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Gefährliches Anti-Epileptikum Epilepsie-Medikament schädigte tausende Ungeborene

Ein weit verbreitetes Medikament führt während der Schwangerschaft zu schweren Schäden. Allein in Frankreich sind tausende Kinder betroffen.

Eine Schwangere nimmt eine Tablette
Legende: Seit 2015 darf Valproat schwangeren Frauen nur noch verschrieben werden, wenn andere Medikamente nicht anschlagen. Imago

Das Wichtigste in Kürze

  • Bis zu 4100 Kinder sind in Frankreich offenbar mit Missbildungen zur Welt gekommen – weil ihre Mütter während der Schwangerschaft ein Anti-Epileptikum mit dem Wirkstoff Valproat einnahmen. Zu diesem Ergebnis kommt die französische Arzneimittelaufsicht in einer ersten Schätzung.
  • Betroffene Familien gehen in Frankreich mit juristischen Mitteln gegen Sanofi, den Hersteller des Medikaments, vor.
  • Auch eine Schweizerin hat Strafanzeige gegen Sanofi und das Universitätsspital Lausanne eingereicht.

Frauen, die während der Schwangerschaft Valproat zu sich nehmen, haben ein vierfach erhöhtes Risiko, ein Kind mit schweren Missbildungen auf die Welt zu bringen. Untersucht wurden Geburten seit der Einführung des Medikaments Depakine mit dem Wirkstoff Valproat im Jahr 1967.

Gefahr seit den 80er-Jahren bekannt

Das vom französischen Pharmariesen Sanofi hergestellte Medikament wird gegen Epilepsie verschrieben. Seit Anfang der 1980er-Jahre ist die Gefahr von Missbildungen bei Babys bekannt.

Betroffene Familien gehen in Frankreich mit juristischen Mitteln gegen Sanofi vor. Sie werfen dem Pharmakonzern vor, schwangere Frauen nicht hinreichend informiert zu haben.

Erste Strafanzeige in der Schweiz

Nach den Klagen in Frankreich hat auch in der Schweiz eine Frau Strafanzeige eingereicht. Sie klagt gegen Sanofi und das Universitätsspital Lausanne. Beide hätten die Behinderung ihrer Kinder mitverschuldet. Die beiden Kinder litten an «schweren kognitiven Beeinträchtigungen und Autismus und müssen die Schule in einer spezialisierten Einrichtung besuchen», sagte ihre Anwältin.

Die Frau hatte jahrelang das Epilepsiemedikament Depakine eingenommen, auch während ihrer Schwangerschaft. Depakine enthält ebenfalls den Wirkstoff Valproat. Es sei die erste Strafanzeige wegen Depakine in der Schweiz, sagte die Anwältin der betroffenen Frau. Bislang gebe es nur Zivilklagen.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Uebrigens, es steht Tatsaechlich im Patientenprospekt der jeder Packung beiliegen muss, dass Maedchen und Frauen waehrend der Behandlung mit diesem Medikament bei Sexualverkehr undbedingt (UNBEDINGT) Kondome verwenden sollen oder natuerlich jede andere gute Verhuetung.. es steht auch geschrieben dass es zu Fehlbildungen an Foeten fuehren kann.. man kann es NACHLESEN .. einfach GOOGELN!
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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Tierversuchs-Labors - mächtige, skrupellose Pharmalobby - skrupellose Profitgier um jeden Preis, ob Tiermissbrauch, oder Menschenmissbrauch...schauderhaft, diese - von der Pharmalobby sich Steuern lassende, fragwürdige, skrupellose "Forschung und Medizin", nach dem Motto: mit Verlust muss man rechnnen.....
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Unverstaendlich.. im Compendium steht deutlich:(1995 edition) Schwangerschaftskategorie D es gibt klare Hinweise fuer Risiken fuer den menschlichen Foetus..aber der therapeutische Nutzen fuer die Mutter kann (KANN) ueberwiegen...also.. das muessen die Aerzte wissen und seit 95 ist viel Wasser den Rhein runter.. das heisst man weis es definitiv.. und die Aerzte wurden gewarnt, steht sicher auch im Patientenprospekt, aber wenn der Arzt zu nobel ist um Pharmaberater zu empfangen....
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      In der neuesten Ausgabe des Compendiums (wird ca aller 4 Monate ergänzt) steht auch ein deutlicher Warnhinweis. Nicht nur auf dem Zettel für Patienten sondern ausführlich auch über den Link Fachinfo.
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