Ungewöhnlicher Weg Dieser Mann will mit Crowdfunding Kriegsverbrechen aufklären

Die UNO soll Kriegsverbrechen in Syrien unabhängig verfolgen. Doch noch immer fehlen rund vier Millionen Euro. Einige Menschenrechtsorganisationen wollen das Geld nun via Crowdfunding sammeln. Initiant Elias Perabo erklärt, was dahintersteckt.

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Bildlegende: Elias Perabo: Mitbegründer der Organisation «Adopt a Revolution», die Alternativen zur Gewaltherrschaft in Syrien sucht. Creative Commons

Unter dem Stichwort «Crowd4justice» werben verschiedene Menschenrechtsorganisationen in den sozialen Medien und sammeln Geld für eine unabhängige Untersuchung der Kriegsverbrechen in Syrien. Einer der Initianten der ungewöhnlichen Strategie ist Elias Perabo.

SRF News: Herr Perabo, was ist das Ziel ihrer Aktion?

Elias Perabo: Unsere Spenden zeigen den Regierungen, dass wir Bürger ihre verantwortungslose Haltung gegenüber dem UN-System, dem internationalen Recht und der Zivilbevölkerung in bewaffneten Konflikten nicht länger hinnehmen.

Doch warum sollen nun auch Privatpersonen spenden? Immerhin haben bereits viele europäischen UNO-Mitglieder, darunter auch die Schweiz, Geld für die unabhängige Untersuchung gespendet.

Stimmt, es haben bereits ungefähr 30 Staaten unterschiedlich hohe Summen zugesagt. Trotzdem gibt es noch eine Finanzierungslücke. Es geht bei der Aktion nicht in erster Linie ums Geld, sondern darum, dass wir ein Zeichen setzen. Die Leute in Syrien warten bereits sechs Jahre auf Gerechtigkeit. Seit Beginn des Krieges geschehen schreckliche Kriegsverbrechen, die ununtersucht bleiben und weiter jeden Tag geschehen.

Im letzten Dezember wurde den Syrern gesagt, dass die internationale Gemeinschaft eine Untersuchung unterstützt. Und trotzdem ist immer noch nichts passiert. Stellen Sie sich mal vor, wie es in London aussehen würde, wenn man den Leuten nach diesen schrecklichen Anschlägen sagen würde, dass die Untersuchungen noch Monate dauern könnten, aber wir fangen irgendwann an. Diese Verbrechen bleiben erst mal unbestraft und ununtersucht.

«  Wir müssen jetzt anfangen. Jeder Tag ohne Untersuchungen der Verbrechen, ist ein verlorener Tag. »

Wie können sie Privatpersonen zum Spenden motivieren? Ist die UNO gelähmt, wenn es darum geht Menschenrechtsverletzungen zu verfolgen?

Es ist natürlich eine doppelte Spende: Erstens sagen wir, dass wir es selbst in die Hand nehmen. Als Gesellschaft ist es wichtig, dass genau dieser Schritt geschieht. Zweitens, in dem man Geld spendet, setzt man auch ein Zeichen und sagt der internationalen Gesellschaft: «Schämt euch dafür, dass ihr das Geld nicht hinlegt, um diese Untersuchungen zügig voranzubringen.»

Zerstörte Gebäude in Aleppo. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bild der Zerstörung in Aleppo. Keystone

Es geht Ihnen darum ein Zeichen zu setzen. Ist es also ein «Werbegag» um Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken?

Einerseits sicherlich: wir sammeln Geld, um einen Teil dieser Sache zu finanzieren. Das ist ein Teil. Gleichzeitig ist jede Spende auch eine politische Spende – das heisst wir verbinden mit jedem Dollar oder Euro, der reinkommt – politischen Druck. Natürlich wäre es uns auch viel lieber, wenn die Staaten, am Schluss das Geld auf den Tisch legen. Wenn sie das nicht machen, springen wir als Zivilgesellschaft ein.

Wenn sie jetzt vom politischen Druck sprechen, welche Länder möchten Sie am liebsten ins Gebet nehmen?

Ich glaub als allererstes die EU. Es ist an der Zeit, dass die EU einspringt und wenigstens ein Zeichen setzt und sagt: «Fangt an, im Notfall werden wir die restlichen Millionen, die noch fehlen ausgleichen. Wir werden sicherstellen, dass dieser Mechanismus dieses Jahr, als auch das kommende Jahr finanziert ist, damit es keine Unsicherheiten gibt.» Zweitens, die USA und Russland. Es sind beide Länder die Syrien sehr stark durch militärische Eingriffe geprägt haben. Beide fliegen nach wie vor Luft-Einsätze und haben sich bislang mit keinerlei Geld beteiligt.

Sie wollen in den nächsten zehn Wochen, wöchentlich 190‘000 Euro sammeln – werden Sie das wirklich schaffen?

Ja klar, es ist eine Mammutaufgabe. Es wird sich wohl zeigen wie international diese Spendenkampagne laufen kann. Sie kann sicherlich nicht nur im deutschsprachigen Raum stattfinden. Deswegen gibt es auch eine englische und eine arabische Seite, wo versucht wird das Thema bekannt zu machen. Unser Ziel ist aber gleichzeitig auch, den politischen Druck so stark zu erhöhen, in der Hoffnung, dass unser Geld eventuell gar nicht nötig ist und dass das Geld von der Zivilgesellschaft für andere Sachen ausgegeben werden kann. So, dass der Staat, der eigentliche Verantwortliche, die Aufgabe auf sich nimmt.

Das Gespräch führte Marc Allemann.