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International «Dramatische Eskalation» im Südsudan

Statt der geplanten Feiern zu fünf Jahren Unabhängigkeit ist der Bürgerkrieg in den Südsudan zurückgekehrt. Tausende Menschen sind auf der Flucht. Die EU ist besorgt, UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon «schockiert».

Nach dem heftigen Aufflammen des Bürgerkriegs im Südsudan haben Präsident Salva Kiir und die Vereinten Nationen ein sofortiges Ende der Kämpfe zwischen der Armee und Truppen des Vizepräsidenten Riek Machar gefordert.

Kiirs Aufruf gehe an die Generäle in beiden Armeen, sagte Bergbauminister Taban Deng. Die Kämpfe waren zum fünften Jahrestag der Unabhängigkeit ausgebrochen. Zwischen Freitag und Sonntag wurden nach Regierungsangaben in der Hauptstadt Juba rund 270 Menschen getötet.

Ban fordert Ende der Kämpfe

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte die Gewalt. «Ich bin schockiert und abgestossen von den schweren Kämpfen, die derzeit in Juba geschehen», erklärte Ban in New York. Am späten Sonntagnachmittag kam der UNO-Sicherheitsrat für eine dreieinhalbstündige Sondersitzung zum Thema zusammen.

Video
Machar: «Waffenstillstand von allen zu respektieren»
Aus News-Clip vom 10.07.2016.
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Das oberste UNO-Gremium rufe die Bürgerkriegsparteien dringend dazu auf, ihre Kämpfe einzustellen, sagte der Vorsitzende Koro Bessho aus Japan danach. Der Rat sei auch bereit, über eine Verstärkung der rund 16'000 Personen umfassenden UNO-Mission im Land nachzudenken. «Wir nennen keine Namen, aber die Länder der Region sind dazu aufgerufen, zu helfen.»

Die UNO-Mission im Südsudan berichtete, zwei ihrer Unterkünfte in der Hauptstadt Juba seien bei den Kämpfen beschädigt worden. «Diese Angriffe gehen weiter als die übliche Verrohung, die wir aus diesem Konflikt kennen», sagte die UNO-Botschafterin der USA, Samantha Power, in New York. Berichte über mögliche Opfer wurden nicht kommentiert.

Rund 10'000 Menschen flohen nach Angaben humanitärer Helfer vor den Kämpfen der Regierungstruppen (SPLA) mit den früheren Rebellen (SPLA-IO) des Vizepräsidenten.

USA ziehen Botschaftsmitarbeiter ab

Mehrere EU-Politiker, darunter die Aussenbeauftragte Federica Mogherini, sprachen in einer gemeinsamen Erklärung von einer «dramatischen Eskalation». Die EU werde sich zusammen mit der internationalen Gemeinschaft und Südsudans Nachbarn dafür einsetzen, dass der Friede wieder hergestellt werde, UNO-Einrichtungen vorrangig geschützt würden und den Verantwortlichen für die Gewalt härteste Konsequenzen drohten.

Das Regierungsviertel in Juba war am Wochenende heftig umkämpft. Am Sonntag konzentrierten sich die auch mit Panzern und Kampfhubschraubern ausgetragenen Gefechte vor allem auf den Süden der Stadt, wo Vizepräsident Machar seine Residenz hat. Auch am Flughafen Jubas gab es heftige Kämpfe, der Flugbetrieb wurde eingestellt.

Die US-Botschaft sprach von Gefechten «in ganz Juba». Das US-Aussenministerium ordnete in der Nacht zum heutigen Montag den Abzug aller Mitarbeiter der Botschaft an, deren Dienste nicht unverzichtbar seien.

Machtkampf 2013 beigelegt

Die Gefechte dort hatten am Freitagabend in der Nähe des Präsidentenpalastes begonnen, während sich Kiir mit Machar traf. Beide hatten ihren Ende 2013 begonnenen blutigen Machtkampf offiziell beigelegt und im April eine Einheitsregierung gebildet. Seit Ende 2013 waren in diesem Bürgerkrieg Zehntausende Menschen ums Leben gekommen und rund 2,5 Millionen vor der Gewalt geflohen.

Der überwiegend christliche Südsudan hatte sich in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg die Unabhängigkeit vom muslimischen Norden erkämpft. Sie trat am 9. Juli 2011 offiziell in Kraft.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Cui bono? Betrachtet man die Waffen der verschiedenen Gruppen, fällt auf, dass sie damit zwar leicht unzählige Zivilisten töten oder vertreiben können, aber einen Krieg gegen eine einigermaßen gerüstete Armee kaum gewinnen können. Zivilisten zu terrorisieren, ist auch das aktuelle Hauptziel. Politik mit Waffengewalt. Waffenlieferanten und die Finanzierer von Waffendeals bestimmen, wer gerade oben auf ist. In allen Lebenslagen sind Schuldner die Angeschmierten.
  • Kommentar von Kerzenmacher Boris  (zombie1969)
    Zu den schwelenden kämpferischen Auseinandersetzungen rund um einen proklamierten Friedensprozess spielen hier alte Stammeszwiste zwischen Dinka und Nuer eine massgebliche Rolle. Volksstämme, die ihren lokalen Warlords gehorchen und je nach gefühlter Überlegenheit andere vermeintlich unterlegene Stämme das Fürchten lehren wollen und einen permanenten Unfrieden schüren, sind durch Proklamationen allein nicht zu befrieden.
    1. Antwort von Kerzenmacher Boris  (zombie1969)
      2) Hier kommt der den Menschen innewohnende Unfrieden unverfälscht zum Ausdruck und ist oft nur kurzfristig ruhig zu stellen. Geringste Anlässe führen häufig zum Aufflackern neuer Gewalttaten untereinander. Im Südsudan haben an Stelle religiöser Differenzen Stammesdifferenzen diese Funktion übernommen.
  • Kommentar von Fritz Frei  (Fritz Frei)
    Und die Flüchtlinge sollen bitte nicht zu uns kommen. Es reicht jetzt. Wenn nötig, muss der Sudan okkupiert und die Islamisten interniert werden. Vielleicht ist sowieso jetzt der Zeitpunkt, um den Islamismus weltweit massiv in die Knie zu zwingen.Die Welt braucht keine massiv auftretenden Kriminellen, die sich unter der Religionsfreiheit verstecken.