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Wahlen in Österreich Eine 89-jährige wirbelt den Wahlkampf auf

2,9 Millionen mal angeklickt – ein Video einer Holocaust-Überlebenden bewegt auf «Social Media».

  • Eine 89-jährige Wienerin mischt mit einem emotionalen Video den österreichischen Wahlkampf auf. Bis am Montag wurde es 2,9 Millionen Mal auf Facebook angeklickt.
  • Die Frau, die den Holocaust als einzige in der Familie überlebt hat, ruft die jungen Menschen auf wählen zu gehen, und zwar nicht Norbert Hofer, den Kandidaten der FPÖ.
  • FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache habe im Zusammenhang mit den Flüchtlingen gar von einem «Bürgerkrieg» gesprochen. Da sei es ihr kalt den Rücken herab gelaufen. «Das hat es alles schon einmal gegeben.»
Legende: Video Wahlwerbung auf Social Media abspielen. Laufzeit 04:44 Minuten.
Aus News-Clip vom 29.11.2016.

Die Äusserungen einer Holocaust-Überlebenden zur anstehenden Präsidentenwahl in Österreich bewegen die Nutzer von Sozialen Medien. Bis Montagnachmittag wurde das Video der 89-jährigen Wienerin Gertrude im Netzwerk Facebook 2,9 Millionen Mal angeklickt.

Darin ruft sie die jungen Menschen des Landes eindringlich dazu auf, wählen zu gehen und ihre Stimme nicht dem rechtspopulistischen Kandidaten Norbert Hofer zu geben.

«Für mich ist es wahrscheinlich die letzte Wahl», sagt Gertrude in dem Clip. «Aber die Jungen haben ihr ganzes Leben noch vor sich und die müssen selber schauen, dass es ihnen weiterhin gut geht.»

Der Grünen-Kandidat Alexander Van der Bellen sei in ihren Augen ein Politiker, der «überlegen» und «ruhig» für Frieden und Gleichberechtigung eintrete und mit Bedacht handle, sagt die Wienerin.

Die Beleidigung anderer, dieses Runtermachen, das Schlechtmachen, das stört mich am allermeisten.
Autor: GertrudeHolocaust-Überlebende

Hofers rechtspopulistische FPÖ hingegen versuche, «das Niedrigste aus den Leuten herausholen, nicht das Anständige», sagte die 89-Jährige und zog damit Vergleiche zum Dritten Reich. «Die Beleidigung anderer, (...) dieses Runtermachen, das Schlechtmachen, das stört mich am allermeisten.» Das alles habe es schon einmal gegeben.

Selbst Krieg erlebt

Konkret kritisiert Gertrude Äusserungen von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, der jüngst angesichts der Flüchtlingsbewegung vor einem «Bürgerkrieg» im Land gewarnt hatte. «Da ist es mir kalt über den Rücken geronnen und ich habe mir gedacht: Das darf nicht einmal erwähnt werden.»

Sie selbst habe als Kind einen Krieg erlebt und diesen «nie vergessen». Gertrude wurde im Alter von 16 Jahren mit ihrer Familie ins Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Nur sie überlebte.

Der Grünen-Politiker Van der Bellen und der FPÖ-Kandidat Hofer treten am Sonntag in der Stichwahl um das Amt des Bundespräsidenten gegeneinander an. Der Grünen-Kandidat hatte bei der ersten Stichwahl am 22. Mai mit hauchdünnem Vorsprung vor Hofer gewonnen. Die Wahl wurde jedoch vom Verfassungsgericht nach einer FPÖ-Beschwerde wegen Unregelmässigkeiten annulliert.

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