«Die Leute in Kobani brauchen dringend Hilfe»

Seit gut einem Tag befindet sich Kriegsreporter Kurt Pelda als einziger westlicher Journalist in der nordsyrischen Stadt Kobani. Angesichts des Vormarschs der IS-Truppen verschlechtert sich die Lage der Bewohner stetig. Hilfe kommt bisher keine an. SRF News Online hat mit dem Reporter gesprochen.

Stacheldraht teilt Syrien und die Türkei. Auf der syrischen Seite sammeln sich Flüchtlinge. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Grenze ist dicht: Für die meisten syrischen Flüchtlinge gibt es kein Durchkommen in die Türkei. Reuters

Kämpfer des Islamischen Staates (IS) versuchen seit Tagen, die nordsyrische Grenzstadt Kobani (arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen und damit von ihnen beherrschte Gebiete zu verbinden. Dabei konnten sie Fortschritte erzielen: Offenbar eroberten sie eine Anhöhe in der Nähe von Kobani, welche die Kurdenmiliz YPG für Angriffe genutzt hatte.

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Granaten auf türkisches Gebiet

Bei der Offensive der IS gegen die Kurden in Nordsyrien sind Zeugen zufolge zwei Granaten der Extremisten auf türkischem Gebiet eingeschlagen. Die Geschosse gingen in einem Weingut nieder. Berichte über Verletzte oder Tote gab es zunächst nicht.

Luftangriffe ohne Wirkung

Kriegsreporter Kurt Pelda befindet sich zur Zeit in der Grenzstadt. Er ist vor kurzem dort eingetroffen und hat erste Eindrücke gesammelt. «Bisher waren die Luftangriffe keine grosse Hilfe für die kurdischen Kämpfer am Boden.» Die Angriffe auf verschiedene IS-Stellungen vor zwei Tagen hätten ihre Ziele verfehlt, sagte der Journalist.

Seither habe es nur noch einzelne Aufklärungsflüge gegeben – Bomben seien keine mehr abgeworfen worden. «Ausserdem ist es unklar, welche Jets die Stadt bombardiert und überflogen haben.» Die USA haben Angriffe auf Kobani dementiert.

Betreuung von Flüchtlingskindern in Nordirak

7:56 min, aus SRF 4 News aktuell vom 26.09.2014

Trotzdem stehen die IS-Kämpfer immer noch einige Kilometer ausserhalb der Stadt. Pelda schätzt auch, dass es für die Terrororganisation sehr schwierig wird, die Stadt einzunehmen: «In den engen Strassen können sie ihre Panzer nur schlecht bewegen und die Kurden halten noch einen Hügel neben der Stadt, was ihnen einen Vorteil verschafft.»

Grenze ist hermetisch abgeriegelt

Viele Kurden aus der Türkei und dem Irak würden mittlerweile in der Stadt ankommen, um sich dem Kampf anzuschliessen. «Die meisten von ihnen sind jedoch unbewaffnet», sagt Pelda.

Die Situation in der Gegend werde immer verzweifelter. Tausende von Flüchtlingen warten an der türkischen Grenze auf die Einreise ins Nachbarland. «Der Übergang wird nur ab und zu für Verwundete und einige Flüchtlinge geöffnet.» Zudem sei die Grenze mit Minenfeldern, Erdwällen, Stacheldrahtverhauen und Wachtürmen hermetisch abgeriegelt. Da die Türkei mit den Kurden und vor allem der kurdischen Arbeiterpartei PKK im Konflikt steht, sei die Grenze sehr gut bewacht, sagt der Kriegsreporter.

Nahrungsvorräte gehen zur Neige

Viele der Bewohner Kobanis verbringen laut Pelda die Nächte in relativer Sicherheit an der türkischen Grenze, bevor sie am Morgen wieder zurück in ihre Häuser gehen. Die Angst, in die Hände der IS-Terroristen zu geraten, sei zu gross. «Mittlerweile ist bekannt geworden, dass die Dschihadisten auch Frauen köpfen.»

Für den Kriegsreporter ist inzwischen klar: «Die Leute in Kobani brauchen dringend Hilfe – und zwar heute und nicht morgen.» Es mangle an allem in der Stadt und die Essensvorräte würden langsam ausgehen, sagt er.

Nach eigenen Angaben ist Kurt Pelda momentan der einzige westliche Journalist, der es in die Stadt geschafft hat. Er wurde in der Nacht von einem Schmuggler über die Minenfelder an der Grenze nach Kobani geführt.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

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    Aus Echo der Zeit vom 26.9.2014

    Die Amerikaner bombardieren mit Verbündeten vom Golf Stellungen der Terrormiliz IS in Syrien. Besonders umkämpft ist Raqqa und Umgebung, die Hochburg der Jihadkämpfer. Tausende Bewohner sind geflohen, auch Mohammed. Ein Gespräch.

    Philipp Scholkmann

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    Aus 10vor10 vom 22.9.2014

    Das Vorrücken der Terror-Miliz Islamischer Staat in Syrien hat die grösste Flüchtlingswelle in die Türkei seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs ausgelöst. Innerhalb von zwei Tagen suchten gemäss Schätzungen der UNO mehr als 100'000 Menschen aus den Kurdengebieten im Norden Syriens Schutz im Nachbarland.

  • Kurden vereint im Kampf um Ain al-Arab

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    Die syrischen Kurden suchen zu Zehntausenden in der Türkei Schutz vor den IS-Extremisten: Der Flüchtlingsstrom reisst nicht ab. Jetzt ruft auch die in der Türkei verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK zum Widerstand gegen die Terroristen auf. – Einschätzungen durch Nahost-Experte Ulrich Tilgner.