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Krise am Golf «Die Saudis wollen die eigene Front bereinigen»

Junger Mann in Anzug und Krawatte.
Legende: Guido Steinberg ist Islamwissenschaftler und Sicherheitsexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik Berlin. Imago
  • Katar wird von seinen Golfpartnern isoliert, auch Ägypten schliesst sich an.
  • Der kleine Golfstaat unterstütze den Terrorismus, heisst es zur Begründung.
  • Die Motivation der Aktion dürfte auch darin liegen, Katar auf Kurs gegen den Iran zu bringen, sagt Nahost-Kenner Guido Steinberg.

SRF News: Was ist an den Vorwürfen dran, Katar unterstütze terroristische Organisationen wie den IS?

Guido Steinberg: Auch wenn Katar den IS nicht direkt unterstützt, ist da einiges dran: Tatsächlich gibt es Unterstützung für einige syrische Rebellengruppen. Den Saudis und Ägypten dürfte es aber vor allem um die Unterstützung Katars für die Muslimbruderschaft gehen. Katar ist, zusammen mit der Türkei, der wichtigste Unterstützer dieser Organisation in der gesamten Region. Das ist den Saudis und den Ägyptern schon lange ein Dorn im Auge.

Hat der kürzliche Besuch von US-Präsident Donald Trump in Saudi-Arabien etwas damit zu tun, dass die Blockade Katars gerade jetzt erfolgt?

Ja. Der Konflikt hatte sich in den letzten Monaten und Jahren etwas beruhigt. Zuvor war es 2014 ja bereits einmal zu einem Abzug der Nachbars-Botschafter aus Katar gekommen. Jetzt scheinen sich Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Ägypten dazu ermutigt zu sehen, zumindest unter den Verbündeten ihre Linie durchzuziehen. Schliesslich ist Katar als Mitglied im Golf-Kooperationsrat ein enger Verbündeter. Diese Linie geht einerseits gegen die Muslimbrüder und andererseits gegen den Iran. Offenbar wurden die Machthaber in Saudi-Arabien von Trumps Rede in Riad ermutigt, ihre viel aggressivere Vorgehensweise in die Tat umzusetzen. Insofern nehmen sie sich mit Katar den schwächsten Partner vor und versuchen, die eigene Front zu bereinigen.

Sowohl Katar wie Saudi-Arabien sind enge Verbündete der USA – inwieweit ist Trump nun zum Spagat gezwungen?

Tatsächlich ist die Entwicklung für die US-Politik ein Problem. Sie zeigt auch, wie wenig durchdacht die Rede Trumps in Riad war. Zwar gefällt es den Amerikanern durchaus, dass ihre Verbündeten am Golf eine gemeinsame Front bilden, mit denen sie dann gegebenenfalls gemeinsame Politik gegen den Iran machen können. Allerdings führt das Vorgehen der Saudis, die sich nun unerwartet Katar vornehmen, zu Problemen: Für den Kampf der USA gegen die Terroristen des IS ist die Luftwaffenbasis in Katar enorm wichtig. Nun könnte die gegenwärtige Krise dazu führen, dass die VAE und die Saudis keine Offiziere in das Kommandozentrum der USA in Katar schicken werden. Die Amerikaner werden nun versuchen, den Konflikt zu entschärfen, damit sie ihre Militärkampagne in Syrien und im Irak weiterhin konfliktfrei betreiben können.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Es geht hier um einen Machtkampf zwischen KSA und Iran. Hinzu kommt, dass der in Katar beheimatete Sender Al-Jazeera dafür bekannt ist, dass er unangenehme Wahrheiten über die Zustände anderer islamischer Staaten veröffentlicht und vor allem über die menschlichen Schicksale, die vom Krieg betroffen sind, berichtet. Dass alle Beteiligten keine Musterstaaten der Demokratie sind, ist bekannt. Wobei Ägypten, finanziell abhängig von KSA,sich bei der Unterdrückung der Bevölkerung besonders hervortut.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Ich glaube einfach nicht daran, dass die Saudis ohne Grund gegen Katar in dieser Weise vorgehen.Warum versuchen die Amis sofort, den Konflikt zu beeinflussen? Warum der grosse Waffendeal.? Dazu kommt , Katar hat gute Verbindungen zum Iran. Nach der Rede von Trump sahen sich die Saudis gestärkt ,zuerst einmal gegen Katar vorzugehen. Der Grund bleibt für mich der Iran. Die Sache stinkt gewaltig. Und Trump merkt, was er angerichtet hat. Er will pers. mit jedem sprechen.
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  • Kommentar von Giovanni Serini (FreivonReligion)
    Da soll eine/r noch drauskommen WER gegen WEN ist.....ich denke, alles beugt sich vor Mammon (der Machtgiergeiz des Geldes)
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