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International Erdogan hat nichts zu befürchten

Der islamisch-konservative Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan geht am Sonntag als klarer Favorit in die erste direkte Präsidentenwahl der Türkei. Wieso er so fest im Sattel sitzt, erklärt SRF-Auslandredaktorin Iren Meier.

SRF: Was sagen die Umfragen, wird Erdogan morgen gewählt?

Die Umfragen sagen alle denselben Trend voraus: Premier Erdogan werde direkt in der ersten Runde zum Präsidenten gewählt. Das würde bedeuten, er bekäme mindestens 51 Prozent der Stimmen.

Hat die Opposition also keinen Kandidaten gefunden, der Erdogan ernsthaft gefährlich werden könnte?

Die beiden grössten Oppositionsparteien, die Sozialdemokraten und die rechten Nationalisten, haben zwar mit dem Diplomaten, Ekmeleddin Ihsanoglu, einen integren Kandidaten aufgestellt. Er kommt aber nicht an die Popularität Erdogans heran. Der dritte Kandidat, der Kurde Selahattin Demirtas, findet zwar grosse Beachtung, weil er sich als junger progressiver Politiker für die Einheit der Türkei einsetzt. Und es ist an und für sich eine kleine Revolution, dass überhaupt ein Kurde für das Präsidentenamt kandidiert. Doch auch Demirtas wird Erdogan nicht gefährlich werden können.

Premier Erdogan hat mit seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP vor allem auf dem Land – im Herzen Anatoliens – eine sehr grosse und sehr treue Anhängerschaft. Diese neue anatolische Mittelschicht, der er in den letzten elf Jahren Wohlstand gebracht hat. Das ist die Basis seiner Wähler.

Wenn bereits klar ist, dass Erdogan die Präsidentenwahl höchstwahrscheinlich gewinnt, gehen die Leute denn überhaupt an die Urne?

Das wird sich zeigen. Es sind Sommerferien in der Türkei. Viele sind bei dieser Hitze am Meer. Zusätzlich trifft man relativ viele, vor allem auch jüngere Leute, die nicht wählen wollen. Sie sagen: Man könne Erdogan sowieso nicht verhindern.

Ob das ein Trend ist oder nur ein zufälliger Eindruck ist, kann man noch nicht sagen. Es ist das erste Mal, dass der Präsident direkt vom Volk gewählt wird. Bisher fehlen entsprechende Erfahrungswerte.

Das Gespräch führte Susanne Schmugge

Erste direkte Präsidentenwahl

Rund 53 Millionen Bürger in der Türkei sind zur Wahl aufgerufen. Am Sonntagmorgen öffneten die Wahllokale. Erstmals durften zudem bereits 2,8 Millionen Auslandstürken ausserhalb der Türkei abstimmen. Davon machten aber nur 8,3 Prozent Gebrauch. Sollte kein Kandidat eine absolute Mehrheit erzielen, ist für den 24. August eine Stichwahl geplant.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Käppeli, Guatemala Ciudad
    Eine Titelunterschrift heute in Radio Stimme Russlands: "Die aktive Aussenpolitik, die die Türkei in den letzten Jahren verfolgt, basiert insgesamt auf zwei Hauptkonzeptionen – dem Pantürkismus und dem Neoosmanismus." Wie Herr F. Gerber auch aus meiner Sicht richtig analysiert, die Rückkehr vom säkularen zum Religionsstaat. Kemal Atatürk zum Trotz. Zu Ihrem Schlusswort EU-Anwärter: Dieser Dampfer fuhr mit Erdogan ab. Aber eine Türkeireise kann ich bildungsmässig empfehlen! Lebte 5 Jahre dort.
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  • Kommentar von Ali Aktas, Aarau
    Ich finde es geht sehr ungerecht zu. Außerdem glaube ich nicht nur das er Korrupt ist sondern das er auch Wahl betrügt. (Wahlbetrug).
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    1. Antwort von Ahmed Mandira, Zürich
      Ja du hast recht es ist unfair, Ihsanoglu mit 14 Parteien + Paralels + bis zu 30 Kanäle und Zeitungen Gegen herrn Erdogan 1 Patei + paar Kanäle .. Naja wahlbetrug gehör zu chp :)
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  • Kommentar von Fritz Gerber, Zürich
    Erdogan ist ein gutes Beispiel, wie der Islamismus funktioniert... zuerst übernimmt man westliche Werte und Errungenschaften und baut sich ein System auf, von welchem (fast) alle profitieren und sich geborgen fühlen, dann beginnt man, genau diese westlichen Werte und Prinzipien langsam wieder abzubauen ... die Menschen bekommen das nur häppchenweise mit .. mir tun die Frauen leid... und in die Türkei fahre ich sicher nie in die Ferien... und so ein Land soll in die EU ???
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    1. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      Aber Fakt ist, dass Türken, welche in einem Mitgliedstaat der EU leben der grösste Teil unter ihnen Erdogan gewählt haben. Eine "schleichende" Islamisierung in christlich geprägten Ländern findet so statt. Und die EU will die Türkei wohl in der EU, weil sie sich erhoffen, ihn bekehren zu können. Er aber will nicht in die EU.
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    2. Antwort von Edi Steinlin, Zürich
      Genau so läuft es Herr Gerber dieser Erdogan ist korrupt und verlogen bis zum geht nicht mehr auch ich werde sicher nie in die Türkei in Urlaub fahren.
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    3. Antwort von Isık hasan, İSTANBUL
      so ein land soll in EU , wieso den uns geht es gut wieso sollen wir in EU wieso sollen wir uns diktieren lassen.wer vorurteile hat ist das seine sache aber jeder gast ist bei uns wilkommen auch sie herr Gerber
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    4. Antwort von Ahmed Mandira, Zürich
      Okay... Also eins ist Klar, Erdogan möchte auch nicht in die EU das sehen Sie wie viel wert er auf EU legt... und ja wenn sie nicht wollen nach Türkei zu fahren müssen Sie natürlich nicht zwingen tut sie niemand und ehrlich gesagt ob sie kommen oder nicht juckt auch niemand ;)
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