«Die Menschen verbrennen alles, was ihnen in die Hände kommt»

Kein Geld für den Weihnachtsbraten, kein Geld für Geschenke und nicht einmal genug Geld für die Heizung: Viele Griechen müssen über die Festtage im Kalten sitzen. Nun macht die Regierung der ärmeren Bevölkerung ein ungewöhnliches Weihnachtsgeschenk – um gegen die Luftverschmutzung zu kämpfen.

Viele Menschen in Griechenland haben kein Geld, um während der kalten Wintertage die Heizung einzuschalten. Um dennoch ein bisschen Wärme zu erzeugen, behelfen sie sich mit Feuer. Dabei verbrennen sie allerdings nicht nur Holz.

«Es wird inzwischen fast alles verbrannt», sagt die Journalistin Corinna Jessen in Athen. In den Kaminen werde alles verheizt, «sogar mit Plastik beschichtete Holzstücke».

«Es geht sogar so weit, dass einige Menschen einfach nur ein Kohlebecken in der Wohnung entzünden», sagt Jessen im Gespräch mit SRF. Vor einigen Wochen starb so ein 13-jähriges Mädchen im Schlaf an einer Rauchvergiftung. Die Mutter hatte versucht, das Schlafzimmer zu heizen.

Weil die Menschen alles verbrennen, was ihnen in die Hände kommt, ist die Luft insbesondere in den Städten stark verschmutzt. «Es ist eine Art Giftwolke, die über den grossen Städten hängt», sagt Jessen. Ein bitterer Geschmack lege sich auf die Zunge und die Augen würden brennen.

Eine Frau sitzt vor dem Kamin. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Ein Feuer im Kamin soll für etwas Wärme in der Wohnung sorgen. Reuters/Archiv

Nun handeln die Behörden. Ab sofort tritt eine neue Verordnung in Kraft: Wenn die Luftverschmutzung besonders hoch ist, sollen arme Menschen neu während zwei Tagen gratis Strom erhalten.

Anspruch haben Haushalte, die mit weniger als 1000 Euro pro Monat über die Runde kommen müssen – unterdessen sind das eine halbe Million Griechen.