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Drama vor Küste Jemens Die gefährliche Flucht in die Golfstaaten

Legende: Audio IOM-Vertreterin Lina Koussa: «Jemen nur ein Durchgangsland» abspielen. Laufzeit 03:26 Minuten.
03:26 min, aus SRF 4 News aktuell vom 10.08.2017.
  • Über 50 junge Flüchtlinge sind vor der jemenitischen Küste ums Leben gekommen.
  • Die Migranten aus Somalia und Äthiopien seien ertrunken, nachdem sie von einem Schlepper gezwungen worden seien, ins Meer zu springen, wie die Internationale Organisation für Migration (IOM) unter Berufung auf Überlebende mitteilt.
  • Lina Koussa, Vertreterin der IOM in Jemen, spricht von einer schockierenden und unmenschlichen Tat, die sich zudem jederzeit wiederholen könne.

Der Schlepper habe Personen am Strand gesehen, die nach Polizisten aussahen, und wollte daraufhin die Menschen auf seinem Boot loswerden. Das haben Überlebende den Mitarbeitern der internationalen Organisation für Migration (IOM), die seit 2016 an die Vereinten Nationen angegliedert ist, erzählt.

Schlepper wieder nach Somalia zurückgekehrt

Der Schlepper habe die Migranten und Flüchtlinge am Mittwoch selber über Bord gestossen oder sie gezwungen, ins Wasser zu springen. Offenbar sind dabei 29 Somalier und Äthiopier ertrunken.

Die überlebenden Flüchtlinge hätten die Leichen notdürftig an einem Strand in der südlichen Provinz Schabwa verscharrt. Mehr als 120 Flüchtlinge hätten sich insgesamt auf dem Schiff befunden. 22 Menschen würden noch vermisst. Der Schlepper sei nach der Tat wieder nach Somalia zurückgekehrt, um auf derselben Route noch mehr Flüchtlinge an die jemenitische Küste zu bringen, berichtet die Hilfsorganisation.

Lina Koussa, die die IOM in Jemen vertritt, hält diese Tat für «schockierend und inhuman».

Schätzung: Flüchtlinge im Schnitt 16 Jahre alt

Doch sehe sie ein solches Vorgehen nicht zum ersten Mal, sagt Koussa gegenüber SRF. Viele Migranten müssten sich auf ihrem Weg auf skrupellose Schlepper verlassen. Deshalb könne so etwas wieder passieren. Die IOM geht davon aus, dass seit Anfang Jahr 55'000 Migranten übers Meer nach Jemen gekommen sind – obwohl dort derzeit Krieg und Cholera herrschen. «Jemen ist nur ein Durchgangsland», so Koussa. «Die Menschen wollen in die Golfstaaten.»

Und um nach Saudi-Arabien oder in den Oman zu kommen, würden sie auch eine Situation wie in Jemen auf sich nehmen. Die meisten von ihnen seien noch sehr jung – die Hälfte sei minderjährig, so die IOM-Vertreterin. Nach Einschätzung der Organisation waren die Flüchtlinge auf dem betroffenen Boot im Schnitt 16-jährig.

Legende: Dschibuti liegt am Horn von Afrika. SRF

Zwei Tage, zwei Fälle

Die IOM meldet einen zweiten Vorfall derselben Art innert zwei Tagen. Am Donnerstag hätten Schlepper etwa 180 Menschen gezwungen, von ihrem Boot in die stürmische See zu springen. Mindestens sechs Personen starben, zwölf weitere gelten noch als vermisst. Aber auch sie haben die Überfahrt nach Jemen wahrscheinlich nicht überlebt.

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22 Kommentare

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  • Kommentar von Josephk Ernstk (Joseph ernst)
    Entsetzlich die Vorgehensweise dieses kriminellen Schleppers. Deshalb ist es dringend notwendig, dass die illegale Zusammenarbeit der priv. Hilfsorganisationen mit diesen Schlepperbanden unterbunden wird.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Haben Sie irgendwelche Beweise, dass private Hilfsorganisationen in Yemen mit Schleppern zusammen arbeiten? Oder geht es hier einfach wieder darum private Hilfsorganisationen in Misskredit zu bringen?
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  • Kommentar von Fabienne Soguel (Triggerin)
    was sind diese Schlepper für Leute? was müsste getan werden, dass ihr Job nicht mehr lukrativ wäre?
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Menschenhandel war schon immer lukrativ. Und seit wir offene Grenzen auch im Osten Europas haben, ist Menschenhandel auch hier sehr lukrativ geworden. Oft sind es Eltern selber, welche ihre Töchter schon ab 12 Jahren an Menschenhändler verkaufen. Gelockt durch Jobangebote im Westen, sind sie aber für die Prostitution bestimmt, wo die Mädchen & jungen Frauen unsäglich leiden müssen & sogar gefoltert werden. Jeder "Kunde" von diesen erzwungenen Dienstleistungen macht sich also mitschuldig.
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    2. Antwort von Margot Helmers (Margot Helmers)
      Das ist zu einem endlos grossen Business verkommen, dabei sind die Schlepper selber nur ein Teil davon. Gerade heute ist ein Bericht darüber: "EKD finanziert umstrittene Rettungseinsätze von „Sea Watch“ im Mittelmeer" Die Diakonie erhält für die Beratung, Integration, Therapie, Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen enorme staatliche Zuschüsse. Ein Teil davon geht an den Mittelmeer-Einsatz der NGO "Sea Watch". Offensichtlich wollen die Organisationen das der Nachschub nicht abreisst.
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    3. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Helmers: Die Evangelische Kirche Deutschlands ist Teil der Europäischen Christlichen Tradition. Es ist ein zentrales Anliegen des christlichen Glaubens Menschen nicht einfach ertrinken zu lassen, und das ungeachtet der Herkunft oder der Hautfarbe. Dass das etwas kostet ist auch klar. Sie können ja aus der Kirche austreten, wenn Sie sich mit christlichen Werten nicht identifizieren können. Es gibt Religionsfreiheit in der Schweiz.
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    4. Antwort von Werner Christmann (chrischi1)
      nicht mehr lukrativ für Schlepper wäre einzig den Taxidienst einzustellen.
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    5. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Helmers:
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    6. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      @ Helmers zur Ergänzung: der von Ihnen empfohlene Artikel ist auf der "Epoch Times Deutschland" publiziert. Die Seite wurde von Anhängern von Falun Gong gegründet und die Deutsche Seite wird von Fachleuten als Vertreter von Verschwörungstheorien und dem gleichen politischen Spektrum wie Sputnik, Compact, Junge Freiheit, RT etc zugeordnet.
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  • Kommentar von Manuela Fitzi (Mano)
    M.E. ist es die logische Reaktion der Schlepper auf den neuen harten Gangart der italienischen Regierung. Denn eine Übergabe der Menschen von Schlepperboot direkt an Bord eines Rettungsschiffes wird in Zukunft nicht möglich sein. Dazu braucht es ein echtes Notfallszenario. Und dieses kann der Schlepper durch Mensch im Wasser herbeirufen. Er wäre blöd, bis zur EU-Küste zu fahren, wie früher. Das kostet und ist gefährlich für ihn. Was sind das für Kreaturen in Menschenform?...
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Wenn das eine logische Reaktion wäre müssten Sie noch begründen in wie fern die Politik von Italien mit einem Boot zwischen Somalia und dem Yemen zu tun hat. Ist nicht einmal dasselbe Meer.
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    2. Antwort von Manuela Fitzi (Mano)
      Doch das sind dieselben Flüchtlinge, Herr Müller. Die Methoden werden nicht isoliert angewendet. IOM und die internationalen Organisationen sind im Golf von Aden seit längerem vorhanden. Ich kann die engeren Zusammenhänge nicht erklären, doch es muss ja einen Grund haben, dass dieser Schlepper sich gewichtige Feinde unter den Schleppern für die Weiterreise eingehandelt hat. Die haben jetzt eine Gruppe Geldquelle verloren...
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