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International «Die Einwanderung nach Grossbritannien ist hoch»

Der britische Premier David Cameron will Einwanderern aus der EU erst nach vier Jahren Wohlfahrtsleistungen gewähren und den Familiennachzug stark reglementieren. Betreibt Cameron ein halbes Jahr vor den Wahlen einfach Populismus? Nicht nur, sagt SRF-Korrespondent Martin Alioth.

SRF: Hat Grossbritannien wirklich ein Ausländerproblem, oder ist das einfach Populismus vor den Wahlen im nächsten Jahr, was Premierminister David Cameron da vorhat?

Martin Alioth: Es ist beides. Die Einwanderung nach Grossbritannien ist tatsächlich hoch, der Druck auf Schulen, Sozialwohnungen und Spitäler in gewissen Gebieten ebenfalls. Cameron hat diese Tatsache als Hintergrund gewählt. Allerdings kommen immer noch mehr als die Hälfte der Nettoeinwanderer aus Nicht-EU-Ländern. Diese Einwanderung wäre leichter zu kontrollieren.

Warum ist Grossbritannien so attraktiv, gerade auch für Ausländer aus EU-Staaten?

Weil Grossbritannien ein immer grösseres Wirtschaftssegment mit sehr tiefen Löhnen hat. Der Staat hat deshalb ein Sozialsystem eingerichtet, das diesen schlecht verdienenden Menschen einen Einkommenszuschuss gewährt, um ihr Einkommen auf das Existenzminimum anzuheben. Das ist für Einwanderer natürlich attraktiv, weil der Zuschuss ein zusätzliches Einkommen bringt.

Wieviel Unterstützung kann Cameron im Parlament für seine Ideen erwarten?

Es ist vorläufig nur ein konservativer Plan. Er wird also nur umgesetzt, wenn Cameron die nächste Wahl im Mai gewinnt. Unter dem Eindruck des Erfolgs der EU-feindlichen Ukip-Partei aber haben sowohl Labour wie auch die Liberaldemokraten in den letzten Tagen ähnliche Pläne vorgelegt.

Schluckt die Europäische Union Camerons Pläne und dessen Drohgebärde?

Ich halte das für fraglich. Die ersten Reaktionen in den letzten Tagen waren zwar grundsätzlich positiv, die EU zeigte Gesprächsbereitschaft. Doch Cameron hat es heute bestätigt: Es braucht eine Vertragsveränderung – und das haben die EU-Staaten bisher gemieden, wie der Teufel das Weihwasser.

Das Gespräch führte Simon Leu.

Martin Alioth

Porträt Martin Alioth

Der Grossbritannien- und Irland-Korrespondent von Radio SRF lebt seit 1984 in Irland. Er hat in Basel und Salzburg Geschichte und Wirtschaft studiert.

12 Kommentare

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  • Kommentar von Marcel Chauvet, Neustadt
    Scheint wohl so zu sein, dass man die Schuld an der Einwanderungsproblematik in Großbritannien, hauptsächlich auf das britische Kolonialreich zurückzuführen, nunmehr auch noch der EU in die Schuhe schieben will. Bleibt den Briten wohl nichts anderes übrig, als mit diesem Erbe allein zurechtzukommen.
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    1. Antwort von Gregor Diethlem, London
      Das ist sicher ein Grund aber da spielen einige andere Länder ebenfalls eine gewisse Rolle. So sind beispielsweise seit den 80er Jahren mehrere Hunderttausend Polen nach Grossbritannien eingewandert. Gut spürbar war das lange Zeit an den Hotelreceptionen, wo wohl beinahe jede zweite in UK von mindestens einer Polin betreut wurden. Die Männer fanden oftmals auf dem Bau ihr Auskommen.
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    2. Antwort von M. Hediger, Aarau
      Gregor Diethlem: Genau, in England muss man die Einheimischen mit der Lupe suchen. Bei meinem letzten Aufenthalt habe ich die Engländer auf der Strasse arbeitslos gesehen. Eine traurige Angelegenheit.
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  • Kommentar von Franz NANNI, Nelspruit SA
    Selbst das gruene weite unverbaute Deutschland schlaegt unterdessen Quoten vor.. und will besser verteilen.., nur derSchweiz will man es zumuten weiter in der Menschenflut zu ertrinken..
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    1. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      NANNI: Gucken Sie sich erst mal die Statistiken an, bevor Sie solche Sprüche "zum Besten" geben: Deutschland Einwohner pro Quadratkilometer 240, CH: 190. Im übrigen geht es bei der Diskussion in Deutschland um eine Quote innerhalb der EU bei den asylsuchenden Flüchtlingen aus NICHT-EU-Ländern, beispielsweise aus Afrika, dem Nahen Osten etc., nicht jedoch um die die Freizügigkeit von EU-Bürgern.
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    2. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Marcel Chauvet, fairer Weise muss man auch betrachten, dass Deutschland praktisch flach ist. Ok, Zugspitze ausgenommen. In der Schweiz gehören 48% der Fläche zu den Alpen. Dem entsprechend entspricht der Dichtestress in der Schweiz gegen 350 Einwohner pro km². Und damit kommen wir in die Region von England mit 407 Einwohner pro km².
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    3. Antwort von h. anni, zürich
      @Chauvet Ich würde ihnen dringend raten, sich mal die Topografie zwischen der CH und D zu Auge zu führen, dann würden sie evtl. sehen (aber ihre Sichtweise hält sich ja bekanntlich in Grenzen), dass die CH Berge hat, wovon in D nicht die Rede ist. Daher hinkt ihr Vergleich mit den Einwohnern pro 2m massiv. Sie können auch gerne über die Freizügigkeit der EU-Bürger diskutieren, das geht uns bald nichts mehr an (zum Glück!!!).
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    4. Antwort von Rolf Künzi, Winterthur
      Deutschland hat kein einziger Berg über 2500 Meter wir unzählige ab 3000. natürlich ist die Bewohnbare Fläche in der Schweiz viel geringer als in Deutschland. Da ist aber auch die Frage von Inländerverdränung in Deutschland keine 10 Prozent, bei uns Schweizern 25 % Ausländer. Ohne die Instant Schweizer gerechnet. Warum gibt es wohl reihenweise Klassen in Zürich mit 50-100 % Ausländer Kinder. Man kann sich ja alles zurecht biegen.
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    5. Antwort von Rolf Künzi, Winterthur
      Nicht ganz richtig aber das verdeutlicht es noch mehr. Die Deutschen haben etwa 8 Berge zwischen 2500-2900. Die Schweiz über 1100 Berge die höher als 3000 und sogar 48 mehr als 4000. Dann gibt es noch 14 Achtausender und natürlich den Kailasch der ist über 6000. Und da schreibt doch einer ein Buch Deutschland schaff sich ab. Das ich nicht lache.
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    6. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Lieber Herr Chauvet, empfehle Ihnen, sich die Schweiz & Deutschland mal aus der Vogelperspektive an zuschauen, bevor Sie hier über die Bevölkerung pro Quadratkilometer diskutieren. Betrachtet man diese weiten freien Flächen überall in Deutschland, könntet ihr das Zehnfache gegenüber uns an Menschen bei euch aufnehmen, ohne dass sich diese auf die Füsse treten.
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    7. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      An alle, die mich hinsichtlich der Topographie Deutschlands belehren wollen: Die waren wohl noch nie in D, beispielsweise in den Mittelgebirgen. So richtig flach ist nur die norddeutsche Tiefebene. Und dann besteht rd. 25% der Fläche Deutschlands aus Flüssen, Kanälen, Seen und Feuchtgebieten. In Deutschland jedenfalls gibt es jedenfalls eine vernünftige kommunale Raumplanung, die Zersiedelung verhindert und wo man auch noch im Gegensatz zur CH geschlossene Siedlungsgebiete erkennen kann.
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  • Kommentar von E.Wagner, Zug
    Nur bei uns erkennen es nicht alle. SP BDP Grüne und Insbesondere unsere Regierung ist auf beiden Ohren taub und Augen blind. Sonst hätte man nicht diese Missstände wie sie heute sind.
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