«Die Schweiz und ihre Produkte haben einen guten Ruf im Iran»

Nun können mit dem Iran Geschäfte gemacht werden: Die ehemalige Schweizer Botschafterin in Teheran glaubt, dass die Schweiz wirtschaftlich gut aufgestellt ist und mit der Konkurrenz mithalten kann, auch wenn Schweizer Unternehmen bisher noch sehr zurückhaltend waren.

Ein Mann fährt auf einem Velo vor einer Ölraffinerie vorbei. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Investitionsmöglichkeiten im Iran gibt es für die Schweiz zuhauf: etwa mit Cleantech in der Energiebranche. Keystone

SRF News: Haben Sie eigentlich damals als Botschafterin in Teheran daran geglaubt, dass die Sanktionen so bald aufgehoben würden?

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Livia Leu-Agosti

Livia Leu-Agosti

Seco

Die studierte Juristin ist seit 2013 Leiterin der Bilateralen Wirtschaftsbeziehungen im Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco). Seit 1991 ist sie in der Diplomatie tätig. Von 2009-2013 war sie Schweizer Botschafterin in Teheran und vertrat in dieser Funktion auch die Interessen der USA im Iran.

Livia Leu-Agosti: Als ich in Teheran war, waren die Sanktionen noch im Aufbau. Aber wir haben immer daran geglaubt, die Schweiz und ich persönlich, dass sich dieser Konflikt lösen lassen wird.

Wie wird sich das Verhältnis zwischen der Schweiz und Iran verändern, wenn die Sanktionen fallen?

Die Schweiz und Iran haben schon lange ein enges Verhältnis, das auf Dialog basiert – auch aufgrund des Schutzmachtmandates, das die Schweiz für die USA im Iran wahrnimmt. In den letzten Jahren war das Wirtschaftsverhältnis stark getrübt und rückläufig. Ich denke, vor allem in diesem Gebiet wird sich einiges verbessern können. Und eine Öffnung Irans wird auch politisch neue Möglichkeiten eröffnen.

Philipp Welti, Präsident der Wirtschaftskammer Schweiz-Iran, sagte, Schweizer Unternehmen müssten sich sputen. Denn unsere normalen Konkurrenten auf dem Weltmarkt, wie Deutschland und Frankreich, seien rascher und risikofreudiger auf den iranischen Markt zugegangen. Sehen Sie das auch so?

Ich denke, grundsätzlich ist die Schweiz im Iran gut aufgestellt. Die Schweiz als Land wie auch die Qualität ihrer Produkte haben einen guten Ruf. Von daher haben wir eine gute Ausgangsposition. Wir haben auch schon Wirtschaftsmissionen mit Schweizer Unternehmen unternommen. Zwar haben wir nicht so grosse Delegationen, wie etwa Frankreich oder Deutschland, geschickt, aber das gehört auch nicht zu unserer Wirtschaftskultur.

«  Die Konkurrenz schläft nicht, aber das wissen unsere Unternehmen. Sie waren aufgrund der Sanktionen vorsichtig und das kann man ihnen nicht verübeln. »

Man kann nicht sagen, dass die Schweiz schlecht aufgestellt wäre. Aber natürlich müssen sich die Unternehmen sputen, die Konkurrenz schläft nicht. Aber das wissen unsere Unternehmen. Sie waren aufgrund der Sanktionen vorsichtig. Das kann man ihnen nicht verübeln.

Welche Branchen könnten noch zulegen?

Iran ist ein grosser Markt und die Möglichkeiten sind vielfältig. Ich denke, dass aber insbesondere der Infrastrukturausbau ein Thema ist, das ansteht: Transport, Schiene und Strasse. Auch der Energiesektor wird sehr wichtig sein, wenn das iranische Öl ungehindert auf den Markt kommen kann. Ich denke, hier können wir mit unserer Cleantech-Branche einhaken. Dafür gibt es einen Bedarf. Aber auch bei den Konsumgütern – Uhren sind sehr beliebt.

Die Menschenrechtslage im Iran ist sehr prekär. Besteht nun die Gefahr, dass man vor lauter Vorfreude auf gute Geschäfte nicht mehr so genau hinschaut?

Das glaube ich nicht. Die Schweiz führt seit Jahren einen bilateralen Menschenrechtsdialog mit Iran. Die Menschenrechtssanktionen, international gesehen, werden nicht aufgehoben. Nur die Sanktionen im Zusammenhang mit dem Atomdeal. Die internationale Gemeinschaft wird auf diesem Thema weiterhin ihr Auge haben.

Auch Banken profitieren von Aufhebung der Sanktionen

Auch Banken werden mit weniger Restriktionen zu kämpfen haben, sagt Pascal Sprenger vom Beratungsunternehmen KPMG, zuständig für Bankenregulierung und Sanktionen. Dass Schweizer Banken eine Filiale im Iran eröffnen, ist auch eine Möglichkeit. Allerdings sieht
Sprenger das Privatkundengeschäft erst als mittelfristige Option. Zuerst müssten die Handelstransaktionen der Wirtschaft weiter kommen.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge.