«Es erstaunt nicht, dass die Spuren auch in die Schweiz führen»

Der jüngste Fall eines riesigen Datenlecks hat seinen Ursprung in Panama. In mindestens einem Fall sollen aber auch Gelder über die Schweiz geflossen sein. Auffällig sei, dass oft ausländische Banken in der Schweiz von Korruptionsfällen betroffen seien, sagt Geldwäscherei-Experte Daniel Thelesklaf.

Video «Schweizer Banken involviert in Datenleck» abspielen

Schweizer Banken involviert in Datenleck

2:31 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.4.2016

SRF News: Das Datenleck hat seinen Urpsrung bei einer Anwaltskanzlei in Panama. Was wissen Sie über diese Kanzlei?

Zusatzinhalt überspringen

Daniel Thelesklaf

Thelesklaf ist Vorsitzender des Geldwäscherei-Ausschusses des Europarats und Leiter der Stabstelle Financial Intelligence Unit in Liechtenstein.

Daniel Thelesklaf: Die Anwaltskanzlei ist eine der grössten Anbieterinnen solcher Geschäfte in Panama. Das zentralamerikanische Land ist beliebt bei Leuten, die eine Gesellschaft gründen wollen. Die Vorschriften sind nicht so streng wie in Europa. Davon hat Panama in den letzten Jahren enorm profitiert.

Politiker, Sportler, angesehene Leute, aber auch Kriminelle haben diese Gesellschaften gegründet. Dürfen sie das?

«  Vermutlich führt die Spur in der Schweiz zum Nicht-Bankensektor. »

Grundsätzlich ist es legal, solche Gesellschaften zu gründen, auch für Politiker, Sportler und andere bekannte Personen. Gerade im Umgang mit Politikern im Amt sind die Anforderungen für den Anbieter aber sehr hoch: Er muss genau abklären, wo die Gelder herkommen. Wegschauen oder sich auf die Aussagen Dritter verlassen geht nicht.

Wofür gründen Leute aus Politik, Wirtschaft und Sport solche Gesellschaften? Zur Steuerhinterziehung? Zum Verstecken von Vermögen?

Es gibt durchaus auch ehrenwerte Gründe, eine solche Gesellschaft zu gründen. Es kann zum Beispiel sein, dass ein Politiker vor der Wahl in ein Amt als Industrieller tätig war. Er kann seine Aktien dann einer solchen Gesellschaft übergeben, damit sie seine Vermögenswerte verwaltet, so lange er im Amt ist. Das verhindert Interessenskonflikte. Es gibt aber auch Missbräuche. Deshalb müssen alle Beteiligten bei der Gründung und Verwaltung einer solchen Gesellschaft sehr genau hinschauen. Vorallem bei Politikern oder anderen Personen, die ein gewisses Risiko haben, sich nicht legal zu benehmen.

Ein Netzwerk von Journalisten hat einzelne Aspekte des Datenlecks bereits ausgewertet. Ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin soll Gelder über die Schweiz geschleust und mit Schweizer Anwälten und Treuhändern gearbeitet haben.

Es wundert mich nicht, dass in den «Panama Papers» auch von Geschäften mit Verweisen in die Schweiz die Rede ist. Die Schweiz ist ein grosser Finanzplatz. Vermutlich führen die Spuren aber nicht zum Bankensektor. Denn die Banken in der Schweiz sind ziemlich gut reguliert.

Das Beispiel zeigt aber, dass die Gazprombank Schweiz für den engen Vertrauten Putins ein Konto eröffnet hat. Offenbar hat die Bank keine zusätzlichen Abklärungen getroffen, obwohl es sich um eine politisch exponierte Person handelt. Was sagt das über den Finanzplatz Schweiz aus?

Ich kann nicht beurteilen, ob die Gazprombank Schweiz in diesem Fall etwas falsch gemacht hat. Die Finma wird die nötigen Abklärungen treffen. Es ist aber eine Tatsache, dass in den grossen Schweizer Korruptionsfällen der letzten zehn Jahre sehr oft Auslandbanken eine Rolle gespielt haben. Offenbar ist dort die Arbeit eines Compliance Officers noch schwieriger als bei einer Schweizer Bank.

Das Gespräch führte Barbara Widmer.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Schweizer Banken involviert in Datenleck

    Aus Tagesschau vom 4.4.2016

    In den «Panama Papers» sind mehr als 1‘200 Schweizer Firmen erwähnt. Zehntausende Offshore-Gesellschaften wurden hier initiiert. Einschätzungen von SRF-Korrespondent Andreas Kohli.

  • Erste Ermittlungen eingeleitet wegen «Panama Papers»

    Aus Tagesschau vom 4.4.2016

    Die australischen Behörden nehmen mögliche Steuerhinterzieher ins Visier. Nach den Enthüllungen über illegale Geschäfte mit Briefkastenfirmen von Politikern, Sportstars und Kriminellen aus aller Welt sind die Steuerämter alarmiert.

  • Panama-Papiere: Datenleck zeigt umstrittene Offshore-Geschäfte

    Aus Rendez-vous vom 4.4.2016

    Die Enthüllungen eines internationalen Netzwerks von Medienschaffenden sorgen für Aufregung und setzen Politiker und Prominente aus Wirtschaft, Sport und Showgeschäft unter Druck. Islands Regierungschef Gunnlaugsson etwa soll im umstrittenen Offshore Geschäft Millionen angelegt haben.

    Barbara Widmer, Bruno Kaufmann und Matthias Heim

    Barbara Widmer, Bruno Kaufmann und Matthias Heim