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International Elf Tote bei Anschlag in Istanbul – vier Verdächtige festgenommen

Bei der Explosion einer Autobombe in Istanbul sind elf Menschen ums Leben gekommen. 36 wurden verletzt. Die Bombe in einem Mietwagen war ferngezündet worden, als ein Polizeifahrzeug daran vorbeigefahren ist. Präsident Erdogan kündigt einen Kampf gegen den Terror «bis in alle Ewigkeit» an.

Legende: Video Viele Tote bei Anschlag in Türkei abspielen. Laufzeit 01:19 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.06.2016.

Bei einem Autobombenanschlag auf mehrere Polizei-Busse sind in der türkischen Metropole Istanbul elf Menschen ums Leben gekommen. Durch die Detonation im morgendlichen Berufsverkehr im Altstadtviertel Vezneciler seien zudem 36 Menschen verletzt worden, erklärte der Gouverneur von Istanbul, Vasip Sahin.

Die Autobombe sei explodiert, als eine Gruppe von Polizeifahrzeugen die Stelle passiert habe, sagte Sahin. Ein Bus wurde voll getroffen und umgeworfen. Unter den Toten seien sieben Polizisten und vier Zivilisten. In den Bussen seien Beamte einer Spezialeinheit unterwegs gewesen, sagte Sahin weiter.

Autowrack und Polizeifahrzeuge am Ort der Explosion
Legende: Die Polizei riegelte den Ort der Explosion grossräumig ab. Keystone

Vier Personen verhaftet

Laut der Nachrichtenagentur Dogan (DHA) war die Bombe in einem Mietwagen versteckt, die ferngezündet wurde. Wenige Stunden nach dem Anschlag nahm die Polizei vier Verdächtige fest, wie DHA weiter meldete. Zu den Festnahmen sei es im Zusammenhang mit der Anmietung des Fahrzeugs gekommen.

Der Anschlag ereignete sich in der Altstadt der türkischen Metropole, unweit des Grossen Basars. Fernsehbilder zeigten den von der Explosion zerstörten Polizeibus. Auch die umliegenden Gebäude, darunter eine Moschee aus dem 16. Jahrhundert, wurden schwer beschädigt.

Augenzeugen berichteten von Gewehrfeuer nach der Explosion. Dabei war nicht klar, ob die Polizisten zusätzlich mit Schusswaffen angegriffen wurden oder ob die Beamten in die Luft schossen.

Über Lautsprecher in umliegenden Moscheen wurden die Menschen aufgefordert, das Gebiet zu verlassen. Anschliessend wurde ein verdächtiges Fahrzeug kontrolliert gesprengt.

Erdogan schwört «ewige» Rache

Zunächst bekannte sich niemand zu dem Anschlag. In jüngster Zeit hatten die kurdische Extremistenorganisation PKK, Vertreter der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie radikale Linke Anschläge in der Türkei verübt.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sagte, er gehe von baldigen Erkenntnissen der Ermittler zu den Hintermännern aus. Der Staatschef kündigte einen langen Kampf gegen den Terrorismus an: «Dieser Kampf, der mit dem ersten Menschen begonnen hat, wird bis in alle Ewigkeit weitergehen.» Dass der jüngste Anschlag am zweiten Tag des Fastenmonats Ramadan begangen wurde, zeige, dass den Tätern «nichts heilig ist».

In diesem Jahr kam es bereits zu mehreren Anschlägen in der Türkei. Bei einem Selbstmordanschlag in Istanbul im März starben vier Menschen. Im Januar hatte ein Selbstmordattentäter zehn Menschen im historischen Zentrum Istanbuls getötet. In der Hauptstadt Ankara waren im März bei einem Selbstmordangriff 37 Menschen getötet worden. Im Februar starben dort bei einem ähnlichen Anschlag 29 Menschen.

Nachrichtensperre

Ein Gericht in Istanbul hat eine eingeschränkte Nachrichtensperre über den Autobombenanschlag verhängt. Grund sei unter anderem der Schutz der «nationalen Sicherheit» und der «öffentlichen Ordnung», teilt die Rundfunkbehörde RTÜK mit. Nicht betroffen von der Anordnung sind offizielle Verlautbarungen.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von Heinrich Abendland (Demokrat)
    Diese von Erdogan inszenierten Anschläge zeigen einmal mehr wie Krank dieser Typ ist. Ich persönlich rate allen Urlaubern einen grossen Bogen um die Türkei. Oder wollen sie einen Autkraten unterstützen?
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    1. Antwort von Aytac Dogan (1923)
      ...und genau das will ja Erdogan, genau ihre Einstellung spielt dem möchtegern Pascha noch mehr in die Hände. Somit macht er das Volk noch abhängiger von der Regierung, von sich selbst. Ihre Einstellung wiederspiegelt die Grundeinstellung der Europäer, von zu Hause vom bequemen Sofa aus - nicht bis zum Schluss durchdachte - Aussagen zu treffen. Ein Demokrat (scheinbar ihr Nickname) würde nicht zu diesem Entschluss kommen. Das Land braucht aktive Unterstützung, gegen den Pascha aber für das Volk!
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  • Kommentar von Willy Boller (Willy Boller)
    Entweder ist die türkische Polizei so gut, oder alle anderen sind "Bräzelibuebä". Mich wundert immer wieder, wie schnell in der Türkei "Verdächtige" verhaftet werden. Kaum hat ein Anschlag stattgefunden, erfolgen (beinahe schon fast vorher) erste Verhaftungen. In anderen Ländern dauert das in den meisten Fällen enorm viel länger. Folge dessen hat die Türkei wirklich "Super-Kriminalisten"!?
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  • Kommentar von Aytac Dogan (1923)
    Es ist u.a. die Aufgabe des "Nachbarn" darauf hinzuweisen, dass etwas nicht i.O. ist, man muss in Kontakt bleiben, Gespräche führen auf jeder Ebene und alle Kanäle zum Info-Austausch nutzen.Im Fall der Türkei ist es Europa,viel früher hätte man der Türkei unter die Arme greifen müssen,den gleichen Fehler machte Europa schon im 1.Weltkrieg mit den Türken (ehem. Osmanen) und den Armenier, man hat zugeschaut wie der Konflikt ausser Ruder geraten ist, was danach passiert ist weiss jeder...
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