«Es steht kein einziger Strommast mehr»

Die Hilfe für die Überlebenden des Taifuns rollt langsam an. Den Vorwurf, die philippinische Regierung handle zu langsam, lässt diese nicht gelten. SRF-Korrespondent Florian Inhauser hat sich auf der Insel Leyte umgesehen.

Das Ausmass der Katastrophe sei überwältigend gewesen, sagt der philippinische Verteidigungsminister Voltaire Gazmin. Er wehrte sich gegen Vorwürfe, dass die Hilfe nach dem Taifun «Haiyan» zu langsam anlaufe.

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Florian Inhauser

Florian Inhauser

Florian Inhauser, 46, arbeitet seit 2001 bei SRF. Bis 2004 war er Redaktor bei der «Tagesschau». Von 2004 bis 2007 wirkte er als Auslandskorrespondent Grossbritannien und Republik Irland in London. Seit seiner Rückkehr ist er als Moderator, Redaktor, Reporter und Sonderkorrespondent für die «Tagesschau» tätig.

Allein auf der verwüsteten Insel Leyte benötigen 270'000 Familien Zelte. Viele Menschen leiden Hunger und Durst. SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser ist derzeit in der zweitgrössten Stadt von Leyte, Ormoc, unterwegs. «Die Lage ist dramatisch, hier steht kein einziger Strommast mehr, bis zu 80 Prozent der Häuser sind zerstört und die Menschen haben zu wenige Lebensmittel, es fehlt an Trinkwasser.»

Tote bei Plünderung

Diese Not hat zusätzliche Menschenleben gefordert: Beim Sturm auf ein Reislager wurden acht Menschen unter einer einstürzenden Mauer begraben.

Er habe auf Ormoc keine solche Szenen beobachtet, sagt Florian Inhauser in der «Tagesschau» des Schweizer Fernsehen. Inhauser hat eine Verteilstation für Lebensmittel besucht und berichtet: «Alle Menschen standen in einer Reihe, alles lief ganz ruhig und geordnet ab. Plünderungen habe ich keine gesehen.»

Grossandrang am Flughafen Tacloban

Gleichzeitig versuchten tausende Sturmopfer auf dem Flughafen der besonders stark betroffenen Stadt Tacloban, einen Platz in einem Flugzeug zu ergattern. «Alle sind in Panik», beschrieb die Militärärztin Emily Chang die Situation. «Die Menschen sagen, dass es kein Essen gibt, kein Wasser, sie wollen hier weg.» Allerdings sei die Zahl der Flüge sehr begrenzt.


Offiziell über 4400 Todesopfer

Mindestens 4460 Tote seien nun bestätigt. Dies teilte ein UNO-Sprecher in New York mit. Rund 12 Millionen Menschen seien betroffen, rund 920‘000 von ihnen mussten demnach ihre Häuser verlassen. Zuvor war die offizielle Zahl der Opfer mit 2357 angegeben worden. Es wird damit gerechnet, dass die Zahl weiter steigt.

Viele Personen werden unter den Trümmern noch immer vermisst. In einem Interview mit CNN sagte der philippinische Präsident, Benigno Auino, dass die Gesamtzahl der Toten bei 2500 liegen könnte.

Vor allem Kinder litten besonders unter den Folgen des Taifuns «Haiyan». Laut dem UNO-Kinderhilfswerk Unicef seien Atemwegsinfektionen und Durchfallerkrankungen für die Kleinen besonders gefährlich. Umso wichtiger seien jetzt sauberes Wasser, Nahrung, Medikamente, Kleidung und Impfstoffe. Unicef Schweiz sprach 300'000
Franken für die Soforthilfe.

Tweets zur Lage auf den Philippinen

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Massenbegräbnisse auf den Philippinen

    Aus Tagesschau vom 14.11.2013

    Allmählich läuft die internationale Hilfe an in den Gebieten, die der Taifun Haiyan verwüstet hat. Inzwischen wurden erste Todesopfer in Massengräbern bestattet. Aus Ormoc auf der Insel Leyte, die ganz besonders von Haiyan getroffen wurde, meldet sich SRF-Sonderkorrespondent Florian Inhauser.

  • Philippinen - verzweifeltes Warten auf Hilfe

    Aus Echo der Zeit vom 14.11.2013

    Auch fast eine Woche nach dem Wirbelsturm prägen Zerstörungen und Chaos das Bild auf vielen philippinischen Inseln, auch in Tacloban auf der Insel Leyte. Hilfe ist zwar angekommen, aber die Verteilung ist schwierig, genauso wie die Kommunikation. Gespräch mit einem Journalisten vor Ort.

    Willi Germund

  • Ein halbes Grad mehr fördert Katastrophen

    Aus Tagesschau vom 13.11.2013

    Die UNO-Weltorganisation für Meteorologie zeigt in seinem neusten Klimabericht, dass auch das Jahr 2013 zu den wärmsten Jahren gehört seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1850. Konkret dürfte es 0,48 Grad wärmer sein als im Durchschnitt. Ein halbes Grad mehr bringt die Meeresspiegel zum Steigen und macht Wirbelstürme gefährlicher.

  • Auf den Philippinen kommt Versorgung nur schleppend voran

    Aus Tagesschau vom 13.11.2013

    Die Zahl der Taifun-Toten auf den Philippinen ist offiziell auf mehr als 2000 gestiegen. Das sind allerdings nur die bestätigten Opfer. Im Katastrophengebiet kommt die Versorgung nur schleppend voran. Die Verzweiflung wächst. Zahlreiche Lebensmittellager und Warenhäuser sind geplündert worden - offenbar nicht nur von Verzweifelten. Aus Cebu meldet sich SRF-Sonder-Korrespondent Florian Inhauser.

  • Katastrophe auf den Philippinen

    Aus 10vor10 vom 12.11.2013

    Behörden und Rettungskräfte haben inzwischen einen groben Überblick, wo der Tayfun «Haiyan» am schlimmsten gewütet hat. Verlässliche Angaben über die Anzahl Toten gibt es aber noch nicht. Es sind Eindrücke, Schätzungen und Hochrechnungen. Klar ist einzig: Der Überlebenskampf im Katastrophengebiet wird für die Menschen immer härter.

  • Helfer im Katastrophengebiet

    Aus 10vor10 vom 12.11.2013

    Während die Helfer auf den Philippinen mit Infrastruktur und Logistikproblemen kämpfen, läuft ihnen langsam die Zeit davon. Die ehemalige Kolonialmacht USA hat Teile ihrer Flugzeugträger-Flotte von in Bewegung gesetzt. Und die Schweizer Helfer konzentrieren sich mit ihrem Einsatz auf ein Gebiet, dass bislang kaum berücksichtigt worden ist.

  • Philippinen - langes Warten auf Hilfe

    Aus Echo der Zeit vom 12.11.2013

    Aus aller Welt trifft Hilfe ein auf den Philippinen. Tonnen von Essenspaketen, Trinkwasser, Kleider und Decken. Doch viele Überlebende warten noch immer vergebens.

    Veronika Meier

  • Schweizer Hilfe auf den Philippinen

    Aus Rendez-vous vom 12.11.2013

    Mehr als 10'000 Tote und unglaubliche Verwüstungen; nach dem Wirbelsturm Haiyan läuft die Hilfe auf den Philippinen nur zörgerlich an. Für die Hilfsorganisationen ist es extrem schwierig, in die Katastrophengebiete vorzudringen - auch für das Schweizerische Korps humanitäre Hilfe SKH.

    Katrin Hug

  • Jan Pingel zum Inselstaat der Philippinen

    Aus Rendez-vous vom 12.11.2013

    Tag vier nach der verheerenden Taifun-Katastrophe auf den Philippinen. Die Hilfe vor Ort rollt nur schwer an und es drohen Regen und neue Stürme. Der deutsche Politologe und Konfliktforscher Jan Pingel hat mehrere Jahre auf den Philippinen gelebt. Er ist Gast von Elisabeth Pestalozzi.