Explosionen in Istanbul Erdogan kündigt Vergeltung an

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Die Freiheitsfalken Kurdistans bekennen sich

1:30 min, aus Tagesschau am Vorabend vom 11.12.2016

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Extremistengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) erklärte am Sonntag auf ihrer Homepage, sie stehe hinter dem Doppelanschlag.
  • Nach dem Anschlag im Zentrum Istanbuls sind dreizehn Verdächtige festgenommen worden, teilt das Innenministerium mit. Die Explosionen hatten sich am Samstagabend in unmittelbarer Nachbarschaft des Besiktas-Fussballstadions ereignet.
  • Gemäss der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu wurden nach Razzien im ganzen Land 118 weitere Personen aus dem Umfeld der pro-kurdischen Partei HDP verhaftet.
  • Präsident Recep Tayyip Erdogan hat Vergeltung angekündigt. Die Täter müssten einen «noch höheren Preis bezahlen», sagte er.
  • Die Regierung bestätigt in der Nacht 38 Todesopfer und weitere 155 Verletzte. 30 der Toten sind Polizisten.
  • Das Innenministerium geht von einem Autobombenanschlag aus, der Polizeieinheiten gegolten hat. Zudem habe sich ein Selbstmordattentäter in einem nahegelegenen Park in die Luft gesprengt.
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Verfassungsänderung

Wenige Stunden vor dem Attentat hatte die islamisch-konservative AKP-Regierung einen umstrittenen Gesetzesentwurf zur Verfassungsänderung ins Parlament eingebracht. Damit sollen die Befugnisse von Präsident Erdogan deutlich ausgeweitet werden.

Ein Ableger der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK hat sich zu den Anschlägen nahe einem Fussballstadion in Istanbul bekannt. Die Extremistengruppe Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) erklärte am Sonntag auf ihrer Homepage, sie stehe hinter dem Doppelanschlag. Zwei ihrer Mitglieder seien dabei getötet worden.

Damit wollten sie unter anderem auf die Gefangenschaft des PKK-Anführers Abdullah Öcalan und die türkischen Militäroperationen vor allem im Südosten des Landes aufmerksam machen. Die türkische Regierung vermutete schon vor Veröffentlichung des Bekennerschreibens eine Täterschaft der PKK.

«  Früher oder später werden wir uns rächen. »

Süleyman Soylu
türkischer Innenminister

Die Regierung in Ankara bestätigte inzwischen, dass durch eine Autobombe und einen weiteren Selbstmordattentäter in Istanbul am Samstagabend 38 Menschen getötet worden sind. 155 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen. Laut Innenminister Süleyman Soylu waren 30 der Toten Polizisten.

Vergeltungsaktionen angedroht

Innenminister Soylu berichtete von 13 Festnahmen. Demnach explodierte zunächst eine ferngezündete Autobombe an einem Sammelpunkt der Bereitschaftspolizei. Weniger als eine Minute später habe sich ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Er sei in einem Park, der gegenüber dem Stadion liegt, von Polizisten umstellt gewesen.

Die türkische Regierung kündigte gegen kurdische Aufständische Vergeltungsaktionen an. «Früher oder später werden wir uns rächen», sagte Innenminister Süleyman Soylu bei einer Trauerfeier für fünf getötete Polizeibeamte.

Masse von Demonstranten mit Türkei-Fahnen. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: Demonstranten skandieren in der Nähe des Fussballstadions Parolen gegen den Terror. Reuters

Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte kurzfristig einen Besuch in Kasachstan ab. «Niemand sollte daran zweifeln, dass wir mit Gottes Hilfe als Staat und Nation den Terror und die Terrororganisationen überwinden werden», erklärte er. Auch er drohte mit Vergeltung: Die Täter müssten einen «noch höheren Preis bezahlen», sagte Erdogan am Sonntag.

Tausende Demonstranten versammelten sich aus Protest gegen Terroranschläge am Sonntag in der Nähe des Besiktas-Stadions. Sie schwenkten türkische Flaggen und hielten Schilder mit der Aufschrift «Wir gewöhnen uns nicht daran» hoch, wie Fernsehbilder zeigten.