Ehemaliger Bischof im Vatikan unter Hausarrest gestellt

Der frühere Nuntius des Papstes in der Dominikanischen Republik muss mit einer Gefängnisstrafe rechnen. Er wurde nicht nur in den Laienstand zurückversetzt, sondern muss sich auch vor einem vatikanischen Gericht verantworten. Ihm werden pädophile Straftaten vorgeworfen.

Nach schweren Missbrauchsvorwürfen hat der Vatikan den früheren päpstlichen Nuntius in der Dominikanischen Republik, Erzbischof Josef Wesolowski, unter Hausarrest gestellt. Ihm soll der Prozess gemacht werden, wie der Heilige Stuhl mitteilte. Wesolowski ist der erste hochrangige Kirchenvertreter, der sich wegen Missbrauchsvorwürfen in einem Strafverfahren vor einem vatikanischen Gericht verantworten muss.

Papst Franziskus hatte Wesolowski vergangenes Jahr von seinem Posten in der Dominikanischen Republik abberufen, nachdem ihm Missbrauch an sieben Kindern vorgeworfen worden war. Im karibischen Staat wurde auch ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet. Im Juni war Wesolowski in den Laienstand zurückversetzt worden.

Starke Botschaft an den Klerus

Das entschiedene Vorgehen gegen den ehemaligen Nuntius sei der neuen Politik des Vatikans zu verdanken, die der ehemalige Papst Benedikt ausgerufen habe und von Papst Franziskus nun fortgesetzt werde, sagt SRF-Korrespondent Massimo Agostinis in Rom. «Der Vatikan stellt sich nicht mehr als Versteck für Pädophile zur Verfügung. Das ist eine starke Botschaft an den Klerus.»

«Das ist eine starke Botschaft an den Klerus»

4:05 min, aus SRF 4 News aktuell vom 24.09.2014

Der Kampf gegen Pädophilie sei nun ein permanentes Engagement der Kirche, sagt Agostinis. Es gelte, eine Botschaft immer wieder zu vermitteln: Wir tolerieren das nicht.

Kritiker sagen jedoch: Solange das Zölibat gelte, werde es weiterhin pädophile Priester geben. Dieses Argument lässt der Korrespondent nicht gelten: «In unserer Gesellschaft darf die persönliche Sexualität ausgelebt werden, und trotzdem gibt es Pädophilie.»

Pädophilie führt zu Skandalen in der katholischen Kirche

Der amtierende Papst hatte Anfang Juli erstmals Opfer sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche getroffen und sie dabei demütig um Vergebung «für diese Sünden und schweren Verbrechen» gebeten.

Die katholische Kirche war vom Skandal um jahrzehntelangen Missbrauch an Heranwachsenden in zahlreichen Ländern massiv erschüttert worden. Franziskus' Vorgänger Benedikt XVI. hatte sich insgesamt fünfmal mit Menschen getroffen, die in katholischen Kirchen und Einrichtungen sexuell missbraucht worden waren, so in den USA und in Deutschland.

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