Ebola-Entdecker warnt vor schwerwiegenden Folgen

Die Ebola-Seuche wird katastrophale Wirkungen in den betroffenen Ländern haben, sagt ein Experte. Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht neue Zahlen.

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Ebola: Erfolgreiche Impfstoff-Tests

0:23 min, aus Tagesschau am Mittag vom 27.11.2014

Die Ebola-Epidemie in Westafrika wird nach Ansicht des Ebola-Entdeckers Peter Piot schwere wirtschaftliche, politische und soziale Folgen für die Region haben.

«Die Auswirkung etwa auf die Gesundheitssysteme sind dramatisch», sagte der Wissenschaftler in London. Unter den Ebola-Toten sei viel medizinisches Personal, so dass die Versorgung anderer Krankheiten nicht mehr gewährleistet sei.

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Neuer Impfstoff getestet

In den USA ist ein neuer Ebola-Impfstoff getestet worden. Die Forscher sind mit den ersten Ergebnissen zufrieden; diese seien ermutigend. Es seien keine ernsthaften Nebenwirkungen aufgetreten. Die Immunssysteme der 20 Testpersonen hätten positiv reagiert - und Antikörper gegen Ebola entwickelt, schreibt eine amerikanische Fachzeitschrift.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) verzeichnet inzwischen 15‘935 Ebola-Fälle, wie die Organisation am Mittwochabend mitteilte. 5689 Menschen erlagen nach der Statistik der Epidemie. Vor allem betroffen sind Liberia, Guinea und Sierra Leone.

Teure Lebensmittel, Kinder ohne Eltern

Die deutsche Regierung will einen umgebauten Lufthansa-Airbus als neues Ebola-Rettungsflugzeug in Betrieb nehmen.

Der A 340-300 verfügt über eine «Sonder-Isolationseinheit», die hermetisch abgeriegelt werden kann. Damit sollen Patienten, die mit dem Ebola-Virus infiziert sind, aus Westafrika ausgeflogen und noch in der Luft behandelt werden können.

Piot beschrieb die Situation in der Krisenregion. Demnahch seien die Lebensmittelpreise stark gestiegen. «Von Oktober bis Dezember ist dort Erntezeit», sagte der belgische Professor, der das Ebola-Virus 1976 in Zaire (Kongo) entdeckte.

Regierungen in der Zwickmühle

Die Versorgung mit Nahrungsmitteln werde in der Zukunft eines der grossen Probleme in der Region sein, da Bauern und Händler nicht normal arbeiten könnten. Auch die wirtschaftlich wichtige Bergbauindustrie sei betroffen.

In einigen Regionen wachse nun eine Generation von verwaisten Kindern heran, beschrieb Piot die Lage in Sierra Leone, Liberia und Guinea. Zudem drohten politische Destabilisierung und Rückschritte bei Friedensprozessen. Einerseits mache die Bevölkerung die Politik mitverantwortlich für die Krise, andererseits schränke die Epidemie den Handlungsspielraum der Regierungen ein.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Radio-Unterricht wegen Ebola

    Aus Tagesschau vom 25.11.2014

    In Sierra Leone bleiben die Schulen wegen der Ebola-Epidemie geschlossen. Trotzdem sollen die Schüler weiter unterrichtet werden – nämlich per Radio. Über eine Million Kinder hören den Not-Unterricht. Auf dem Stundenplan stehen neben Mathe und Sprache auch Hygiene und Vorsichtsmassnahmen.

  • Ebola-Patient in Genf angekommen

    Aus Tagesschau vom 21.11.2014

    Der erste Ebola-Patient ist in der Schweiz angekommen. Die Behandlung des kubanischen Arztes im Universitätsspital Genf hat bereits begonnen. Er hatte sich bei einem Einsatz in Sierra Leone angesteckt.

  • Schweiz erwartet ersten Ebola-Patienten

    Aus Schweiz aktuell vom 19.11.2014

    Der erste Ebolapatient, der in der Schweiz behandelt werden soll, landet in den nächsten 48 Stunden in Genf. Der kubanische Arzt steckte sich in Sierra Leone mit dem Virus an. Er wird im Universitätsspital Genf behandelt.