf 41,5 (2009: 33,8) und legt damit um rund acht Punkte zu. Die SPD verbessert sich um zweieinhalb Punkte auf 25,7 Prozent (2009: 23,0). Die FDP stürzt innerhalb von vier Jahren von 14,6 Prozent auf desaströse 4,8 Prozent ab.

Die Grünen verlieren leicht und erreichen 8,4 Prozent (2009: 10,7). Die Linke verschlechtert sich auf 8,6 Prozent (2009: 11,9). Die AfD kommt aus dem Stand heraus auf 4,7 Prozent.

Die Hochrechnungen von Infratest dimap (ARD) und Forschungsgruppe Wahlen (ZDF) ergeben für CDU/CSU im neuen Bundestag 295 bis 302 Sitze (2009: 239), für die SPD 182 bis 183 Mandate (146). Die Grünen können mit 59 bis 60 Mandaten (68) rechnen, die Linke mit 61 bis 62 Sitzen (76).

Die Wahlbeteiligung hat sich nach dem Negativrekord von 70,8 Prozent vor vier Jahren mit 71,5 Prozent wieder etwas verbessert.

Alle Zahlen des Wahlabends in Deutschland auf einen Blick in unserer Grafik.

dpa . infocom

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