Zum Inhalt springen
Inhalt

International «Ein toxischer Stoff ist noch keine chemische Waffe»

Syrien verfügt über Chemiewaffen. Doch hat das Assad-Regime sie auch eingesetzt? Darüber rätseln nicht nur westliche Geheimdienste. Der C-Waffen-Experte Stefan Mogl sagt in der Sendung «Echo der Zeit», wie man Giftwaffen nachweist.

Tierkadaver liegen auf der Strasse eines syrischen Dorfs nahe Aleppo.
Legende: Tierkadaver wegen C-Waffen? Anwohner eines syrischen Dorfs nahe Aleppo beschuldigen die Regierung. Reuters
Stefan Mogl: Chef des Fachbereichs Chemie beim ABC-Labor Spiez und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der OPCW.
Legende: Stefan Mogl: Chef des Fachbereichs Chemie beim ABC-Labor Spiez und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der OPCW. zvg

Wie gesichert ist es, dass Syrien Chemiewaffen eingesetzt hat?

Stefan Mogl: Vor wenigen Tagen haben Frankreich und England die UNO darüber informiert, dass sie relativ verlässliche Informationen über einen Einsatz von Chemiewaffen hätten. Die USA teilen nun offenbar diese Einschätzungen und haben das in den Medien bekannt gemacht.

Die Geheimdienste sollen sich auf Proben aus Syrien stützen. Wie sind sie daran gekommen?

Wie die Geheimdienste an solche Proben gekommen sind, ist schwierig zu sagen. Jede Person, die zur richtigen Zeit vor Ort ist, kann eine solche Probe nehmen. Es ist auch möglich, dass jemand eine Probe genommen und dann weitergegeben hat. Es scheint der Fall zu sein, dass England und Frankreich Proben erhalten haben, die sie analysieren konnten.

Welche Probe braucht es, um den Einsatz von Chemiewaffen nachzuweisen?

Es gibt Umweltproben und klinische Proben. Umweltproben sind beispielsweise Munitionsfragmente, Bodenproben oder Kleidungsstücke von Personen, die einem chemischen Stoff ausgesetzt waren. Klinische Proben sind Entnahmen von Urin oder Blut von Personen, die eventuell vergiftet wurden. Damit versucht man den Stoff nachzuweisen.

In Syrien soll Sarin eingesetzt worden sein. Was ist das für ein Gift?

Sarin ist ein bekannter Nervenkampfstoff, der schnell wirkt und bei einer entsprechenden Dosis schnell zum Tod führen kann.

Ein Team der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) ist bereit, im Auftrag der UNO die Lage in Syrien zu untersuchen. Wo steht diese Kontrollmission momentan?

Das Team ist einsatzbereit. Es setzt sich aus Experten der WHO und Inspektoren der OPCW zusammen. Die Experten haben sich auf die Mission vorbereitet. Gemäss UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon könnten sie ihre Aufgabe innerhalb von spätestens 48 Stunden aufnehmen.

Sie waren selbst als Waffeninspektor tätig. Wie geht man in einem Land vor, in dem der Einsatz von Chemiewaffen vermutet wird?

Die Vorgehensweise ist immer gleich. Man möchte Beweise sammeln. Mit denen will man nachweisen, ob es zu einem Chemiewaffeneinsatz gekommen ist. Man befragt Zeugen. Doch zentral ist: Proben finden, aus denen man entnehmen kann, ob der Stoff angewendet wurde.

Können dafür auch Satelliten zur Überwachung eingesetzt werden?

Nein, Satellitenbildern kann man den Einsatz von Chemiewaffen nicht entnehmen.

C-Waffen sind in der ganzen Welt geächtet. Syrien ist dem Verbotsabkommen nicht beigetreten. Lässt sich kontrollieren, ob ein Land keine C-Waffen mehr hat? Sie sollen ja relativ einfach herzustellen sein.

Die Betonung liegt auf relativ. Ein toxischer Stoff ist noch keine chemische Waffe. Man braucht immer noch ein Verteilsystem. Für militärische relevante Mengen braucht es ein gewisses Waffenarsenal. Es wird vermutet, dass es in Syrien hunderte Tonnen Chemiewaffen gibt und dass die Munition zum Verteilen dieser Stoffe auch vorhanden ist.

Legende: Video SRF-Korrespondent Arthur Honegger zur Zurückhaltung der USA bei Syrien abspielen. Laufzeit 01:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 26.04.2013.

OPCW

Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen ist der UNO angeschlossen. Die OPCW überwacht die Einhaltung und Umsetzung der Chemiewaffenkonvention. Ihr Sitz ist im niederländischen Den Haag.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

1 Kommentar

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von j. ruf, rodersdorf
    ich vermute es gibt da die genau gleichen chemiewaffen wie im irak. man muss da unbedingt eingreifen! und wenn nicht, dann besitzt syrien bestimmt schon atomsprengköpfe aus nord-korea. ich bin mir da recht sicher und beziehe mich auf geheimdienstquellen, oder noch besser: aussagen von experten, auf die ich nicht näher eingehen will... (ironie aus)
    Ablehnen den Kommentar ablehnen