Dreckige Luft verursacht Lungenkrebs

Verschmutzte Luft kann Atemwegserkrankungen und Herzkrankheiten auslösen. Das ist schon länger bekannt. Jetzt geht die Weltgesundheitsorganisation einen Schritt weiter und sagt in einer Studie: Luftverschmutzung könne auch Lungenkrebs verursachen.

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Bildlegende: Die Skyline von Hongkong versinkt im Smog. Keystone

Grundsätzlich ist die Luft, die wir täglich einatmen, krebserregend. Das belegen die neusten Analysen der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Bis vor ein paar Jahren stuften die Experten das Krebsrisiko durch Luftverschmutzung als nur wahrscheinlich oder möglicherweise krebserregend ein, wie sie das vor ein paar Jahren mit der Handystrahlung gemacht haben.

Heute finden sich in allen weltweit ausgewerteten Studien Beweise für die Erhöhung des Krebsrisikos durch verschmutzte Luft. Die Belastung der Luft durch Verkehr, Heizung und Industrie ist der massgeblicher Faktor, vor allem für das Risiko der Erkrankung an Lungen- und Blasenkrebs.

Raucher wie Nichtraucher betroffen

Das Hauptrisiko für Lungenkrebs besteht auch für Nichtraucher. In Gebieten mit starker Luftverschmutzung sei das Risiko etwa ähnlich wie beim Passivrauchen, teilt die WHO vor den Medien mit. Aktive Raucher seien jedoch viel stärker gefährdet. Etwa 80 Prozent der Lungenkrebskranken sind Raucher. Rauchen ist demzufolge ein viel grösserer Risikofaktor als die Luftverschmutzung. Trotzdem macht die Luftverschmutzung etwa zehn Prozent des Lungenkrebsrisikos aus.

Wie schädlich die Luft ist, hängt davon ab, wie stark sie verschmutzt ist. Die gefährlichsten Gebiete befinden sich laut der WHO-Studie weder in Europa noch in der Schweiz. Die am stärksten exponierten Gebiete sind in Asien oder auch in Ländern Afrikas oder Mittelamerikas.

Schlechte Luft weltweit – auch in Europa

Vor wenigen Tagen hat allerdings ein Ergebnis der Europäischen Umweltagentur in Kopenhagen gezeigt, dass auch in Europa die Luft schlecht ist: Mehr als 90 Prozent der Grossstadtbewohner in der Europäischen Union sind gefährlichen Schadstoffen in der Luft ausgesetzt.

Zwischen 2009 und 2011 waren dem europäischen Bericht zufolge 96 Prozent der Stadtbevölkerung Feinstaubkonzentrationen ausgesetzt, die von der WHO als bedenklich eingestuft werden. 98 Prozent waren überhöhten Ozonwerten ausgesetzt. Dabei sei nicht nur in Städten, sondern auch in einigen ländlichen Regionen ein zu hoher Grad an Luftverschmutzung gemessen worden.

Keine Massnahmen oder Empfehlungen

Die Krebserkrankungen nehmen weltweit laufend zu. Deshalb sind die Resultate der Studie sehr wichtig für die Prävention. Man muss die Ursachen kennen, um Prävention machen zu können. Allerdings kann die WHO keine konkreten Massnahmen treffen. Sie gibt auch keine Empfehlungen ab. Die Massnahmen sind Sache der Politik.