Bilanz zur Pressefreiheit Die fünf gefährlichsten Länder für Journalisten

2016 wurden zwar weniger Medienleute aufgrund ihrer Arbeit getötet. Doch die Ursache dafür ist kein Anlass zur Freude.

Protestierende halten Schilder in die Höhe, darauf steht «Journalism ist not a crime». Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In der Türkei hat sich die Lage für die Medien verschärft. Seit dem Putschversuch wurden viele Journalisten verhaftet. Reuters

  • Weltweit wurden im laufenden Jahr 74 Journalisten bei ihrer Tätigkeit getötet.
  • Die fünf gefährlichsten Länder sind: Syrien, Afghanistan, Mexiko, Irak und Jemen.
  • 2016 wurden massiv mehr Medienleute verhaftet. Rund 350 Medienleute sitzen im Gefängnis – die meisten davon in der Türkei und China.

Journalisten sind vor Ort, schauen hin, fühlen auf den Zahn und veröffentlichen Zeitzeugen-Berichte. Eine Arbeit, die in einigen Ländern nicht erwünscht ist und mit dem Tod enden kann.

Viele Journalisten geflüchtet

2016 starben weltweit 74 Medienschaffende, wie die Jahresbilanz zur Pressefreiheit von «Reporter ohne Grenzen (ROG)» zeigt. Die gefährlichsten Länder sind in diesem Zusammenhang Syrien, Afghanistan, Mexiko, der Irak und der Jemen. 53 der Getöteten seien wegen ihrer Arbeit gezielt angegriffen worden. Die übrigen 21 starben im Einsatz, etwa bei der Arbeit in einem Kriegsgebiet, wie es heisst.

Im vergangenen Jahr waren noch deutlich mehr Medienschaffende getötet worden, nämlich101. Der Rückgang beruht laut ROG vor allem darauf, dass viele Journalisten aus gefährlichen Ländern fliehen mussten. Damit fehlen gerade aus Ländern mit akuten politischen Konflikten oft unabhängige Informationen.

Lage in Türkei wird schwieriger

Sorgen bereitet zudem, dass im vergangenen Jahr viele Medienschaffende festgenommen wurden. Weltweit sind gemäss ROG derzeit mindestens 348 Medienleute wegen ihrer Arbeit im Gefängnis. Das sind rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die meisten Journalisten wurden in der Türkei und China verhaftet. In der Türkei finde eine «Hexenjagd» auf Journalisten statt, die alle bekannten Dimensionen sprenge, heisst es.

Die fünf gefährlichsten Länder

  • 1. Syrien – die Hölle für Journalisten: Der seit Jahren dauernde Krieg hat Syrien zum weltweit gefährlichsten Land für Journalisten gemacht. 2016 wurden 16 Medienschaffende wegen ihrer Arbeit getötet. Die Pressefreiheit steht von allen Seiten unter Dauerfeuer. Journalisten können jederzeit Opfer von Luftangriffen oder Artilleriebeschuss werden, von Sicherheitskräften des Regimes festgenommen oder von Dschihadisten entführt werden.
Ein Kameramann liegt verwundet am Boden. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Kameramann wollte an der Frontlinie in Aleppo Filmaufnahmen machen, als er ins Visier von Heckenschützen geriet. Reuters

  • 2. Afghanistan – Gefahr durch Taliban: Die Hauptquelle der Gewalt ist der Krieg der Taliban gegen die Regierung. Doch auch Behörden, Armee und Polizei tragen zu einem Klima der Angst für Journalisten bei. Viele Behördenvertreter akzeptieren die Unabhängigkeit der Medien nicht. Besondere Sorge bereiten die Provinzen, in denen die Taliban oder der IS auf dem Vormarsch sind. Die Islamistengruppen versuchen, die Medien durch Terror zum schweigen zu bringen. 2016 wurden 10 Journalisten in Afghanistan getötet.
Ein Fotograf macht Nahaufnahmen von bewaffneten Männern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Fotograf bei der Arbeit in Afghanistan. Getty Images

  • 3. Mexico – Terror der Verbrecherkartelle: Mexiko ist unverändert Lateinamerikas gefährlichstes Land für Medienschaffende. 2016 wurden dort neun Journalisten ermordet. Weltweit ist Mexiko zugleich das ausserhalb von Kriegsgebieten gefährlichste Land für Journalisten. Verbrecherkartelle versuchen mit Mord, Entführungen und anderen Gewaltakten die Medien von Berichten über ihr Treiben abzuschrecken. Polizei und Justiz schaut häufig untätig zu.
Journalisten stehen vor einem Fenster mit Einschusslöchern. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Medienschaffende in Mexiko leben gefährlich. Hier wurde das Gebäude eines Zeitungsverlages in Ciudad Juarez beschossen. Reuters

  • 4. Irak – Zielscheiben des IS: Journalisten berichten unter Lebensgefahr über den Konflikt, den die irakische Armee und ihre Verbündeten mit dem IS austragen. Die bei irakischen Regierungstruppen «eingebetteten» Reporter, Kameraleute und Fotografen sind zu Zielscheiben der Scharfschützen und Selbstmordattentäter des IS geworden. 2016 wurden sieben Medienschaffende im Land getötet.
Ein Journalist kniet mit der Kamera neben einem verletzten Mann. Mehrere schwer bewaffnete Männer gehen an ihnen vorüber. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Reporter filmt nach einem Selbstmordattentat des IS nahe Mossul die Szene. Reuters

  • 5. Jemen – Zwischen Huthi-Rebellen und Luftangriffen: Die Huthi-Rebellen tolerieren keine kritische Medienberichterstattung. Ihr Anführer hat Medienschaffenden den offenen Krieg erklärt. 2016 sind im Jemen fünf Journalisten von Huthi-Kämpfern oder durch Luftangriffe der Koalition getötet worden.
Ein Mann hält eine Zeitung in der Hand. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Im Jemen ist die Pressefreiheit besonders gefährdet. In dem Land werden viele Entführungen von Medienleuten verzeichnet. Reuters

Quelle: (ROG)