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Sexueller Missbrauch Englische Fussballclubs geraten ins Blickfeld

Vermutlich nur die Spitze des Eisbergs: Zwanzig englische Ex-Spitzenfussballer wurden Opfer sexueller Übergriffe.

Legende: Audio Als Knaben Opfer von sexuellen Übergriffen abspielen. Laufzeit 04:00 Minuten.
04:00 min, aus SRF 4 News aktuell vom 29.11.2016.

Die Vorwürfe: Der ehemalige englische Fussball-Nationalspieler Paul Stewart hat schwere Missbrauchsvorwürfe gegen einen seiner früheren Jugendtrainer erhoben. In englischen Medien berichtet der 52-Jährige, dass er im Alter zwischen elf und fünfzehn Jahren «jeden Tag für vier Stunden» von seinem damaligen Jugendtrainer missbraucht worden sei.

Vor Stewart haben bereits zwei andere Spieler, Andy Woodward und Steven Walters, Teamkollegen bei Crewe Alexandra, ihre Missbrauchserfahrungen öffentlich gemacht. Beide gaben an, Opfer des mehrfach verurteilten Sexualstraftäters Barry Bennell, geworden zu sein, der wegen seiner Vergehen bereits hinter Gittern sitzt. Bennell hat seit 1995 bereits drei Gefängnisstrafen wegen Kindesmissbrauchs verbüsst, eine davon in den USA.

Das Ausmass der bekannt gewordenen Vorfälle: Wie SRF-Grossbritannien-Korrespondent Martin Alioth sagt, sind bis jetzt rund 20 ehemalige Spieler von Spitzenclubs mit vergleichbaren Vorwürfen an die Öffentlichkeit getreten. Die meisten dieser zwanzig gaben an, von dem ehemaligen Jugendtrainer des Clubs Crewe Alexandra, Bennel missbraucht worden zu sein. Bennell hat auch für die Clubs Stoke City und Manchester City gearbeitet.

Etwa hundert weitere ehemalige Spieler haben ein neu eingerichtetes Hilfstelefon angerufen. Wie glaubwürdig ihre Berichte sind, muss erst abgeklärt werden. Auch aus den Clubs Newcastle, Leeds, Blackpool und Celtic Glasgow kamen entsprechende Klagen.

Die Reaktion der Fussball-Clubs: Es gibt zurzeit interne Untersuchungen in den Clubs. Es gehe um die Fragen, wer wann wieviel davon gewusst habe, sagt Alioth. Zudem untersuchen vier Polizeieinheiten die Vorwürfe, es sind dies die Metropolitan Police, die Hampshire Police, die Cheshire Police und die Northumbia Police. Die Football-Assosciation FA hat eine Anwältin engagiert, die herausfinden soll, was innerhalb des Fussballverbandes über derartige Anschuldigungen bekannt war.

Es ist zu erwarten, dass viel mehr zum Skandal um den sexuellen Missbrauch von jungen Fussballspielern in Clubs bekannt wird. SRF-Korrespondent Alioth sagt: «Offen ist noch, ob es eine eigene offzielle Untersuchung zu diesem spezfischen Missbrauch in den Jugendverbänden geben wird, oder ob die riesige Generaluntersuchung für Kindsmissbrauch in Britischen Institutionen auch diese Fälle untersuchen wird.» Für rasche Einsichten wäre dies nicht förderlich, meint der Korrespondent.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Erstaunlich ist immer wieder, wie eine ganze Kette von Verantwortlichen solche "Geschehnisse übersieht". In Behörden, in Sport, in Geistlichen Einrichtungen. Zuerst wird nicht geglaubt, dann vertuscht, dann verharmlost und die Opfer gedemütigt. Die Verantwortung wird auf Einzelne abgeschoben. Natürlich darf man auch nicht in Panikmache und Hysterie verfallen. Das ist für Beschuldigte ebenfalls schlimm.
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