Endzeitstimmung in Libyen

Libyen nach Gaddafi ist alles andere als stabil. Dies zeigt eine neue Gewalteskalation. Am Wochenende gab es einen Massenausbruch aus einem Gefängnis. Nun haben Bomben die Stadt Bengasi erschüttert. Bewaffnete Milizen kämpfen mit dem Militär. Die Regierung ist hilflos.

Libyen droht im Chaos zu versinken.

1:39 min, aus Tagesschau vom 29.7.2013

Die Gewalt in Libyen eskaliert. Spezialeinheiten der Armee und eine bewaffnete Gruppe lieferten sich Gefechte in Bengasi. Dabei wurde mindestens ein Soldat getötet.

Kurz zuvor war die Stadt von heftigen Detonationen erschüttert worden. Am späten Abend explodierten zwei Bomben in der Nähe des Justizpalastes sowie bei einem Büro der Generalstaatsanwaltschaft.

Ein Sprecher der Sicherheitskräfte gab die Zahl der Verletzten mit zehn an. Aus Kreisen eines Spitals verlautete, dass 13 Menschen verletzt worden seien. Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur AFP, dass die Häuser im Umkreis der Explosion schwer beschädigt worden seien.

Regierung will UNO-Beobachter

Allgemein ist die Lage derzeit extrem angespannt. Am Samstag waren in Bengasi mehr als tausend Häftlinge aus einem Gefängnis der Stadt geflohen. Darunter befanden sich auch Anhänger des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi. Die Häftlinge bekamen bei ihrer Flucht Hilfe von den Einwohnern der Stadt.

Die Regierung scheint machtlos. Als Reaktion sagte der Justizminister, dass man nun internationale Hilfe brauche. Entweder seien UNO-Beobachter nötig. Oder die engen Verbündeten müssten die Verwaltung unterstützen.

Auch westliche Ziele im Visier

Am Samstag gingen ausserdem tausende Demonstranten in Tripolis auf die Strasse, um gegen die Ermordung eines bekannten politischen Aktivisten zu protestieren.

In den vergangenen Monaten war Bengasi immer wieder Schauplatz zahlreicher politischer Gewaltverbrechen. Diese richteten sich häufig gegen Mitglieder des früheren Sicherheitsapparats.

Militante Islamisten griffen auch wiederholt westliche Ziele an. So wurde im September 2012 das US-Konsulat in Bengasi attackiert. Dabei wurden Botschafter Chris Stevens sowie drei seiner Mitarbeiter getötet.