Dopingvorwürfe gegen 23 Sportler während Olympia 2012 in London

Erst 31 überführte Sportler bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking und nun 23 weitere positive Tests bei den Sommerspielen in London 2012: Die Athleten müssen mit einer Sperre sowie dem Aus für die Spiele in Rio de Janeiro im August rechnen.

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Bildlegende: Neue Verfahren lassen die Doping-Fahnder auf immer mehr Betrüger stossen – leider mit vielen Jahren Verzögerung. Keystone

Auch bei den Olympischen Sommerspielen 2012 in London waren offenbar mindestens 23 Athleten gedopt an den Start gegangen. Wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) mitteilte, sind bei der Analyse von 265 Proben fünf Sportarten und sechs Länder betroffen. Die Namen der Sportler nannte das IOC nicht, denn die Öffnung der B-Proben steht noch aus.

«Die Nachtests zeigen erneut unsere Entschlossenheit im Kampf gegen Doping. Wir wollen keine gedopten Sportler in Rio de Janeiro. Darum handeln wir derzeit so schnell», sagte IOC-Präsident Thomas Bach. Er verwies auch darauf, dass bereits eine Disziplinar-Kommission einberufen sei, die alle Macht besitze, Entscheidungen im Interesse des IOC zu treffen.

Am Donnerstag vergangener Woche berief die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Richard McLaren zum Chef der Untersuchungskommission. McLaren war bereits Teil des Komitees, das das organisierte Doping in der russischen Leichtathletik aufdeckte.

32 Sportler aus China überführt – Russland unter Verdacht

Bereits Mitte Mai waren 31 Sportler aus sechs Sportarten und zwölf Ländern bei nachträglichen Tests von 454 Proben der Sommerspiele 2008 überführt worden. Eine weitere Probe wies Unregelmässigkeiten auf, womit sich die Zahl der Dopingfälle auf 32 erhöht.

Am Dienstag hatte das russische Olympia-Komitee ROC erklärt, dass von den in Peking überführten Sportlern 14 aus Russland stammen. Davon sollen zehn Medaillengewinner sein, auch prominente Namen wie die Olympiasiegerin im Hochsprung in London, Anna Tschitscherowa.

Russischen Medienberichten zufolge sollen sich unter den verdächtigten 23 Sportlern drei bis vier russische Athleten sein. Allerdings wurden bereits fast ein Dutzend russische Olympiateilnehmer in London des Doping überführt und gesperrt. Darunter unter anderem auch die Olympiasieger Sergej Kirdjapkin (Gehen) und Julia Saripowa (Hindernis).

Wie viele Athleten insgesamt bei den Nachtests von Peking und London positiv getestet wurden, ist allerdings nicht sicher. Nach Angaben des IOC seien bei einigen Sportlern sowohl Proben von Peking als auch von London untersucht worden.

Russland droht Ausschluss von Rio de Janeiro

Allen Sportlern droht nun eine Sperre und damit das Aus für die Sommerspiele in Rio de Janeiro vom 5. bis 21. August. IOC-Präsident Thomas Bach schloss einen vollständigen Ausschluss Russlands in Rio nicht aus. Voraussichtlich am 17. Juni entscheidet der Weltverband IAAF in Wien über den Olympiastart der russischen Leichtathleten. Diese sind derzeit weiterhin suspendiert und dürfen in Rio nur antreten, wenn die IAAF den russischen Verband RUSAF wieder aufnimmt.

Die Chancen dafür sind allerdings in den vergangenen Wochen gesunken – vor allem wegen der massiven Vorwürfe gegen Russland bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014. Dort sollen nach Angaben des damaligen Leiters des Anti-Doping-Labors, Gregori Rodtschenkow, unter Mithilfe des Geheimdienstes angeblich über 100 Dopingproben russischer Athleten, darunter 15 Medaillengewinner, ausgetauscht worden sein.