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Schwer bewaffnete Polizisten in einem französischen Bahnhof.
Legende: Frankreichs Sicherheitskräfte sind erschöpft – wie alle Franzosen. Keystone
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International «Die Erschöpfung betrifft inzwischen das ganze Land»

Schon wieder ist Frankreich vom Terror getroffen worden. Die Menschen im Land sind entsetzt – und ohnmächtig. «Niemand hat mit einem Lastwagen als Attentatswaffe gerechnet», sagt die in Frankreich lebende Journalistin Birgit Kaspar. Dies erschwere die Arbeit der Sicherheitskräfte zusätzlich.

SRF News: Erneut wird Frankreich von einem Terroranschlag erschüttert. Macht sich im Land nicht langsam ein Gefühl der Ratlosigkeit und der Machtlosigkeit breit?

Birgit Kaspar: Frankreich ist heute mit einem Gefühl des Entsetzens erwacht. Es folgte die Ratlosigkeit ob der wiederkehrenden gleichen Bilder. Das Land ist inzwischen in einem Erschöpfungszustand, der nicht nur die Polizisten und Soldaten betrifft; diese sind im Grunde seit Monaten überfordert, weil sie ihre Dienstzeiten überschreiten und ihre Ferien nicht beziehen können. Genau dies beabsichtigen die islamistischen Terroristen: die Sicherheitskräfte in die Erschöpfung treiben. Im Land herrscht aber auch ein Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber dieser blinden Gewaltbereitschaft, die nur töten und terrorisieren will. Die grosse Frage ist derzeit deshalb, wie man sich und die französische Gesellschaft vor dem Terror schützen kann.

Seit den Anschlägen von Paris gilt in Frankreich der Ausnahmezustand, zehntausende Soldaten und Polizisten sind zusätzlich im Einsatz. Trotzdem fühlen sich die Menschen verunsichert?

Nicht alle. Manche fühlen sich durch die Präsenz von Sicherheitskräften etwa auf Flughäfen durchaus sicherer. Doch viele Franzosen wollen gerade nicht in einem Polizeistaat leben, sondern in einem freien Land. Viele zweifeln ausserdem daran, dass die Polizeipräsenz mehr Sicherheit bringt, vielmehr demonstriert dies für sie die Verwundbarkeit der Gesellschaft. Tatsächlich zeigt der Anschlag von Nizza, dass es eine 100-prozentige Sicherheit nicht gibt, egal, wie viel Polizei man auf die Strasse bringt. Auch finden die Terroristen immer wieder überraschende Mittel und Wege, ihre Anschläge zu verüben: Mit einem Lastwagen, der einfach so in eine Menschenmenge rast, hatte niemand gerechnet. Insofern hinken das Sicherheitssystem und die Politik den Attentätern immer hinterher.

Es wird nicht darüber nachgedacht, wie man gesellschaftlich mit dem Terrorismus-Problem umgehen muss.

Der Täter von Nizza war ein Franzose tunesischer Herkunft. Geraten nun die vielen in Frankreich lebenden Menschen aus dem Maghreb in den Fokus?

Diese Gefahr besteht durchaus. Schon bei den Urhebern früherer Anschläge in Frankreich handelte es sich oft um Täter, die zwar Franzosen waren, aber einen maghrebinischen Hintergrund hatten. Das stellte die maghrebinische Gemeinschaft tatsächlich unter Generalverdacht. Genau das wollen die Attentäter – nämlich das Land weiter entzweien. Sie wollen, dass sich sowohl die in Frankreich geborenen Franzosen als auch jene mit Migrationshintergrund angegriffen und in die Defensive gedrängt fühlen. So forcieren sie die Spaltung des Landes.

Die offiziellen muslimischen Organisationen in Frankreich haben heute versucht, dem gegenzusteuern. Sie verurteilten das Attentat entschieden und riefen die Muslime in Frankreich dazu auf, für die Opfer des Anschlags zu beten. Interessant ist, dass die Marokko nahestehende Union der Muslime betonte, dass im Kampf gegen den Terrorismus Ausbildung und Erziehung in den Mittelpunkt gestellt werden müssten. Das ist tatsächlich ein sehr wichtiger Ansatz, der in Frankreich bislang aber völlig vernachlässigt wird: Zwar ist nach einem Anschlag reflexartig von mehr Sicherheit und mehr Polizei die Rede, aber es wird nicht darüber nachgedacht, wie man gesellschaftlich mit dem Problem umgehen muss. Die Franzosen sollten sich jetzt eingestehen, dass man mehr Fragen hat als Antworten. Doch das ist für Politiker, die sich bereits im Vorwahlkampf der Präsidentschaftswahl 2017 befinden, ganz besonders problematisch.

Hat die Bluttat von Nizza negative Folgen für den Tourismus, speziell in Südfrankreich?

Damit muss man rechnen. Der Anschlag von Nizza zeigt, dass jede Ansammlung von Menschen Ziel von Terroristen sein kann. Der Sommer ist die Zeit von Kultur- und Musikfestivals in ganz Frankreich, besonders auch hier im Süden. Gerade deswegen kommen viele Touristen ja auch nach Frankreich. Manche werden sich jetzt überlegen, ob sie das Risiko eingehen wollen. Andere werden sich aber auch sagen: Jetzt müssen wir erst recht zusammenhalten und uns nicht einschüchtern lassen – wie das auch viele Franzosen empfinden.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.

Birgit Kaspar

Birgit Kaspar

Die deutsche Journalistin Birgit Kaspar berichtete während mehreren Jahren für die ARD aus dem Nahen Osten (Beirut, Amman). Seit 2011 lebt sie im südwestfranzösischen Toulouse. Dort beobachtet sie, wie sich die Politik in Paris auf das Leben der Franzosen auswirkt und berichtet darüber als freie Reporterin.

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33 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Graf  (Christian Graf)
    Wasser auf die Mühlen der polemischen Hetzer! Genau das ist das Ziel der Terroristen.
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  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Die EU-Regierungen haben diese Moslems "en masse" eingeschleust, über die Köpfe der Bevölkerung.Das haben wir also den Ja-Sagern+den Gutmenschen zu verdanken, dass überall nur noch Chaos herrscht.Es geht eben nicht, dass man sich überall einmischt + meint man könne Fremden eine andere Meinung aufzwingen.Ich glaube, dass Grossbritannien deshalb aus der EU getreten ist.Zu viel ist zu viel. Ich habe nicht Angst vor den Moslems sondern kann ja jeden Tag sehen, dass sie nicht in unsere Kultur passen.
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    1. Antwort von Lucas Kunz  (L'art pour l'art)
      ... Sie weisen sich als profunder Kenner Frankreichs oder GBs mit jeweils seiner kolonialen Vergangenheit aus ... ...
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    2. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Ihre Pauschalverurteilung ist völlig daneben. Viele Nordafrikaner (vom Maghreb) haben in den Weltkriegen für Frankreich gekämpft, sind verletzt und getötet worden. Die Beziehung zu moslemischen Staaten datieren vor der Gründung der EU. Typisch heutzutage, alles was nicht rund läuft der EU zuzuschieben. In GB ist es ziemlich ähnlich mit ihren ehemaligen Kolonien (Commonwealth).
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  • Kommentar von paul waber  (sandokan)
    Es wird so weitergehen. Die Trauer wird in Hass umschlagen. Der Krieg zwischen dem radikalen Islam und der Demokratie ist lanciert. Er wird auch die Demokratien verändern. Nur abwarten....
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    1. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Da werden Sie wohl Recht haben. Wir (die Welt!) befinden uns in einem Ausnahmezustand. Dabei werden wir zwischen freiheitlichen und Ueberwachungs-Staat hin und her gerissen. Viel kann man noch machen, aber die totale Sicherheit wird es nie geben.
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