Gewaltexzesse gegen Rohingya Die Friedensnobelpreisträgerin schweigt

Die Gewalt gegenüber der muslimischen Minderheit Rohingya im Westen Burmas eskaliert. Staatssekretärin Aung San Suu Kyi erntet für ihr Verhalten massive Kritik.

Aung San Suu Kyi. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Aung San Suu Kyi äussert sich nicht zur Gewalt gegenüber den Rohingya. Reuters

  • Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi äusserte sich bislang nicht zur eskalierenden Gewalt gegenüber den muslimischen Rohingya im Westen Burmas.
  • Ihr Verhalten bringt ihr massive Kritik ein. Indonesien drängte Suu Kyi dazu, mehr zur Entschärfung der Krise zu unternehmen.
  • Irans Aussenminister forderte gar ein internationales Einschreiten.
  • Laut der UNO sind in den letzten zehn Tagen über 80'000 Rohingya ins Nachbarland Bangladesch geflohen.

Die Gewalt gegenüber der muslimischen Minderheit der Rohingya in Burma eskaliert. Zehntausende Flüchtlinge und hunderte Tote werden seit Ende August gezählt. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zeigte sich «zutiefst besorgt über Berichte von Exzessen» bei Einsätzen der burmesischen Sicherheitskräfte im Bundesstaat Rakhine.

Doch Staatssekretärin Aung San Suu Kyi, die de facto Regierungschefin ist, schweigt zu den Vorwürfen. Ihr Büro veröffentlichte lediglich eine Bilanz der jüngsten Zusammenstösse. Demnach wurden 2600 Häuser in Rohingya-Dörfern und 136 Häuser in nicht-muslimischen Ortschaften zerstört; Suu Kyis Büro wies die Schuld daran ausschliesslich den Rohingya-Kämpfern zu.

Aung San Suu Kyi

Unter der burmesischen Militärregierung hatte Suu Kyi insgesamt 15 Jahre in Hausarrest gesessen. 1991 erhielt sie den Friedensnobelpreis. Nach dem Wahlsieg ihrer Partei, der Nationalen Liga für Demokratie (NLD) ist sie seit April 2016 de facto Regierungschefin und zudem Aussenministerin. Das Militär kontrolliert aber mehrere wichtige Ministerien.

«Schändliche Zustimmung zum Rohingya-Genozid»

Suu Kyis passives Verhalten stösst auf massive Kritik: Malala Yousafzai, die pakistanische Kinderrechts-Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin des Jahres 2014, erklärte auf Twitter, sie habe in den vergangenen Jahren wiederholt die «tragische und beschämende Behandlung der Rohingya» verurteilt. Sie warte immer noch darauf, dass Aung San Suu Kyi dasselbe tue, fügte die 20-Jährige an.

Das pakistanische Aussenministerium forderte Burma auf, Berichte über Gräueltaten gegen Rohingya zu überprüfen. Auch in anderen muslimischen Staaten wächst angesichts der eskalierten Gewalt die Besorgnis über das Schicksal der Rohingya.

Iran fordert internationales Einschreiten

Die indonesische Aussenministerin Retno Marsudi traf am Montag in Burmas Hauptstadt Naypyidaw Suu Kyi und den burmesischen Armeechef. Sie drängte die Regierung, mehr zur Entschärfung der Krise zu unternehmen.

Am Montag zogen Dutzende Demonstranten vor die burmesische Botschaft in Jakarta, der indonesischen Hauptstadt. Zuvor hatte auch schon Indonesiens Staatschef Joko Widodo das «sofortige Ende der humanitären Krise» gefordert.

Irans Aussenminister Dschawad Sarif forderte gar internationales Einschreiten gegen die «ethnischen Säuberungen» in Myanmar.

Auch in Malaysia fanden Kundgebungen für die Rohingya statt und selbst in Tschetschenien demonstrierten tausende Menschen gegen die Verfolgung der Rohingya.

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Buddhisten gegen Rohingya

In Rakhine leben etwa eine Million Rohingya in bitterer Armut. Die Muslime gelten als eine der am meisten verfolgten Minderheiten der Welt. Weite Teile der buddhistischen Mehrheit in Burma betrachten sie als illegale, staatenlose Einwanderer aus Bangladesch, obwohl viele der Rohingya schon seit Generationen in Burma leben.

Tausende fliehen nach Bangladesch

Seit der Eskalation der Gewalt in Burma vor rund zehn Tagen sind im Nachbarland Bangladesch nach Angaben der UNO 87'000 Flüchtlinge angekommen, die meisten von ihnen sind Angehörige der muslimischen Rohingya-Minderheit. Weitere 20'000 warteten an der Grenze auf Einlass nach Bangladesch, hiess es in einem am Montag veröffentlichten UNO-Bericht.

Bangladesch verstärkte in den vergangenen Tagen die Grenzkontrollen. Doch der UNO-Bericht zitierte Flüchtlinge, denen zufolge sie bei der Grenzüberquerung nicht aufgehalten wurden.

In Bangladesch lebten vor der jüngsten Krise bereits etwa 400'000 Rohingya-Flüchtlinge unter elenden Bedingungen in Lagern an der Grenze zu Burma. Dort wurden der UNO zufolge auch die Neuankömmlinge untergebracht.

Bei Kämpfen zwischen der Armee und Rohingya-Rebellen in Burmas westlichem Bundesstaat Rakhine gab es seit Ende August hunderte Tote. Auf der Flucht ertranken Dutzende beim Versuch, den Grenzfluss Naf nach Bangladesch mit behelfsmässigen Booten zu überqueren.