«Die Kubaner fliehen nicht, sie reisen»

Seit Mitte Januar können Kubanerinnen und Kubaner weitgehend frei ins Ausland reisen – und sie nutzen die neuen Möglichkeiten rege. Von einer Ausreisewelle kann aber nicht die Rede sein: Rund 60 Prozent der Reisenden kehrten wieder in das kommunistische Land zurück.

Eine Kubanerin hält lächelnd zwei Reisepässe in die Höhe. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein halbes Jahrhundert lang brauchten die Kubaner eine Ausreiseerlaubnis – jetzt reicht ein Reisepass. Keystone

Seit Anfang diesen Jahres gewährt die kubanische Regierung ihren Bürgern Reisefreiheit. Sie benötigen keine Ausreisegenehmigung mehr – ein Reisepass und ein Einreisevisum des Ziellandes genügen. Nach der Lockerung wurde vielerorts eine Ausreisewelle erwartet. Laut den Behörden ist sie bislang ausgeblieben.

Seit Januar haben die Auslandsreisen kubanischer Staatsbürger um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zugenommen, teilte die kubanische Migrationsbehörde mit. 57,8 Prozent der Reisenden sei ins Land zurückgekehrt, versicherte der Vizechef der Behörde, Oberst Lamberto Fraga. «Die Kubaner fliehen nicht, sie reisen», bekräftigte der Beamte.

Lockerung unter Raúl Castro

Das Hauptziel der reisefreudigen Kubaner bleiben die Vereinigten Staaten. Im Nachbarland wohnt die mit Abstand grösste Gemeinde der rund zwei Millionen Exilkubaner. Jedes Jahr erhalten Tausende Kubaner ein Visum für eine legale Einwanderung in den USA.

Die strengen Ausreisebestimmungen hatten über Jahrzehnte gegolten. Seit Raúl Castro im Juli 2006 die Macht von seinem älteren Bruder Fidel Castro übernommen hat, weicht das kommunistische Regime zunehmend von der reinen sozialistischen Lehre ab.