Die Heiligen machen ein gutes Geschäft

Die katholischen Heiligen bilden einen ziemlich exklusiven Klub. Bald gehören auch Mutter Teresa von Kalkutta und vier weitere Geistliche dazu. Die Zahl der Heiligen ist in den letzten Jahren markant gestiegen – ebenso der Profit der Kirche aus Selig- und Heiligsprechungen.

Papst Franziskus informiert die Kardinäle: Mutter Teresa wird am 4. September 2016 heiliggesprochen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Papst Franziskus informiert die Kardinäle: Mutter Teresa wird am 4. September 2016 heiliggesprochen. Keystone

Es braucht ein Wunder, um seliggesprochen zu werden. Und es braucht ein zweites, um zur Ehre der Altäre erhoben – sprich heiliggesprochen zu werden. Weil aber Wunder keine exakte Grösse sind, braucht es zudem Instanzen, die Wunder erkennen, untersuchen und verbürgen.

Beim seligen Kaiser Karl l. von Österreich beispielsweise waren es die Krampfadern einer bettlägrigen polnischen Nonne, die der Habsburger auf wundersame Weise geheilt haben soll. Zur Prüfung solcher und ähnlicher Wunder braucht es in der Regel viel Zeit.

Und weil es im und um den Vatikan viele Schreibstuben hat, braucht es ebenso viel Papier. Der Papierbedarf fällt stets auch in Form von Geldscheinen an, wobei unbekannt ist, wieviel das Selig- und Heiligsprechungsverfahren für Mutter Teresa insgesamt gekostet hat. 750‘000 Euro sollen es bei der Seligsprechung des italienischen Geistlichen Antonio Rosmini gewesen sein. Dieser Fall gilt gemeinhin als der bisher teuerste.

Flut von Seligen und Heiligen unter Johannes Paul II.

26 Jahre lange war Johannes Paul II. – unterdessen selber heilig – Papst. In dieser Zeit wurden nicht weniger als 1338 Selige und 482 Heilige kreiert, mehr als je zuvor. Da wird der Vatikan mit Schreib-, Stempel- oder Beurkundungsgebühren ordentlich Geld verdient haben.

Selbst Papst Franziskus habe sich einige Wochen nach seiner Wahl nach den entsprechenden Einnahmen erkundigt. Die dafür zuständigen Amtsstellen im Vatikan mussten allerdings passen. Man habe keinen Überblick, war die ebenso simple wie unbefriedigende Antwort. Das geht aus Dokumenten hervor, die Journalisten aus dem Vatikan selber zugespielt wurden.

Franziskus will Transparenz

Vor wenigen Tagen hat Papst Franziskus reagiert. Noch bevor Mutter Teresa im September in Rom heiliggesprochen wird, sollen die entsprechenden Verfahren günstiger und die Einnahmen zentral erfasst und verbucht werden.

Trotzdem ist kaum mit einer vollständigen Transparenz zu rechnen. Denn der Vatikan ist zwar ein Staat. Der kennt aber keine Gewaltenteilung und damit auch kein Parlament, das Rechnungen einsehen und kontrollieren könnte.

Derzeit gibt es allerdings auch deutlich weniger zu tun. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Johannes Paul war Papst Benedikt mit Heiligsprechungen geradezu zurückhaltend. Eine Linie, der Franziskus weitgehend folgt.