Ein Aussenseiter fordert Sarkozy heraus

Bruno Le Maire will Präsident der französischen Oppositionspartei UMP werden – genau wie der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy. Dieser ist ein politisches Schwergewicht. Doch Le Maire hat neben politischer Erfahrung einen Vorteil: Er ist jung und unverbraucht. Wer ist er?

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Le Maire fordert Sarkozy heraus

1:54 min, aus Tagesschau am Mittag vom 30.9.2014

Bruno Le Maire ist kein Polterer. Er ist auch keiner, der sich gerne im Scheinwerferlicht sonnt. Er, der stets zurückhaltend und überlegt wirkt, will Präsident der Oppositionspartei UMP werden. Sein Gegner ist ein politisches Schwergewicht: Der ehemalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy.

Le Maire preist sich als neue und unverbrauchte Kraft an. Ein Politneuling ist er trotz seines verhältnismässig jungen Alters dennoch nicht: Der 45-Jährige – der Literatur-, Politik- und Verwaltungswissenschaften an drei Elitehochschulen studiert hat – war für die Partei bereits von 2007 bis 2009 in der Assemblée nationale, der französischen Nationalversammlung. Zuvor hatte er als Gemeinderat der Kleinstadt Évreux in der Region Haute-Normandie sein politisches Handwerk geübt.

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Was ist die UMP?

Die Union pour un mouvement populaire – kurz UMP – ist eine französische Partei. Hatte sie noch die Regierungen Nicolas Sarkozy und seines Vorgängers Jacques Chirac gestellt, so befindet sie sich derzeit in der Oppositionsrolle. Die UMP ist eine rechtskonservative Partei und sieht sich in der Tradition von Charles de Gaulle.

Mehr Mitsprache für die Basis

Le Maire startete als politischer Berater der UMP und wurde dann zunächst in der Regierung von François Fillon Staatssekretär für Europa.

2009 wurde der ruhige Politiker von seinem heutigen parteiinternen Rivalen Sarkozy zum Minister für Ernährung, Landwirtschaft und Fischerei ernannt. Sein Nachfolger löste ihn 2012 ab.

Trotz seines politischen Leistungsausweises weiss Le Maire, dass er gegen Sarkozy nur Aussenseiter-Chancen hat. So ist er derzeit auf Werbetour und absolviert mehrere Auftritte pro Tag. Der Parteibasis verspricht er mehr Mitspracherechte und ein Förderprogramm für Frauen.

Hierzulande ist der französische Politiker noch eher unbekannt. In Frankreich hingegen kennt man den ehemaligen Minister «als integre Person und als Schaffer, der nicht ständig das Rampenlicht sucht.» In der UMP sei er nicht einer der Haudegen, habe sich bisher aus den parteiinternen Clans herausgehalten – das könnte seine Stärke sein, meint SRF-Korrespondent in Frankreich, Michael Gerber.

Porträt Bruno Le Maire. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Bruno Le Maire will UMP-Chef werden. Er inszeniert sich als ruhiger Gegenpol zu seinem Kontrahenten Nicolas Sarkozy. Reuters

Gegenpol zu Sarkozy

Um seine Chancen zu nutzen, positioniert er sich deutlich als Gegenpol zu Sarkozy: «Gesucht ist nicht der grosse Häuptling der Rechten. Gesucht wird heute der neue Präsident der Partei und nicht der Kandidat für die nächsten Präsidentschaftswahlen.»

Seine Aussagen münzt er auf Sarkozy, greift ihn dort an, wo dessen Schwächen und unbeliebten Seiten liegen. Gegen den ehemaligen Staatspräsidenten war vergangene Woche ein laufendes Korruptionsverfahren gestoppt worden.

Le Maire hingegen gibt sich korrekt und bescheiden. Er werde die Partei nicht als Wahlmaschine missbrauchen: «Wir brauchen nicht einen Retter. Unsere Partei muss lediglich neu ausgerichtet werden – mithilfe der Parteibasis. Ihr zolle ich grossen Respekt.»

Er sei «keiner der Pfaue, die ihr Rad schlagen», wie sie sonst in der französischen Politik häufig vorkommen, so Gerber. Er glaube nicht, dass die überlegte und zurückhaltende Art von Le Maire nur inszeniert sei. «Er ist ein überlegter, intelligenter, interessanter Typ. Er schreibt ja auch Romane, die nichts mit Politik zu tun haben.»

Der Mann mit der weissen Weste

Und der Basis scheint der neue Fokus zu gefallen. «Ich vertraue ihm. Und im Gegensatz zu anderen Politikern ist er nicht in Affären verwickelt», sagt einer seiner Anhänger. Und eine junge Frau verdeutlicht: «Mir gefällt, dass er sich für die Gleichstellung einsetzen will – der Frauen und der Jugend.»

Der neue Präsident der UMP hat eine Herkules-Aufgabe vor sich, dessen ist sich Le Maire bewusst: «Das ist eine sehr schwierige Aufgabe – nach zwei Jahren Krieg um die Präsidentschaft und dem Finanzskandal. Wir haben keine Zeit zu verlieren.»

«Kaum eine Chance»

Doch Bruno Le Maire selber hat Zeit. «Er hat kaum eine Chance, Präsident zu werden – solange Nicolas Sarkozy im Rennen bleibt», sagt Gerber. Doch sollte dieser definitiv über eine Affäre stolpern, dann könnte Le Maires Stunde schlagen.

«Man rechnet mit rund 20 Prozent für Le Maire bei der Wahl. Trotz der ganzen Verfahren ist Sarkozy enorm populär, besonders bei der Rechten.» Doch es könne immer noch zur Anklage gegen den ehemaligen Staatschef kommen, meint Gerber. «Dann wird man sich fragen, ob er als Parteipräsident tragbar ist.»
Es scheint, als hinge ein grosser Teil der Karriere Le Maires von Sarkozys Karriereknick ab.