Fight Club Thailand Ein Kampfsport erobert das Land der unterdrückten Gefühle

Beim Fight Club Thailand können Junge ihre Männlichkeit beweisen – im Ring statt auf der Strasse.

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Mit Prügel gegen die Gewalt

1:10 min, vom 18.7.2017

Rund hundert Zuschauer sind an diesem Abend auf einen Markt am Rande von Bangkok gekommen, um die Kämpfe des Fight Club Thailand (FCTH) zu sehen. Jeder dauert drei Minuten. Erlaubt ist alles, ausser auf sensible Stellen, wie den Adamsapfel, die Augen oder die Wirbelsäule zu schlagen.

Polizisten, Schuhmacher, Maurer, Studenten stehen sich im Ring gegenüber. Sie werden in Gewichtsklassen nach Small, Medium, Large and X-Large eingeteilt. Was alle gemeinsam haben: Es sind alles Amateure.

Zwei junge Männer mitten im Kampf ein Schiedsrichter in abwartender Haltung und eine Hand filmt den Kampf mit dem Handy. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Beim FCTH könnten Teenager ihre Männlichkeit unter Beweis stellen, sagt ein Ex-Profiboxer im Publikum. SRF/Karin Wenger

Die FCTH-Kämpfe folgen Schlag auf Schlag, mehr als zwanzig an diesem Abend. Ein sehniger, junger Mann steht hinter den Zuschauern und fingert nervös an seinem Zahnschutz herum. Er heisst Em, ist 22 Jahre alt und macht mit, um sich selbst zu bezwingen, wie er sagt.

Ein junger Mann mit nacktem Oberkörper dünnen Kampfhandschuhen und Mundschutz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Em, eigentlich Break-Dancer, mache hier nur mit, um zu lernen, seine Angst zu überwinden. SRF/Karin Wenger

«  Wenn du ängstlich in den Ring steigst, dann ist das nicht gut. Du musst dich also zuerst selbst bezwingen, bevor du deinen Gegner bezwingen kannst. Aber diesmal fürchte ich mich. Mein Gegner ist fitter und stärker als ich. »

Em
Fight-Club-Thailand-Kämpfer

Ems FCTH-Avatar: mystisch und akrobatisch

Ems Gegner ist der muskulöse 25-jährige Student Pae. Er habe nur zwei Stunden geschlafen letzte Nacht, so aufgeregt sei er, sagt Pae, der sich Kampftechniken per Youtube Videos selbst beigebracht hat. Egal, ob man gut kämpfe oder nicht, hier werde man akzeptiert.

Ein junger Mann mit weissen Kampfhandschuhen und voll tätowiertem Oberkörper posiert vor der Kamera und neben ihm sein nächster Gegner Em. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Student Pae kämpft hier, weil alleine auf den Sandsack einzuschlagen, langweilig sei. SRF/Karin Wenger

«  Leute die gemobbt werden, die wütend sind, die ungerecht behandelt wurden, oder die einfach angeben wollen: hier können sie ihren Gefühlen freien Lauf lassen. In einem Land wie Thailand, wo wir alle unsere Gefühle unterdrücken, ist das extrem wichtig. »

Pae
Fight-Club-Thailand-Kämpfer

Paes FCTH-Avatar: kraftvoll und aggressiv

Den jungen Männern einen Rahmen geben, in dem sie ihren Gefühlen freien Lauf geben können, das war die Idee von Gründer Sopon Natnukul, als er vor einem Jahr begann die Strassenkämpfe zu organisieren. Am Anfang seien sie nur ein paar Freunde gewesen, die unter Brücken gekämpft hätten. Dann begannen sie, die Kämpfe zu filmen und ins Netz zu stellen. So seien immer mehr gekommen, die mitmachen wollten.

Ein junger Mann mit langen Haaren und einer Profi-Kamera in der Hand. Er trägt ein schwarzes T-Shirt mit dem Logo FCTH (Fight Club Thailand). Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Der Gründer der Fight-Club-Thailand-Kämpfe, Sopon Natnukul, wollte Jugendgewalt von der Strasse in den Ring bringen. SRF/Karin Wenger

Der freischaffende Fotograf sagt von sich: «Ich bin ein heissblütiger Mensch, aber ich hasse Gewalt.» Leider würden in Thailand Probleme aber oft mit Gewalt gelöst.

«  Ich will all diesen heissblütigen Männern sagen: Kommt her, kämpft hier, wo ihr keinen Schaden anrichtet, aber eure Emotionen los werdet und lernt, euch zu kontrollieren.  »

Sopon Natnukul
Gründer Fight Club Thailand

Jugendgewalt, Banden-Kriminalität und hohe Drogenabhängigkeit sind unter Jugendlichen in Thailand weit verbreitet. Weder die Polizei noch Politiker oder Eltern haben bislang eine Lösung für das Problem gefunden. Sopon hofft, dass seine Amateur-Kämpfe die Gewalt von der Strasse in den Ring bringen. Zumindest die Zehntausenden von Facebook-Fans und Hunderten von Kämpfen sind ein erster Erfolg.

Zwei Kämpfer mit dünnen Handschuhen von Männern in schwarzen T-Shirts umgeben, die den Kampf überwachen und mit Handys filmen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Die Boxhandschuhe Ems klatschen auf die nackte Haut von Pae. Der duckt sich weg - doch zu spät. Er geht zu Boden. SRF/Karin Wenger

Die Runde zwischen dem Breakdancer Em und dem Muskelpaket Pae endet mit einer Überraschung. Obwohl es offiziell keine Gewinner oder Verlierer gibt, ist klar, dass der zierliche Em mit seiner schnellen Beinarbeit und den flinken Schlägen seinem Gegner überlegen war.

Vom Kampf gezeichneter Em sitzt am Boden, lächelt und hebt den Daumen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Em: «Ich dachte mein Gegner, sei besser. Doch seine Schläge taten mir nicht weh. Ich bin erleichtert und glücklich.» SRF/Karin Wenger

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