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International Eskalation im Jemen: Saudis greifen militärisch ein

Der Konflikt im Jemen verschärft sich dramatisch. Saudi-Arabien bombardiert die Huthi-Rebellen. Diese warnen vor einem «grossen Krieg». Zuvor hatte Präsident Hadi um internationale Hilfe gebeten. Fraglich ist, wie Iran reagiert.

Militärjets der saudischen Luftwaffe
Legende: Riad hat nach eigenen Angaben Luftangriffe in Jemen geflogen – die Huthi-Rebellen reagieren scharf. Reuters/ARCHIV

Saudi-Arabien hat zusammen mit mehr als zehn Nationen in den Konflikt im Jemen eingegriffen. Saudische Kampfjets würden Stellungen der schiitischen Huthi-Rebellen bombardieren, sagte der saudische Botschafter in Washington, Adel al-Dschabir vor Journalisten.

Es seien Ziele in der Hauptstadt Sanaa und an anderen Orten des Landes angegriffen worden, fügte der Diplomat hinzu. Der Militäreinsatz erfolge auf Bitten der legitimen Regierung Jemens, teilte al-Dschabir mit.

Ziel der Operation sei deren Schutz vor einer Übernahme durch die schiitischen Huthi-Rebellen. Die USA seien an der Militäraktion im Nachbarland nicht beteiligt, sein Land habe jedoch die Regierung in Washington konsultiert, so der Botschafter weiter.

Huthis warnen vor Flächenbrand

Ein Sprecher der Huthis bezeichnete die saudischen Angriffe als Kriegserklärung. Die Luftangriffe der Saudis und einer Koalition mehrerer anderer Staaten werde einen grösseren militärischen Konflikt in der ganzen Region auslösen, sagte ein Rebellensprecher dem arabischen Nachrichtensender Al-Dschasira.

Porträtbild von Jemens Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi
Legende: Konnte die Macht im Land nicht zurückgewinnen: Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi Reuters

Präsident Hadi taucht unter

Zuvor hatte der von den Huthis in der südjemenitischen Hafenstadt Aden bedrängte Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi das Ausland dringend um ein militärisches Eingreifen gebeten.

Rebellen stürmten Luftwaffenstützpunkt

Die Rebellen hatten nach Angaben lokaler Quellen in der Nacht auf Mittwoch eine auch vom US-Militär genutzte Luftwaffenbasis etwa 50 Kilometer vor der Stadt eingenommen. Auf ihrem Weg nach Aden eroberten sie unter anderem auch die Universitätsstadt Tais und schlugen dort in den vergangenen Tagen Demonstrationen gegen sie blutig nieder.

Huthi-Rebellen fahren auf einem Pickup
Legende: Huthi-Rebellen rücken weiter auf die Hafenstadt Aden vor. Reuters

Nach eigenen Angaben griffen die Rebellen auch den jemenitischen Verteidigungsminister auf. Mahmud al-Subaihi sei «festgenommen» worden, als er mit Milizionären gegen die Huthis vorging, hiess es. Eine unabhängige Bestätigung gab es zunächst nicht.

Unterstützung erhalten die Huthis nach lokalen Quellen von Soldaten, die dem ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh treu ergeben sind. Saleh war Anfang 2012 nach Protesten gegen ihn zurückgetreten.

«Keine iranische Hilfe»

Sie sollen auch Unterstützung aus dem ebenfalls schiitischen Iran erhalten. Eine Reaktion des Iran gab es zunächst nicht. Die Huthi-Rebellen selbst wollen nach eigenen Angaben ohne die Hilfe des Iran auf die Luftangriffe des Nachbarlandes Saudi-Arabien reagieren. «Das jemenitische Volk ist darauf vorbereitet, auf diese Aggression ohne ausländische Einmischung zu antworten», sagte ein ranghoher
Vertreter der Huthi-Miliz.

Der Iran nutzt seit Jahren die Krisen in der Region aus, um seinen Einfluss auszudehnen. Er ist tief in die Kriege in Syrien und dem Irak verwickelt und hat seine Hände auch im Libanon und aktuell im Jemen im Spiel.

Geteiltes Land

Die schiitischen Huthis beherrschen seit Monaten grosse Teile Nordjemens sowie die Hauptstadt Sanaa. Ende Februar floh Präsident Hadi aus Sanaa nach Aden. Von dort aus versuchte er, die Macht im Land wiederzuerlangen. Hadi wird von Saudi-Arabien und anderen sunnitischen Monarchien der Region unterstützt. Die Huthi dagegen von Iran.

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21 Kommentare

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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Saudi Arabien hat das höchste Militärbudget der Region (42 Mia. Euro) Aktive Bodentruppen: 75'000 Mann. (Gesamtstärke ca. 230'000 Mann) Die königl. Familie betrachtet die Armee als Instrument des Machterhalts auch im Hinblick der Sicherung der Erdölquellen, welchen im schiit. domin. Osten des Landes sind. Andererseits muss ja noch die Grenzsicherung gegenüber Irak gewährleistet sein. Die Möglichkeiten einer Intervent. im Jemen welche über Angriffe mit der Luftwaffe hinausgehen sind gering.
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Eins muss man dem führendem Geheimdienst lassen. Er versteht es, seine "Partner" für seine Spielchen perfekt einzuspannen, ohne dass sich diese "missbraucht" fühlen. Man muss ihnen einfach gratulieren. Eine Lebensweise, die genau betrachtet nur für eine kleine Minderheit aufgehen kann. Und der Verdrängungskampf bringt ihnen Zulauf ohne Ende. Wer am besten dirigiert/manipuliert, entfacht gekonnt neue Krisenherde. Nach der Krise beginnt das grosse Absahnen-genial, lukrativ und perfide!!
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  • Kommentar von Hans Berger, Bern
    Der Nähe Osten wird zum grössten Teil von Russland mit Waffen beliefert. Putin hat schon seine Gründe um dort Krieg anzufachen. So kann er von den anderen Schandtaten ablenken!
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    1. Antwort von Markus Elber, Bern
      soso...jetzt wären dann mal Fakten angebracht von ihnen. Sie machen es sich sehr einfach-ein paar zweifelhafte Floskeln einwerfen und gut ists. Legen sie doch mal ihren Hass ab wo auch immer der auch herkommt dann kehrt auch die Objektivität wieder.
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    2. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @H. Berger: Wenn es sich um leichte Infanteriewaffen für Terror u. Aufstände handelt mögen Sie recht haben. Saudi Arabien, U.A.E. Jordanien beziehen Rüstungsgüter fast ausschliesslich aus westl. Staaten. Die Ausnahme ist die Bestellung im Jahr 2007 von Saudi-Arabien von 180 Pz. Typ T-90 in Russland und eine gewisse Anzahl Flugabwehrraketen (Saudi Arabien ist mit Abstand der wichtigste Kunde bei amerik. Rüstungskonzernen.
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