Die Welt trauert um den «Lehrer der Menschheit»

Der Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel – einer der bekanntesten Überlebenden des Holocaust – ist tot. US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel in einer ersten Reaktion als «Gewissen der Welt». Weltweit herrscht Bestürzung über sein Ableben. Zahlreiche Politiker und Prominente kondolierten.

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Er kämpfte gegen das Vergessen – Elie Wiesel

1:08 min, vom 3.7.2016

US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel als «eine der grossen moralischen Simmen unserer Zeit» und «Gewissen der Welt». Wiesel sei nicht nur einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden gewesen, hiess es in einer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung des Präsidenten, sondern auch: «Er war ein lebendes Denkmal.»

Wiesel habe trotz des Erlittenen niemals den Glauben an die Menschlichkeit «und den Fortschritt verloren, der möglich ist, wenn wir uns gegenseitig mit Würde und Respekt behandeln». Dafür, so Obama, sagen wir «heute abend unseren Dank».

«Lichtstrahl» in der «Dunkelheit des Holocaust»

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erinnerte an die aussergewöhnliche Persönlichkeit des 87-Jährigen. «Der Wortkünstler Elie hat mit seiner aussergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert.» Er habe sein sein Leben verwendet, um einen Lichtstrahl der Menschheit zu zeigen angesichts der Dunkelheit des Holocaust, betonte Netanjahu weiter.

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin ehrte Wiesel als Kämpfer gegen jegliche Form von Hass. «Elie Wiesel verkörperte die Entschlossenheit des menschlichen Geistes, die dunkelsten Teufel zu bezwingen und allen Widrigkeiten zum Trotz zu überleben», sagte Rivlin.

Friedensnobelpreisträger Schimon Peres erinnerte an Wiesel als Menschen, der sich stets gegen das Vergessen eingesetzt hat. «Wiesel hat seine Spuren in der Menschheit hinterlassen durch das Erhalten und Hochhalten des Vermächtnisses des Holocausts.»

Das Internationale Auschwitz-Komitee bezeichnete den Auschwitz-Überlebenden als «Lehrer der Menschheit»: «Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren», sagte Christoph Heubner, der Vize-Exekutivpräsident der Überlebendenorganisation, in Oswiecim.

«Unermüdlicher Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt»»

Frankreichs Präsident François Hollande hat Elie Wiesel als «grossen Humanisten und unermüdlichen Verteidiger des Friedens» gewürdigt. Der Holocaust-Überlebende habe geholfen, «die Augen der Welt für die unsagbare Verletzung der Vernichtung der Juden Europas» zu öffnen, teilte der Pariser Élyséepalast mit.

«  Seine Äusserungen berührten die Menschen, gleichgültig liessen sie keinen. »

Joachim Gauck
Deutscher Bundespräsident

Der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte: «Mit Elie Wiesel geht nicht nur ein grosser Autor, Philanthrop und Gelehrter von uns, sondern vor allem ein unermüdlicher Streiter gegen Hass, Intoleranz und Gewalt», erklärte er in Berlin.

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck bezeichnete Wiesel als grossartigen Menschen und ausserordentlichen Gelehrten. «Seine Äusserungen berührten die Menschen, gleichgültig liessen sie keinen.» Deutschland habe mit dem Tod von Elie Wiesel «einen grossen Verlust erlitten», hiess es in einem Kondolenzschreiben Gaucks an dessen Ehefrau Marion Esther Wiesel.

«Ruhe in Frieden mein Freund»

Oscar-Preisträger George Clooney rief dazu auf, den humanitären Kampf des Holocaust-Überlebenden fortzusetzen. Wiesel habe «unseren Schmerz, unsere Schuld und unsere Verantwortung» über Generationen hinweg auf seinen Schultern getragen, sagte Clooney in einer Mitteilung. Nun sei es unsere Aufgabe, für die Entrechteten zu kämpfen und die Wahrheit zu sprechen. «Zur Erinnerung an Elie ist es das Mindeste, was wir tun können. Ruhe in Frieden mein Freund», schrieb Clooney.

Clooney (links) und Wiesel Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Arbeit an humanitären Projekte verband den Schauspieler mit dem Schriftsteller. Keystone

Der Schauspieler und der Friedensnobelpreisträger hatten sich zusammen für viele humanitäre Projekte eingesetzt, unter anderem für die Bevölkerung in der westsudanesischen Krisenprovinz Darfur. Beide gehörten als Vorsitzende auch dem Auswahlkomitee für die Verleihung des Aurora-Preises an, mit dem Aktivisten für Projekte zur Förderung der Menschlichkeit ausgezeichnet werden.

Wiesel war im Alter von 87 Jahren in den USA gestorben. Das bestätigte sein Sohn. Nach Informationen der «New York Times» starb der Schriftsteller in seinem Haus in Manhattan. Über die Todesursache wurde bislang nichts bekannt. Sein Tod löste nicht nur in Israel und der jüdischen Weltgemeinde grosse Trauer aus. Der 1928 in Rumänien geborene Wiesel überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Über Jahrzehnte hinweg hatte er sich dann für die Erinnerung an den Holocaust eingesetzt.