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Wie der Tod des Flüchtlingsjungen Aylan die Welt bewegt
Aus 10 vor 10 vom 03.09.2015.
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International Ein toter Junge bewegt die Welt

Der leblose Körper eines dreijährigen Flüchtlings wird an der türkischen Küste aufgefunden. Das Bild gibt dem Flüchtlingsdrama ein Gesicht. Die Betroffenheit ist gross.

An einem Strandteil im türkischen Bodrum wurde am Mittwoch der leblose Körper eines Jungen angespült. Er soll aus dem syrischen Kobane stammen und machte mit seiner Familie die gefährliche Überfahrt zur Hafenstadt Kos in Griechenland. Nach Angaben der Zeitung «Ottawa Citizen» wollte die Familie später nach Kanada ausreisen.

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Die Glückskette ruft zu Spenden für die Flüchtlinge auf., Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnenDiese können auf das Konto 10-15000-6 (Vermerk «Flüchtlinge»), auf www.glueckskette.ch, Link öffnet in einem neuen Fensterim Browser öffnen oder via App «Swiss Solidarity» überwiesen werden.

Wie die Zeitung am Mittwoch berichtete, ist Abdullah, der Vater des dreijährigen Jungen, der einzige Überlebende der Familie. Seine Frau und ein weiterer Sohn sind bei der Überfahrt ums Leben gekommen. Er habe einem Verwandten telefoniert: «Meine Frau und meine beiden Söhne sind tot.»

«Mein erster Sohn starb in den Wellen»

Der Vater berichtete gegenüber dem oppositionellen syrischen Radiosender Rosana FM über das Unglück: «Ich half meinen beiden Söhnen und meiner Frau und versuchte mehr als eine Stunde lang, mich am gekenterten Boot festzuhalten. Meine Söhne lebten da noch. Mein erster Sohn starb in den Wellen, ich musste ihn loslassen, um den anderen zu retten.»

Weinend fügte der Vater hinzu, dass trotz seiner Bemühungen auch der andere Sohn gestorben sei. Als er sich dann um seine Ehefrau habe kümmern wollen, habe er sie tot vorgefunden. «Danach war ich drei Stunden im Wasser, bis die Küstenwache ankam und mich rettete.»

Die Familie war Teil einer Gruppe von mindestens zwölf syrischen Flüchtlingen, die am Mittwoch vor der türkischen Küste ertrunken waren. Im westtürkischen Bodrum wurden mittlerweile vier Schleuser festgenommen. Sie sollen für den Tod der Flüchtlinge verantwortlich sein.

Grosse Betroffenheit

Das Bild des toten Jungen hat der Flüchtlingstragödie ein Gesicht gegeben. Die türkische Zeitung «Hürriyet» veröffentlichte das Bild auf der Webseite mit der Überschrift «Dunyavi sarsti» («Die Welt erschüttert»).

In Deutschland druckte die «Bild»-Zeitung das Foto auf der kompletten Rückseite auf schwarzem Hintergrund. Es zeigt den toten kleinen Jungen mit dem Gesicht nach unten am Strand liegend.

Unter dem Hashtag «#KiyiyaVuranInsanlik» (in etwa: «Menschheit an die Küste gespült») sorgten die Fotos auf Twitter für zahlreiche Reaktionen. «Alles, was bleiben wird, sind unsere gebrochenen Herzen», schrieb ein Nutzer. «Wenn dieses Bild die Welt nicht verändert, haben wir alle versagt», schrieb eine andere. «Mir kamen die Tränen (...)», meinte eine andere. «Ohne Worte», schrieb ein weiterer Nutzer. «Meedia.de» sprach von einem «medialen Wendepunkt» in der Flüchtlingskrise.

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19 Kommentare

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  • Kommentar von Nico Basler  (Bebbi)
    Am Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Deutschen als Anschauungsunterricht durch die Konzentrationslager getrieben. Der Anblick der Toten und der zu Skeletten abgemagerten Scheintoten hat bei der Mehrheit Entsetzen, Schreien und Kotzen ausgelöst. Und das war gut so. Das Bild des unschuldigen toten Kindes ist deshalb, stellvertretend für all die namenlosen Opfer irrer Machthaber, Pflicht.
  • Kommentar von Sabine Brun  (S. Brun)
    So endet eine Reise der Hoffnung. Und es gibt in der schönen Schweiz Leute, die auch bei so einem Bericht in ihren Kommentaren noch Stimmung gegen Flüchtlinge machen müssen. Schämt euch!
  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Es sollte verboten sein, in dieser Zeit noch schlimmere Bilder, als diejenigen in unserer Vorstellung zu zeigen. Reicht es denn nicht, wenn man berichtet, dass Kinder ertrunken sind. Wenn jemand noch mehr auf die Tränendrüsen drücken muss, stimmt doch etwas nicht. Das ist zum Heulen!
    1. Antwort von Doris Loegel  (Doris Loegel)
      Wenn man keine solche Bilder sieht, ist es halt einfacher, darüber zu wettern, dass nur junge Männer als Wirtschaftsflüchtlinge diese gefährliche Reisen antreten, nicht wahr? Eine Schande ist es, wenn es solche Bilder braucht, damit bei gewissen Leuten erst emotional etwas in Bewegung kommt! Das heisst für mich absolut nicht, dass man nicht den Verstand einschalten soll, um nach politischen staatsübergreifenden Lösungen zu suchen. Und das braucht etwas mehr als Stammtischgepolter!