Amtseinführung in Washington Die Show ist vorbei

US-Präsident Donald Trump will das Establishment entmachten und muss nun Resultate liefern.

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Die Antrittsrede von US-Präsident Donald Trump

16 min, vom 20.1.2017

Es war eine populistische Rede, wie er sie an seinen Kampagnenauftritten gehalten hat. Trump zeigt damit abermals, dass er als Präsident sich nicht mässigen wird. Wieso sollte er auch – schliesslich wurde er gewählt, weil die Unzufriedenheit in den USA weit verbreitet ist. Weil den Menschen nicht entgeht, dass das System in den letzten Jahren vor allem für Reiche und Mächtige funktionierte.

«  Es ist eine Machtübergabe von Washington an euch alle. Das ist euer Tag. »

Donald Trump
US-Präsident

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Priscilla Imboden

Priscilla Imboden

Priscilla Imboden ist schweizerisch-amerikanische Doppelbürgerin und seit Frühjahr 2013 als USA-Korrespondentin für SRF tätig. Davor arbeitete sie während acht Jahren in der Wirtschaftsredaktion von Radio SRF in Bern.

Ein Multimilliardär, der in eine reiche Familie geboren wurde und bisher kein Interesse zeigte am Los der Notleidenden. Für viele ist er ein unwahrscheinlicher Champion.

Mindestens so viele Menschen reiben sich aber die Augen. Weiterhin ungläubig, dass ein Immobilienmogul und Reality-Show-Star ins Weisse Haus einzieht, ohne Respekt für die demokratischen Institutionen. Ein Mann mit einem äusserst sorglosen Umgang mit Fakten und Wissen, ein Mann mit einer so dünnen Haut, dass er es für nötig hält, auch irrelevante Kritiker öffentlich auf Twitter zu verunglimpfen.

«Ich werde der Präsident aller sein», verspricht Donald Trump. Er tritt aber sein Amt als unbeliebtester Präsident der letzten Jahrzehnte an. Er hat die Volkswahl deutlich verloren und betritt das Weisse Haus als eine höchst umstrittene Figur. Rund sechzig demokratische Abgeordnete boykottierten die Feier zur Amtseinsetzung.

Trump wird Präsident einer Nation, die polarisiert ist wie selten in ihrer Geschichte, eine schon fast schizophrene Nation. Das gleiche Land hat vor acht Jahren den ersten afroamerikanischen Präsidenten gewählt und ihn vor vier Jahren wiedergewählt.

Im gleichen Land erlebte der Linkspopulist Bernie Sanders während der Präsidentschaftskampagne begeisterten Zulauf. Im gleichen Land steht die Jugend politisch linker wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Dieses Land hat einen autoritären Rechtspopulisten gewählt, der verspricht, vergangene Zeiten zurückzubringen.

«  Ich werde Euch nie enttäuschen. »

Donald Trump
US-Präsident

Donald Trump ist mit grossen Versprechungen an die Macht gelangt. Er wiederholte sie in seiner ersten Rede als Präsident: «America first», die Interessen der USA sollen zuerst kommen. Geld solle investiert werden, um die Grenzen zu sichern, statt andere Länder zu verteidigen, verkündete er.

Gute Stellen für alle, bessere Schulen, mehr Sicherheit, neue Infrastrukturen versprach Trump. Das sind ehrgeizige Ziele. «Ich werde Euch nie enttäuschen», meinte er. Nun ist die Show vorbei und die Arbeit beginnt. Donald Trump wird als Präsident das praktisch Unmögliche möglich machen müssen: Seine Versprechungen einlösen.