Erst ebolafrei, dann neue Infektion

Hinter Westafrikas offizieller Einstufung als ebolafrei steht keine 24 Stunden später schon wieder ein Fragezeichen. Ein Todesfall in Sierra Leone wird direkt auf den Virus zurückgeführt: Zwei Tests an einem verstorbenen Jungen bestätigten den Ebola-Verdacht.

Ein Helfer eskortiert einen Buben mit Verdacht auf Ebola zu einer Ambulanz. Bild in Lightbox öffnen.

Bildlegende: In Sierra Leone ist die Ausbreitung von Ebola bereits im November für beendet erklärt worden. (Bild vom Dezember 2014) Reuters

Der nun als Ebola-Opfer eingestufte Junge war im Norden Sierra Leones gestorben. Die Tests an seiner Leiche nahmen britische Experten vor, wie der Rundfunksender BBC unter Berufung auf einen Sprecher des Gesundheitsministeriums berichtete. Der genaue Todeszeitpunkt war zunächst unklar.

Experten warnten bereits

Erst am Donnerstag hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Liberia und damit ganz Westafrika für ebolafrei erklärt. In Sierra Leone war die Ausbreitung der Seuche bereits am 7. November für beendet erklärt worden, in Guinea am 29. Dezember. Liberia ist das dritte Land, das von der vor zwei Jahren ausgebrochenen und bislang verheerendsten Ebola-Epidemie mit mehr als 11'300 Toten betroffen war.

Ein Land wird für ebolafrei erklärt, wenn es 42 Tage - die doppelte Zeitspanne des maximalen Inkubationszeitraums - keine neuen Fälle gegeben hat. Doch alle Experten warnten bereits, dass es dieses Jahr zu erneuten Infektionen kommen könnte.

Bleibende Folgen

Zudem stehen die von der Epidemie gezeichneten Länder jetzt erst am Anfang eines langen Weges: Es gilt, die Gesundheitssysteme wieder aufzubauen, die darbende Wirtschaft wieder in Gang zu kriegen und sich um Ebola-Überlebende sowie rund 23'000 Halb- oder Vollwaisen zu kümmern. «Viele Menschen leiden noch immer, besonders die Kinder», sagt UNICEF-Experte Manuel Fontaine.

Die Überlebenden werden oft von der Gemeinschaft geschnitten. Viele von ihnen haben nun Probleme mit den Augen, den Gelenken oder schweren psychischen Folgen. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF), die von Anfang an federführend an der Bekämpfung der Seuche beteiligt war, warnt ebenfalls vor einem übereilten Rückzug aus der Region. «Wir stehen hier noch vor grossen Herausforderungen», sagt MSF-Ebola-Experte Luis Encinas. «Das Gesundheitssystem in den Ländern muss komplett wiederaufgebaut werden.»

Wachsamkeit ist angesagt

In Liberia war die Freude am Donnerstag gross, doch unter den Jubel mischten sich auch zur Vorsicht mahnende Töne. Die Regierung «bleibt wachsam, um das Land vor der tödlichen Krankheit zu schützen», erklärt der stellvertretende Gesundheitsminister Tolbert Nyenswah in Monrovia.

Liberia wurde seit Mai 2015 bereits zweimal von der WHO für ebolafrei erklärt. Doch das Virus, das Wissenschaftler immer noch vor viele Rätsel stellt, fand wieder einen Weg zurück. Die Massnahmen zur Vermeidung weiterer Infektionen haben den Alltag in den betroffenen Ländern tiefgreifend verändert.

Entgegen der kulturellen Tradition musste Körperkontakt vermieden werden. Tote mussten einfach verbrannt werden, anstatt sie traditionell zu waschen und zu bestatten. Vor dem Betreten öffentlicher Gebäude oder von Schulen müssen Hände mit Desinfektionsmittel gewaschen werden. Teils wurde der Ausnahmezustand verhängt, Stadtviertel wurden unter Quarantäne gestellt, die meisten internationalen Flüge wurden gestrichen.