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International «Die goldene Zeit der Schutzmachtmandate läuft aus»

Zwar ist der Atomvertrag nicht unter Dach und Fach. Dass es aber soweit überhaupt gekommen ist, hat auch mit der Schweiz zu tun. Sie hat jahrzehntelang im Iran als Schutzmacht die Interessen der USA vertreten. Solche Mandate würden allerdings überflüssig, sagt der Schweizer Botschafter in Iran.

Ayatollah
Legende: Die religiösen Führer (Bild: Ayatollah Ali Chamenei) trugen die Entscheidungen beim Atomvertrag mit den USA mit. Keystone

SRF News: Fällt nach dem Aushandeln des Atomvertrags ein bisschen Glanz jetzt auch auf Sie?

Giulio Haas: Sicher nicht auf mich persönlich. Aber die Schweiz hat ihren Teil dazu beigetragen, dass dieses Verhandlungsergebnis nach zwei Jahren zu Stande kam.

Wie eng haben Sie persönlich mit den Verhandlungspartnern zu tun gehabt?

Sicher so eng, wie das einem Nicht-Verhandler möglich ist. Wir haben wöchentlich entweder Nachrichten überbracht oder standen für Klärungen zur Verfügungen oder haben Ideen eingebracht. Wir haben das Übliche gemacht, was jeder gute Diplomat machen kann, wenn er die Möglichkeit dazu hat.

Interessen zu vertreten, das klingt anspruchsvoll und nach viel Prestige. Ist es im Alltag mehr als einfach Depeschen hin- und herzubringen?

Ich glaube, in dieser besonderen Situation war es wahrscheinlich bedeutend viel mehr. Man muss sich vorstellen, der Iran und die USA haben seit über dreissig Jahren überhaupt nicht miteinander geredet. In den letzten zwei Jahren haben sie jedoch sehr intensiv miteinander diskutiert. Es gab zumindest in der Anfangszeit der Verhandlungen einen grossen Erklärungsbedarf, der am Verhandlungstisch alleine nicht abgedeckt werden konnte.

Sie haben es gesagt, es wurde sehr lange verhandelt. Wieso, denken Sie, hat es am Schluss geklappt?

Beide Seiten haben einen Abschluss gewollt haben. Die Gründe waren zwar verschieden, aber die Entscheidungsträger auf beiden Seiten waren praktisch täglich in die Verhandlungen involviert. Sie wollten zum ersten Ma seit über das Nuklear-Dossier gerungen wird zur gleichen Zeit das gleiche, nämlich einen Abschluss. Aus meiner Sicht war das der Schlüssel zum Erfolg.

Wie stark hing das an den beiden Personen, an Hassan Rohani und Barack Obama?

Diejenigen, die tragenden Rollen im Jahre 1979 in der iranischen Revolution gespielt haben, sterben einfach irgendwann. Das ist ein natürlicher Wandel der Gesellschaft.

In den USA hing es hauptsächlich an Präsident Barack Obama und Aussenminister John Kerry. Im Iran war die Situation etwas undurchsichtiger. Dort ist der Präsident sicher nicht der einzige Entscheidende. Die Ayatollahs, also die religiöse Führung, und das Militär sind eingebunden worden, da war das Entscheidungsspektrum deutlich breiter.

Die Einigung mit den USA hat im Iran gerade bei den Jungen grosse Hoffnungen auf eine weitere Öffnung geweckt. Sind diese Hoffnungen berechtigt?

Ja, ich glaube, dass sich das Land durch einen Abbau der Spannungen verändern wird. Man muss wissen, dass über 50 Prozent der Bevölkerung unter dreissig sind. Und das Land verändert sich ohnehin, weil die Entscheidungsträger immer jünger werden. Diejenigen, die tragenden Rollen in der Revolution gespielt haben im Jahre 1979, die sterben einfach irgendwann. Das ist ein natürlicher Wandel der Gesellschaft.

Wie geht es im Iran mit dem Schutzmacht-Mandat weiter? Werden Sie noch erleben, dass in Teheran eine US-Flagge weht?

Das wären dann gleich zwei Wunschvorstellungen, die sich hätten verwirklichen lassen! Zum einen, solche weltpolitisch bedeutsamen Verhandlungen mit erleben zu dürfen und zum zweiten, die Amerikaner nach Teheran zurückzubringen. Ich gehe davon aus, dass das zweite noch etwas Zeit braucht. Aber ich glaube, erste Schritte zu diesem Ziel darf man erwarten. Man wird sehen, ob sie sich verwirklichen lässt, aber ich glaube wirklich, dass der Deal mehr war als nur ein Abrüstungsvertrag.

Die Schutzmacht-Mandate der Schweiz waren nach dem zweiten Weltkrieg ja sehr zahlreich. Sie nehmen stetig ab. Im Moment gibt es noch vier. Ist damit die so genannt goldene Zeit der guten Dienste abgelaufen?

Ich glaube, die goldene Zeit der Schutzmachtmandate läuft aus. Andere Staaten politisch zu vertreten, das ist ein Auslaufmodell. Die meisten Staaten haben begriffen, dass sie Beziehungen aufrecht erhalten müssen. Dieser Nukleardeal zum Beispiel wäre viel weniger kompliziert gewesen, wenn beide Staaten vor Ort im jeweils anderen Land präsent gewesen wären.

Das Gespräch führte Ursula Hürzeler.

Giulio Haas

Giulio Haas

Seit 2013 ist Haas Schweizer Botschafter in Teheran. Vorher war er fünf Jahre lang bei einer Privatbank tätig. Der Bündner ist Jurist.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von E. Jenni, Ottikon
    Die Schweizer Diplomatie scheint stolz auf den Atomdeal mit dem Iran zu sein! Was kann weiter von der Realität entfernt sein als das?! Am 12. Aug. kündigte die Schweiz an, dass sie einseitig die Sanktionen gegen den Iran mit sofortiger Wirkung aufheben wird. Geschäfte mit dem iranischen Regime zu machen, bedeutet das Atomprogramm, die Vernichtungsdrohungen gegen Israel, Holocaustleugnung, den Export islamistischen Terrors und die Unterdrückung der iranischen Bevölkerung zu finanzieren!
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    1. Antwort von Stanic Drago, Delemont
      Von welchen iranischen Terror reden Sie? IS und Al Qaida sind Sunnitischen Organisation und Iraner sind Schitten. Hisbollah und Hamas sind in viele Länder wie Nicht Terroristische Grupe eingestuft worden.
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    2. Antwort von E. Jenni, Ottikon
      @Drago: Ist das wirklich ihr ernst, diese Frage? Ihr Kommentar entlarvt sie als blinden pro-Russland Anhänger, welcher alle Fakten umdreht, damit sie in ihr Weltbild passen! Wenn Hisbollah und Hamas keine Terroristen sind, dann sind die tschetschenischen "Freiheitskämpfer" und der IS auch keine! Im Übrigen ist die Hamas sunnitisch und trotzdem vom Iran finanziert, weil dieser Israel vernichten möchte! So einfach sind die Fakten, alles andere ist realitätsfremd und äusserst bedenklich!
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  • Kommentar von Ignaz Hufschmid, Zürich
    Bitte streichen Sie das Adjektiv "goldene" aus dem Titel. Das ist vollkommen fehl am Platz.
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