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International Die Globalisierung und der Catfish in Mississippi

Im US-Wahlkampf ist Globalisierung ein wichtiges Thema. Sie sei schuld, dass gut bezahlte Arbeitsplätze verschwänden. Betroffen sind alle Wirtschaftszweige – auch die Fischzucht. Im Staat Mississippi, der Heimat des amerikanischen Catfish, leidet man unter der billigen Konkurrenz aus Asien.

«Früher haben wir hier Baumwolle angepflanzt. Das machen wir nicht mehr.» Farmer William Moore winkt ab. Heute verdiene er sein Geld mit Sojabohnen, Mais – und Catfish (Katzenwels).

Der 65-jährige Moore lebt am unteren Ende des Mississippi-Flussdeltas. Hier erstrecken sich mehrere Fisch-Teiche oder eher: Fisch-Seen. «Die künstlichen Teiche sind sechs bis sieben Hektaren gross. Insgesamt haben wir 34 davon.»

Legende: Video Fütterungszeit auf der Catfish-Farm abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus News-Clip vom 04.07.2016.

Das ergibt eine Gesamtfläche von 285 Fussballfeldern. Rund dreieinhalb Millionen Catfishes leben allein in den Aquakulturen von William Moore. Sechs Angestellte kümmern sich um die Fütterung der Tiere. Die Tiere leben auf dem Teichgrund. Nur, wenn es Futter gibt, kommen sie an die Oberfläche.

«Die Konkurrenz ist mörderisch»

«Die letzten zehn Jahre waren für uns Catfish-Farmer kein Zuckerschlecken. Einige Kollegen gingen Pleite. Das Futtergetreide für die Tiere ist teuer. Und wir brauchen viel Diesel, um die Seen zu belüften», erklärt Moore.

«Die Konkurrenz aus dem Ausland, sie ist mörderisch. In Vietnam zahlen sie kaum dieselben Löhne wie wir hier. Und im Mekong-Delta leben die Fische in Käfigen, es braucht keine künstlichen Seen. Futter braucht es auch nicht viel. Es ist einfach alles billiger.»

Porträt von William Moore.
Legende: William Moore ist Bauer in Cary, Mississippi, am unteren Ende des Mississippi-Flussdeltas. SRF, Beat Soltermann

Die gleichen Klagen hört man auch in Belzoni, einer Kleinstadt, die sich stolz als Catfish-Hauptstadt der Welt bezeichnet. Einst befanden sich hier die meisten Aquakulturen, erzählt Dianne Grant vom Catfish-Museum: «Wir haben viele Stellen verloren, seit das Catfish-Geschäft unter Druck gekommen ist. Leute zogen von hier weg.»

Heute befinden sich in Belzoni noch zwei Catfish-Verarbeitungsfirmen. Sie sind die letzten verbliebenen grossen Arbeitgeber. 2002 war die Fisch-Industrie in Mississippi noch ein Zwei-Milliarden-Dollar-Geschäft. Heute hat sich dieser Wert halbiert, was sich auf die Arbeitsplätze in dieser strukturschwachen Gegend auswirkt. Und deshalb kommt hier auch die Anti-Globalisierungs-Politik von Donald Trump so gut an.

Starke Nachfrage nach billigen Alternativen

Dabei liegt der Hauptgrund für die gesunkene Nachfrage in den USA: Amerikaner essen statt Catfish billigeren weissen Fisch aus dem Ausland, sagt Jimmy Avery von der Mississippi State University: «Die Konkurrenz des Catfish heisst Tilapia, Pangasius, Basa, Swai und kommt meistens aus Südostasien. Und weil diese weissen Fischsorten von der Textur und vom Geschmack her ähnlich sind, werden in Restaurants oft diese anstelle von Catfish serviert.»

Als Reaktion setzte die Catfish-Lobby in Washington zuerst durch, dass in den USA nur Catfish aus heimischen Farmen so genannt werden darf. Importierter Fisch muss einen anderen Namen tragen. Dann hievte einer der US-Senatoren aus Mississippi eine Bestimmung ins Landwirtschaftsgesetz, die eine spezielle Inspektion von ausländischem Catfish verlangt. Mit bürokratischen Hürden und höheren Kosten beim Import.

Catfish, Austern, gerne frittiert

Vietnam will die Inspektion als unzulässiges Handelshemmnis einklagen. Und auch in den USA ist diese Sonderregelung für Catfish unter Beschuss geraten, weil sie Millionen an Steuergeldern kostet.

Jimmy Avery versteht die Aufregung nicht. Es gehe nicht um Protektionismus, sondern um Konsumentenschutz, behauptet er. Käme es zu einem Produkte-Rückruf, würden viele Konsumenten alle weissen Fische in einen Topf werfen, auch den Catfish. Die Catfish-Industrie könnte sich von einem solchen Schlag nicht mehr erholen, glaubt Avery.

Die Einheimischen lieben Catfish, und eines der besten Restaurants dafür im Süden Mississippis ist das Taylor Grocery & Restaurant. Fast alle Tische sind besetzt. Würde überall so viel Catfish gegessen wie hier, wäre die Welt der Catfish-Farmer noch in Ordnung.

Jacob, der Koch empfiehlt: «Austern, Krevetten, Catfish – alles frittiert. Sehr gut läuft hier der Catfish.» Nur Maddy verrät, dass sie heute, an ihrem 81. Geburtstag, zur Feier des Tages für einmal Austern esse. Frittiert natürlich, wir sind ja schliesslich in Mississippi.

Ein Catfish (Wels) an der Wasseroberfläche.
Legende: SRF, Beat Soltermann

Der nordamerikanische Catfish gehört zur Familie der Katzenwelse (Ictaluridae). Sie sind schuppenlos und tragen immer acht Barteln ums Maul. Katzenwelse sind nachtaktive Raubfische, die ihre Beute auf dem Gewässerboden jagen. Sie fressen Schnecken, Würmer, Insekten, Krebstiere, Fischlaich und kleine Fische.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Wie dumm die Globalisierung zum Teil ist zeigt das Energieproblem. Es gibt in der Welt mehr als 40 Länder die mehr für den Ölimport zahlen als sie mit ihrem ganzen Export verdienen. Das heisst sie haben gar keine Chance mit dieser Art Energie. Afrika hat aber Sonne zum abwinken auch fruchtbares Land gibt es in Hülle und Fülle. Es ist vieles einfach nur Kopflosigkeit um es nicht Irrsinn zu nennen. https://youtu.be/U8MwYX5cgtQ
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  • Kommentar von Rolf Künzi  (Unbestimmt)
    Ich glaube auch das die Globalisierung an ihre Grenzen gekommen ist. Trump scheint das begriffen zu haben. Immer billiger ist sowas von Unklug. Das Gleichgewicht zwischen Regional und Global muss einfach besser berücksichtigt werden.
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  • Kommentar von Benjamin Thiel  (BThiel)
    Immer sind die anderen Schuld: Die Globalisierung, Politiker, die EU, Kapitalisten, Ausländer, Kriminelle oder Micky Maus. Der Konsument aber, der am liebsten, wenn es ginge, noch Sand fressen würde für 20 Rappen das Kilo, hat keine Verantwortung.
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