Frankreichs Linke «Er bricht radikal mit Hollandes Politik»

Die Sozialisten haben eigentlich keine Chance bei der Präsidentschaftswahl, meint SRF-Korrespondent Charles Liebherr.

SRF News: Warum hat Benoît Hamon so klar gewonnen?

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Charles Liebherr

Charles Liebherr

Seit 2014 ist Charles Liebherr Frankreich-Korrespondent von Radio SRF. Er studierte in Basel und Lausanne Geschichte, Deutsche Literatur- und Sprachwissenschaft sowie Politologie. Davor war er beim Schweizer Radio unter anderem als Wirtschaftsredaktor tätig.

Er lässt den linken Parteiflügel träumen und vollzieht zugleich den radikalen Bruch mit der Politik von Präsident Hollande. So verspricht Hamon ein bedingungsloses Grundeinkommen und die Senkung der Arbeitszeit, das sind die herausragenden Symbole seiner Politik. Und mit diesen Versprechen hat er auch die Wahl gewonnen.

Kann er mit diesen Positionen die Stichwahl erreichen?

Nein, denn die sind schon mit einem etablierten Kandidaten besetzt, nämlich Jean Luc Melenchon vom Front de gauche. Er liegt auch deutlich vor Hamon und will nicht auf seine Kandidatur verzichten. Es stehen sich also zwei Politiker der linken Linken gegenseitig auf den Füssen. Eine Chance gegen Fillon oder Le Pen ist somit eigentlich schon rein rechnerisch nicht möglich.

Hat also die Vorwahl weniger Auswirkungen auf die Präsidentenwahl als vielmehr für die künftige Ausrichtung der Partei?

Das kann man so sagen. Denn es gibt mit Melenchon und Macron zwar zwei linke Kandidaten, allerdings politisieren die ausserhalb der Partei. Die Sozialisten als Partei selbst stehen im Abseits und sind vorerst mit sich beschäftigt.

Das Gespräch führte Simone Weber.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Hamon geht für die Sozialisten an den Start

    Aus Tagesschau vom 30.1.2017

    Benoît Hamon ist der offizielle Präsidentschaftskandidat der Sozialisten für die französischen Wahlen. Damit rückt die Partei nach links. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Michael Gerber in Paris.