Drama vor Küste Jemens Die gefährliche Flucht in die Golfstaaten

  • Über 50 junge Flüchtlinge sind vor der jemenitischen Küste ums Leben gekommen.
  • Die Migranten aus Somalia und Äthiopien seien ertrunken, nachdem sie von einem Schlepper gezwungen worden seien, ins Meer zu springen, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) unter Berufung auf Überlebende mitteilt.
  • Lina Koussa, Vertreterin der IOM in Jemen, spricht von einer schockierenden und unmenschlichen Tat, die sich zudem jederzeit wiederholen könne.

Der Schlepper habe Personen am Strand gesehen, die nach Polizisten aussahen, und wollte daraufhin die Menschen auf seinem Boot loswerden. Das haben Überlebende den Mitarbeitern der internationalen Organisation für Migration (IOM), die seit 2016 an die Vereinten Nationen angegliedert ist, erzählt.

Schlepper wieder nach Somalia zurückgekehrt

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Zwei Tage, zwei Fälle

Die IOM meldet einen zweiten Vorfall derselben Art innert zwei Tagen. Am Donnerstag hätten Schlepper etwa 180 Menschen gezwungen, von ihrem Boot in die stürmische See zu springen. Mindestens sechs Personen starben, zwölf weitere gelten noch als vermisst. Aber auch sie haben die Überfahrt nach Jemen wahrscheinlich nicht überlebt.

Der Schlepper habe die Migranten und Flüchtlinge am Mittwoch selber über Bord gestossen oder sie gezwungen, ins Wasser zu springen. Offenbar sind dabei 29 Somalier und Äthiopier ertrunken.

Die überlebenden Flüchtlinge hätten die Leichen notdürftig an einem Strand in der südlichen Provinz Schabwa verscharrt. Mehr als 120 Flüchtlinge hätten sich insgesamt auf dem Schiff befunden. 22 Menschen würden noch vermisst. Der Schlepper sei nach der Tat wieder nach Somalia zurückgekehrt, um auf derselben Route noch mehr Flüchtlinge an die jemenitische Küste zu bringen, berichtet die Hilfsorganisation.

Lina Koussa, die die IOM in Jemen vertritt, hält diese Tat für «schockierend und inhuman».

Schätzung: Flüchtlinge im Schnitt 16 Jahre alt

Doch sehe sie ein solches Vorgehen nicht zum ersten Mal, sagt Koussa gegenüber SRF. Viele Migranten müssten sich auf ihrem Weg auf skrupellose Schlepper verlassen. Deshalb könne so etwas wieder passieren. Die IOM geht davon aus, dass seit Anfang Jahr 55'000 Migranten übers Meer nach Jemen gekommen sind – obwohl dort derzeit Krieg und Cholera herrschen. «Jemen ist nur ein Durchgangsland», so Koussa. «Die Menschen wollen in die Golfstaaten.»

Und um nach Saudi-Arabien oder in den Oman zu kommen, würden sie auch eine Situation wie in Jemen auf sich nehmen. Die meisten von ihnen seien noch sehr jung – die Hälfte sei minderjährig, so die IOM-Vertreterin. Nach Einschätzung der Organisation waren die Flüchtlinge auf dem betroffenen Boot im Schnitt 16-jährig.

Bildlegende:Dschibuti liegt am Horn von Afrika. SRF